24.06.2008 · Ein Ganztagsplatz in einer Frankfurter Kinderkrippe soll vom nächsten Jahr an nur noch 198 Euro monatlich kosten. Bisher müssen Eltern von Kindern unter drei Jahren 373 Euro im Monat zahlen. Zugleich will die Kommune das Betreuungsangebot ausbauen.
Von Matthias TrautschEin Ganztagsplatz in einer Frankfurter Kinderkrippe soll vom nächsten Jahr an nur noch 198 Euro monatlich kosten. Bisher müssen Eltern von Kindern unter drei Jahren 373 Euro im Monat zahlen. Durch die Senkung des Krippenentgelts entgehen der Stadt im nächsten Jahr rund 5,3 Millionen Euro Einnahmen. Dies teilte Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) mit.
Zugleich will die Kommune das Betreuungsangebot ausbauen: 2009 sollen 900, in den folgenden drei Jahren jeweils 1100 zusätzliche Krippenplätze entstehen. Somit kann die Stadt im Jahr 2013, wenn der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz in Kraft tritt, für die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren Plätze anbieten. Damit wird nach den Worten Ebelings die Quote von 35 Prozent, auf der der Rechtsanspruch basiert, deutlich übertroffen. Die Kosten für die zusätzlichen Plätze bezifferte die Bildungsdezernentin auf rund 30 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre.
32 Millionen Euro für Kinderbetreuung
Die Verbilligung und der Ausbau der Krippenplätze gehören zu den Ergebnissen der Haushaltsgespräche zwischen den hauptamtlichen Dezernenten. Nach den Sommerferien soll der Etatentwurf für das Jahr 2009 den Stadtverordneten vorgelegt werden. Ebeling stellte die Eckpunkte in ihren Ressorts vor, insbesondere die Ausgaben für Krippen, Kindergärten, Horte und Schulen. Hierfür bezifferte sie die Investitionssumme, also die zusätzlichen Ausgaben und das Geld für Sanierungen und Neubauten, auf 97 Millionen Euro. Davon entfallen 32 Millionen Euro auf die Kinderbetreuung und 65 Millionen Euro auf die Schulen.
Die Mehrausgaben in der Kinderbetreuung kommen durch die Senkung des Entgelts, den Ausbau des Angebots und die Tariferhöhung im öffentlichen Dienst zustande. In den Genuss der höheren Gehälter sollen auch die Mitarbeiter von freien Trägern kommen: Die Stadt will die Zuschüsse etwa für kirchliche Einrichtungen so erhöhen, dass die Tarifsteigerungen ausgeglichen werden.
Zugleich soll mehr Personal eingestellt werden. 85 Prozent der Frankfurter Kindertageseinrichtungen sollen im nächsten Jahr ein Verhältnis von zwei Erzieherinnen je Gruppe erreichen. 2009 will die Stadt 200 zusätzliche Stellen schaffen, bis zum Jahr 2013 sind weitere 200 neue Arbeitsplätze geplant. Diese sollen unter anderem in den zwölf Kindertagesstätten entstehen, die gebaut oder erweitert werden. Alle neuen Kitas sind dafür eingerichtet, dass sie Kinder vom Baby bis zu Zwölfjährigen aufnehmen können.
Rund 1,5 Million Euro sehen die Planungen für 440 zusätzliche Hortplätze vor. 300 davon sollen an Schulen entstehen. An den Hauptschulen will Ebeling mehr Sozialarbeiter einsetzen. Zu den bisher elf Stellen an sechs Schulen sollen sieben Stellen an vier weiteren Schulen kommen. Die Kosten hierfür steigen somit um 420.000 Euro. Als Modellprojekte sind an zwei Grundschulen sogenannte Elterncafés geplant. Diese sollen dazu dienen, mit Müttern und Vätern in Kontakt zu treten und sie bei Bedarf zu beraten.
Millionen für Schulgebäude
Große Investitionen sind in Schulgebäude geplant. So rechnet der Magistrat bis zum Jahr 2012 mit Kosten von 18,6 Millionen Euro für den Bau der Schule für Praktisch Bildbare in Nied und mit rund 14 Millionen Euro für den Bau der Grundschule und Kindertagesstätte Atterberry. Etwa 17,5 Millionen Euro sind für die Sanierung und Erweiterung der Carl-Schurz-Schule und 14,2 Millionen Euro für die Sanierung der Friedrich-Stoltze-Schule veranschlagt. Weitere acht Millionen Euro sollen an der Grundschule Kalbach, 6,2 Millionen Euro an der Georg-Büchner-Schule, sechs Millionen an der Ziehenschule, 4,4 Millionen Euro an der IGS Nordend und 3,3 Millionen Euro an der Merianschule investiert werden.
Bei der Vorstellung der Planungen zog Ebeling auch einen Vergleich zum Jahr 2005: Vor dem Beginn der schwarz-grünen Römerkoalition hätten die Ausgaben für Kinderbetreuung rund 145,5 Millionen Euro betragen; für das nächste Jahr seien hingegen 246,9 Millionen Euro vorgesehen. Für die Schulen werde die Stadt 2009 etwa 188,8 Millionen Euro ausgeben, während es vier Jahre zuvor nur 133,7 Millionen Euro gewesen seien. Die Zahl der Kinderbetreuungsplätze sei von rund 31 700 im Jahr 2005 auf 35 600 in diesem Jahr gestiegen. Bis 2012 werde das Angebot auf etwa 42 500 Plätze erweitert.