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Ehrengast der Buchmesse: die arabische Welt

25.06.2004 ·  Nicht tausendundeine Nacht dauert diese Erzählung aus Arabien, sondern lediglich fünf Tage. Und Schauplatz ist nicht ein Königspalast im Morgenland, sondern die Buchmesse in Frankfurt. Ein Märchen ist ...

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Nicht tausendundeine Nacht dauert diese Erzählung aus Arabien, sondern lediglich fünf Tage. Und Schauplatz ist nicht ein Königspalast im Morgenland, sondern die Buchmesse in Frankfurt. Ein Märchen ist es dennoch: 22 arabische Länder, sonst notorisch zerstritten, finden sich zusammen, um der Welt ihre Kultur vorzustellen. Fünf dieser Länder - Algerien, Libyen, Marokko, Kuweit und der Irak - sind nicht staatsoffiziell vertreten. Sie bleiben aber keineswegs draußen vor der Tür, werden vielmehr, wie der Generaldirektor der arabischen Organisation für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Mongi Bousneina, gestern bei der Vorstellung des Arabienprogramms der Buchmesse in der Deutschen Bibliothek hervorhob, mit Büchern und Schriftstellern in Frankfurt vertreten sein. Algerien etwa mit der in französischer Sprache schreibenden Autorin Assia Djebar, Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Jahr 2000, die gestern in der Deutschen Bibliothek für eine vielsprachige arabische Literatur plädierte.

Es ist, wenn man Volker Neumann, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse glauben darf, das erste Mal, daß die arabischen Länder ihre Kultur gemeinsam präsentieren. Die Verantwortung liege dabei ganz bei den arabischen Organisatoren, hob Neumann hervor, die Buchmesse habe keinen Einfluß auf das Programm des "Ehrengastes Arabien" genommen, habe lediglich mit Rat und Tat dem Vorbereitungskomitee zur Seite gestanden. Doch hat der Buchmessendirektor keineswegs verschwiegen, daß es unterschiedliche Ideen und Meinungen gibt, etwa über die gesellschaftliche Rolle der Frau oder die Bedeutung der Religion im Alltag.

Oder über die Freiheit des Wortes, die in manchen arabischen Ländern durch Zensur eingeschränkt wird. Davon hat aber nicht Neumann gesprochen, sondern Ibrahim El-Moallem, der Präsident des ägyptischen und arabischen Verlegerverbandes. Man sei in dem langen Kampf gegen die Zensur in der arabischen Welt schon recht weit gekommen, in einigen Ländern habe man Teilerfolge erzielt. Doch der Kampf gehe weiter, und der Weg sei noch lang. So offen kann natürlich nur ein Mann sprechen, dessen Organisation sich nicht als verlängerter Arm der Regimes versteht, sondern als Teil der arabischen Zivilgesellschaft. "Wir wollen nicht die Regierungsvertreter vertreten, sondern die arabische Kultur."

Ein Offizieller, wie Generalsekretär Mongi Bousneina, der als Koordinator des Arabien-Programms 22 beziehungsweise am Ende 17 Staaten unter einen Hut zu bringen hatte, drückt sich diplomatischer aus. Die arabische Welt komme nach Frankfurt, um in einen "liberalen Dialog" zu treten, kündigte er an. Es gehe nicht um Konfrontation und Schuldzuweisungen; vielmehr wolle man Hindernisse und Barrieren beseitigen helfen, die dem Streben nach Universalismus im Wege stünden. Sämtliche Formen der "intellektuellen Tyrannei und des intellektuellen Terrorismus" seien abzulehnen, weil sie den Kontakt verhinderten, den beide Seiten - die arabische Welt und der Westen - benötigten.

Einfach ist die Zusammenstellung des Programms offenbar nicht gewesen: Mit nur acht Monaten war die Vorbereitungszeit knapp gemessen. Auch die Finanzierung bereitete, wie zu hören war, Schwierigkeiten, ganz abgesehen von den politischen Komplikationen, welches Land von wem und wie repräsentiert werde. Der für das Arabienprogramm verantwortliche Direktor Mohamed Ghoneim zitierte denn auch Herbert Achternbusch mit dem Satz: "Du hast keine Chance, aber nutze sie!" Jene allerdings, die das Vorhaben als von vornherein zum Scheitern verurteilt bezeichnet hätten, hätten das Engagement und die Kraft der arabischen Welt unterschätzt.

Arabien wird sich in Frankfurt mit einem großen Pavillon, mit zahlreichen Veranstaltungen und mit mehr als 200 Schriftstellern aus dem arabischen Kulturkreis vorstellen. Wie die Autoren ausgewählt wurden? Nach ihrer schriftstellerischen Bedeutung, sagte Ghoneim. Ferner nach dem Kriterium, ob ihre Werke in andere Sprachen, vor allem auch in die deutsche übersetzt worden seien. Und die Eingeladenen sind offenbar auch nicht alle politisch lammfromme Staatsschriftsteller. Zu den Gästen zählen laut Ghoneim auch Exil-Autoren und oppositionelle Schriftsteller. Ein Großer der arabischen Literatur, der ägyptische Erzähler Edwar Al-Kharrat, war gestern schon da.

HANS RIEBSAMEN

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