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Erwachsenenbildung Mindestens 31000 Analphabeten in Frankfurt

01.07.2008 ·  Rund 31 000 Frankfurter können nicht richtig lesen und schreiben, obwohl sie als „Bildungsinländer“ in Deutschland die Schulbank gedrückt haben. Das zumindest geht aus einer Schätzung des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung hervor.

Von Tobias Rösmann
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In Frankfurt können nach Schätzung des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung rund 31 000 Menschen nicht richtig lesen und schreiben. Diese Zahl der „funktionalen Analphabeten“ erfasse alle Frankfurter, die älter als 15 Jahre und „Bildungsinländer“ seien, also ihre ganze Schulzeit in Deutschland absolviert hätten, erläuterte der Geschäftsführer des Bundesverbands, Peter Hubertus. Sie lasse sich ermitteln aus der Summe der Analphabeten in ganz Deutschland, die auf etwa vier Millionen geschätzt werde; in Hessen seien es zirka 300000.

Schlechter als Drittklässler

Als funktionale Analphabeten bezeichnet der Bundesverband jene Erwachsene, die nicht einmal so gut lesen und schreiben können wie Grundschulkinder in der dritten Klasse. „Diese Menschen können aber bei weitem nicht alle in gleicher Weise nichts“, sagt Hubertus, dessen Verein im westfälischen Münster seinen Sitz hat. So seien manche zwar in der Lage, „Stuhl“ oder „Tisch“ zu schreiben, aber nicht „Portemonnaie“. Andere könnten das Alphabet aufsagen, scheiterten aber an der Verknüpfung der Buchstaben.

Das Wort „funktional“ solle anzeigen, dass die Betroffenen trotz geringer Lese- und Schreibkenntnisse die Herausforderungen der Gesellschaft nicht meistern könnten. Für diese Menschen verschlimmere sich die Lage in einer immer komplexeren Welt. So nehme beispielsweise die Zahl der einfach strukturierten Arbeitsplätze ab, in denen Lesen und Schreiben nicht Voraussetzung sei.

Alphabetisierung bei der Volkshochschule

Das Frankfurter Bildungsdezernat bestätigte die Zahlen. Man rechne mit fünf bis zehn Prozent funktionalen Analphabeten, sagt der Referent von Jutta Ebeling (Die Grünen), Michael Damian. „Dann sind wir schnell sogar bei 35000 Menschen.“ Ein Indikator seien die Alphabetisierungskurse an der Frankfurter Volkshochschule (VHS).

Allein im ersten Halbjahr habe die von der Stadt finanzierte VHS 25 solcher Kurse angeboten, in sechs Schwierigkeitsstufen. „Die Volkshochschule leistet hervorragende Arbeit“, sagt Damian. Doch sei die Alphabetisierung der Bevölkerung eine klassische Bildungsaufgabe und damit von den Ländern zu leisten. So müsse Hessen mehr Geld für Lehrer bereitstellen, die Intensivkurse anbieten könnten.

Zahlen nur geschätzt

Nach den Worten von Peter Hubertus gibt es in Deutschland keine empirische Studie zum Analphabetismus. Die Zahlen würden geschätzt aufgrund verschiedener Indikatoren. So sei es bislang auch nur eine Vermutung, dass die Analphabetenquote in Großstädten prozentual höher liege als jene geschätzten 6,3 Prozent der erwachsenen Bildungsinländer. In Großstadtvierteln mit sozialen Brennpunkten wie in Frankfurt sei beispielsweise die Zahl der Schulabbrecher statistisch höher.

Als erwachsen werde wegen einer einheitlichen Festlegung der Unesco jeder Frankfurter definiert, der älter als 15 sei. Die Ergebnisse der Pisa-Studie hätten die Schätzungen des Bundesverbands Alphabetisierung allerdings bestätigt. Dort hätten sogar knapp zehn Prozent der Schüler nicht einmal die unterste Teststufe erreicht.

Studie geplant

Das Bundesbildungsministerium prüft derzeit, ob der Grad des Analphabetismus in Deutschland mit einer Studie ermittelt werden soll, wie Geschäftsführer Hubertus weiter erläutert. Eine Schwierigkeit sei die Datenerhebung. Sie könne weder auf Freiwilligkeit basieren noch per Zwang erfolgen. Ein Weg wäre seiner Ansicht nach, über Teilgruppen – etwa Jugendliche in Abschlussklassen oder Teilnehmer in Lesekursen der Volkshochschulen – die korrekte Zahl festzustellen.

Hinzu komme die politische Brisanz für den Fall, dass die Zahlen höher lägen als geschätzt. Entscheidend für eine saubere Rechnung sei außerdem, wo die Grenze für die Bezeichnung „Analphabet“ gezogen werde: „Analphabetismus ist ähnlich relativ wie Armut.“

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