18.02.2010 · Fahrer von Elektroautos können in Frankfurt nun auch im Parkhaus Börse tanken. 25 weitere Ladestationen in städtischen Parkhäusern sind geplant.
Von Hans Riebsamen, FrankfurtDie Stadt Frankfurt wird in den nächsten beiden Jahren ein Netz von Elektrotankstellen aufbauen. Die Mainmetropole wolle Vorreiter bei der Elektromobilität sein, sagte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bei der Eröffnung einer Stromzapfsäule am Mittwoch Morgen im Parkhaus Börse. Frankfurt strebe an, eine „grüne Kapitale“ zu werden. Man werde bis zum Jahresende 2011 etwa 25 solcher Tankstellen für Elektroautos in den städtischen Parkhäusern errichten, kündigte Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender des städtischen Versorgungsunternehmens Mainova, an. Noch in diesem Jahr sollen seinen Angaben zufolge bis zu zehn Ladestationen bereitstehen.
Die Elektrotankstellen werden von der neugegründeten ABGnova, einem Gemeinschaftsunternehmen der Mainova und des städtischen Wohnungskonzerns ABG Frankfurt Holding installiert und unterhalten. Mainova liefert den Strom, der in diesem Fall ausschließlich sogenannter Naturstrom sein soll. Er wird in den beiden Main-Wasserkraftwerken des Versorgers in Griesheim und Eddersheim ohne jeden Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid erzeugt. Die ABG ihrerseits stellt ihre Frankfurter Parkhäuser als Standort für die Strom-Zapfsäulen zur Verfügung.
Sieben Euro für eine Tankfüllung
Die Elektrotankstelle im Parkhaus Börse ist die zweite Frankfurter Anlage in städtischer Hand. Die erste wurde zur Internationalen Automobil-Ausstellung an der Hauptwache errichtet, dort können aus Platzgründen aber nur die Batterien von Zweirädern geladen werden. Daneben baut der Energiekonzern RWE ein Tankstellennetz auf; bislang können nach Angaben eines RWE-Sprechers Autofahrer mit Elektroautos an 24 Ladepunkten in der Mainmetropole Strom tanken.
Im Parkhaus Börse gibt es während des nächsten halben Jahres den Strom für Elektroautos unentgeltlich. Danach, so kündigte Mainova-Vorstandschef Alsheimer an, müssten Kunden den normalen Strompreis, derzeit 21,3 Cent pro Kilowatt, entrichten. Ein komplettes Aufladen an einer der beiden Ladestationen dort kostet rund sieben Euro. Mit dem BMW-Mini, den Oberbürgermeisterin Roth gestern zur Probe betankte, kann man mit einer Ladung knapp 250 Kilometer weit fahren.
„Modellregion Elektromobilität“
An der neukonzipierten Ladesäule können Elektrofahrzeuge mit vier verschiedenen Steckersystemen aufgeladen werden. An der Tanksäule für Schnellladungen mit 400 Volt dauert das Tanken etwas mehr als drei Stunden, an der zweiten Säule mit 230 Volt je nach Autotyp bis zu acht Stunden. Der Autofahrer muss sich einmal anmelden und erhält dabei einen Stick, der an den Schlüsselbund passt. Mit ihm kann er die Tanksäule öffnen. Danach muss er lediglich den Stecker des Ladekabels am Fahrzeug und an der Säule in die richtige Dose stecken, und schon beginnt der Ladevorgang. Eine spezielle Sicherheitstechnik verhindert, dass ein Unbefugter während des Tankens das Kabel entfernt.
Frankfurt ist vor kurzem zusammen mit Offenbach, Wiesbaden und Kassel zu einer der „Modellregionen Elektromobilität“ bestimmt worden. Acht solcher Regionen in Deutschland nehmen an einem von der Bundesregierung mit 115 Millionen Euro ausgestatteten Modellversuch teil, in dem die Elektromobilität erprobt werden soll. In Frankfurt unternimmt die Stadt zusammen mit dem japanischen Automobilkonzern Mitsubishi einen Feldversuch mit drei Elektroautos. Einen weiteren Feldversuch betreibt die Kommune gemeinsam mit dem Paketzusteller UPS, der einen mit Elektroantrieb ausgestatteten Transporter im Stadtverkehr erprobt. „Wir geben der Industrie Möglichkeiten, ihre innovativen Produkte einzusetzen“, sagte Roth.