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Sonntag, 12. Februar 2012
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EZB-Neubau Kein „Groundscraper“ neben Großmarkthalle

10.01.2006 ·  Die Planungen für den neuen Sitz der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend sind noch einmal erheblich überarbeitet worden. So wird der bisher geplante sogenannte „Groundscraper“ entfallen. Die Baukosten konnten auf jene 500 Millionen Euro gesenkt werden

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Die Planungen für den neuen Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend sind noch einmal erheblich überarbeitet worden. Wie Andrea Jürges, Pressesprecherin der EZB, am Montag auf Anfrage mitteilte, wird der bisher geplante sogenannte „Groundscraper“ entfallen. Dabei handelte es sich um eine Art liegendes Hochhaus, das parallel zur Großmarkthalle entstehen sollte. Statt dessen soll nun ein weitaus kleinerer, schmaler Baukörper quer durch die Großmarkhalle „hindurchgesteckt“ werden. Im Südosten berührt er den Doppelturm und ragt im Nordwesten über die Halle hinaus. Jürges kündigte an, die EZB werde demnächst ein Modellfoto von dem neuen Riegelbau vorlegen.

Die Gestalt des Turms ist dagegen nur leicht verändert worden. Er soll nun 177 Meter hoch werden, das sind sieben Meter weniger als in dem zuletzt präsentierten Entwurf. Es bleibt bei dem winkelförmigen Aufbau auf der Spitze, der die beiden durch ein gläsernes Atrium getrennten Hochhausscheiben miteinander verbindet. Dort wird der Sitzungssaal des EZB-Rats untergebracht. Der Rat hat in seiner Sitzung am 15. Dezember vorigen Jahres dem optimierten Entwurf von Coop Himmelb(l)au zugestimmt. Damit kann jetzt die Planungsphase beginnen.

Baukosten auf 500 Millionen Euro gesenkt

Laut Jürges konnten die Baukosten in der Optimierungsphase auf jene 500 Millionen Euro gesenkt werden, die die EZB als Maximum festgelegt hatte. In der Summe seien auch die technische Ausrüstung und die Landschaftsgestaltung des Areals enthalten. Nach der Optimierung seien nur noch 2300 statt der bisher geplanten 2500 Arbeitsplätze in dem Gebäudekomplex vorgesehen. Es bleibe bei der vorgesehenen Zahl von bis zu 1800 EZB-Mitarbeitern, nur die Plätze für Berater und Praktikanten seien reduziert worden. Mit dem Bau des neuen EZB-Sitzes werde voraussichtlich Ende 2007 begonnen, der Umzug aus dem Eurotower im Bankenviertel ist für 2011 geplant.

Das Landesamt für Denkmalpflege habe dem neuen Entwurf schon zugestimmt, sagte Jürges weiter. Das ist insofern überraschend, als Denkmalpfleger Christoph Mohr einen Eingriff in die Substanz der Halle aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und vor allem in ihre damals revolutionäre Dachkonstruktion zunächst strikt abgelehnt hatte. Auf Betreiben der Denkmalschützer hatten die Architekten von Coop Himmelb(l)au deshalb in der zweiten Phase des 2003 entschiedenen Wettbewerbs ihren ursprünglichen Entwurf entsprechend entschärft. Zunächst verlief der schätzungsweise 80 Meter breite „Groundscraper“ mitten durch die Großmarkthalle, um Historie und neue Nutzung des Areals miteinander zu verklammern. Einige Architekturkritiker hatten diese Entscheidung jedoch bedauert. Denn der „Groundscraper“ lag nun in braver Parallelität neben der Halle, die zur Architektursprache von Coop Himmelb(l)au nicht recht passen wollte, die sich auch in dem leicht in sich verdrehten Doppelhochhaus widerspiegelte.

Konferenzräume und Kantine in der Großmarkthalle

Der jetzt geplante schmale Bau ist offenbar eine Kompromißlösung. Daß er die Halle im Westen durchstößt, ist auch aus denkmalpflegerischer Sicht am leichtesten zu verkraften, denn dort hatten Bombentreffer die Dachkonstruktion im Zweiten Weltkrieg einstürzen lassen, so daß es sich nicht um Originalsubstanz handelt. Der Verzicht auf den „Groundscraper“ bedeutet auch, daß der Blick auf die Großmarkthalle von Süden, also vom Main her, weitgehend frei bleiben wird.

Nach Angaben von Jürges ist noch nicht über das Fassadenmaterial des Doppelturms entschieden worden. Das werde erst während der demnächst beginnenden Planungsphase geschehen. Auch sei noch offen, ob das Betonfachwerk der Großmarkthalle erhalten werden könne oder ob die Wände der Längsseiten verglast werden, wie es Coop Himmelb(l)au vorschlagen. Das solle nach Untersuchungen über den Zustand der Bauteile und in Gesprächen mit der Denkmalpflege geklärt werden.

Die Konferenzflächen und die Kantine, die bisher im „Groundscraper“ Platz gefunden hatten, würden in der Großmarkthalle untergebracht, so Jürges. Dort blieben auch weiterhin die Bibliothek, das Presse- und das Besucherzentrum und die Lobby der EZB. Trotz dieser Verdichtung der Funktionen werde die Halle nicht vollgestellt wirken.

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