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Fahrschulen Der schnelle Weg zum Führerschein

08.10.2004 ·  "Jetzt bin ich fast ein bißchen nervös." Jürgen Koller (Name geändert) atmet tief durch. Noch ein Seitenblick auf Jürgen Bolz, den Fahrlehrer, dann löst Koller die Handbremse, legt den ersten Gang ein und dreht den Schlüssel im Zündschloß um.

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"Jetzt bin ich fast ein bißchen nervös." Jürgen Koller (Name geändert) atmet tief durch. Noch ein Seitenblick auf Jürgen Bolz, den Fahrlehrer, dann löst Koller die Handbremse, legt den ersten Gang ein und dreht den Schlüssel im Zündschloß um. Es ist seine erste Fahrstunde, und in einer Woche will er seinen Führerschein in der Hand halten.

Koller hat sich erst vor kurzem dazu entschlossen, den Autoführerschein der Klasse B zu machen, "aus reiner Notwendigkeit", sagt er. Denn der 32 Jahre alte Mann muß wegen eines Computer-Projektes einige Monate in Polen verbringen. "Dort auf dem Land kann ich mich nicht auf öffentliche Verkehrsmittel verlassen", sagt er - er brauche ein Auto. Viel Zeit bleibt dem selbständigen Unternehmer bis zu seiner Abreise nicht mehr. Darum hat er sich eine Woche Urlaub gegeben und sich bei "Scout Logic" angemeldet, einer Fahrschule, die mit dem Slogan "Führerschein in sieben Tagen" wirbt.

Nach 15 Stunden kostet Koller der Straßenverkehr noch immer Anstrengung. Schweiß rinnt ihm von der Stirn, als er auf ein "Vorfahrt achten"-Schild zufährt und in letzter Minute auf die Bremse tritt. Mit rotem Kopf folgt Koller den Anleitungen seines Fahrlehrers, der ihn mit ruhiger Stimme über Frankfurts Straßen führt: Fußgänger rechts, eine Straßenbahn links - in Polen wird es hoffentlich ruhiger zugehen. Wieder vor der Fahrschule, lehnt sich der Schüler seufzend zurück. Doch zum Ausruhen bleibt keine Zeit. Bei der Prüfung in drei Tagen muß er die Verkehrsregeln beherrschen. Darum setzt er sich - wie schon vor der Stunde - in den Büroraum von "Scout Logic" und beugt sich über die Testbögen, reichlich müde.

Der Zeitdruck, unter dem die Schüler von "Scout Logic" stehen, ist groß und das Intensivprogramm umstritten. "Es ist nicht möglich, einen Fahrschüler in so kurzer Zeit auf den Führerschein vorzubereiten", sagt ein Fahrlehrer eines anderen Betriebs, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Aus unserer Sicht ist eine Ausbildung in sieben Tagen möglich", sagt dagegen Gerhard Müller, Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt, das für die Überwachung der Fahrschulen in Frankfurt zuständig ist. Voraussetzung für die Führerscheinprüfung seien 14 Doppelstunden Theorie und zwölf Sonderfahrten sowie die nötigen Papiere. "Da der TÜV die Führerscheinprüfung abnimmt, ist die Qualität gewährleistet", sagt Müller.

Die kurze Vorbereitungszeit erhöht freilich die Gefahr, die Prüfung nicht zu bestehen. Um dieses Risiko zu minimieren, lädt Jürgen Bolz vor Kursbeginn zu einer Probefahrt ein. "Wenn jemand keine Vorerfahrung hat oder ich das Gefühl habe, daß er es nicht schafft, verweise ich ihn an eine normale Fahrschule", sagt er. Denn während des Intensivkurses können die drei Fahrlehrer von "Scout Logic" jedem der insgesamt acht Schüler höchstens 24 Fahrstunden erteilen. Inklusive Anmeldegebühren und Lernunterlagen kostet der schnelle Weg zur Fahrerlaubnis knapp 1600 Euro.

Ebenfalls in kurzer Zeit kann man bei der "Drive Akademie" den Führerschein machen. Deren Leiter Peter Schmidt hat sich vor einem halben Jahr bei der "Drive Station" an der Rothschildallee eingemietet. Die "Akademie" bildet die Fahrschüler aus, während die " Station" dafür das technische Gerät zur Verfügung stellt: zwei Fahrzeugsimulatoren und vier Computerarbeitsplätze, an denen die Schüler ihre theoretischen Kenntnisse vertiefen können. Mit diesem Programm aus Fahrstunden und Training am Simulator kann ein Anfänger in zwei Wochen prüfungsreif werden, für etwa 1300 Euro.

Die Simulatoren lassen die Schüler Situationen wie Wildwechsel, Aquaplaning, Anfahren am Berg und schneeglatte Straße erleben. Die Fahrerkabine ist wie ein Kleinwagen ausgestattet und nickt und holpert passend zur Straßenführung auf dem Bildschirm. Rudo von Leonhardi ist der Inhaber der "Drive Station", der ersten Anlage dieser Art in Deutschland. Der Mann, der lange für den Deutschen Verkehrssicherheitsrat gearbeitet hat, will Anfänger mit Hilfe der Simulatoren auf Gefahren im Straßenverkehr vorbereiten. Damit ist auch eine Geschäftsidee verbunden: Leonhardi plant die Anschaffung mehrerer Simulatoren, die er an Fahrschulen verleihen will. Training am Bildschirm, meint er, sei doch beispielsweise auch für Autofahrer interessant, die ihre Kenntnisse auffrischen wollten, etwa, weil sie seit Jahren nicht mehr hinter dem Steuer gesessen hätten. Vielleicht wird sich auch der Computerfachmann Koller in einen Simulator setzen, vielleicht nimmt er aber auch noch einige Fahrstunden - denn seine erste Führerscheinprüfung hat er nicht bestanden. KATJA KÖLBL

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