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Drogenhilfe „Buddy Care“ Kumpel auf dem Weg in ein neues Leben

 ·  Das Frankfurter Drogenhilfeprojekt „Buddy Care“ bringt ehemals Süchtige mit Begleitern zusammen, damit sie gemeinsam etwas unternehmen können. Zwei Frauen berichten über ihre Erfahrungen in dem Projekt. Sie bilden eines von sieben „Buddy Care“-Paaren in der Stadt.

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Die Worte bergen viele Erinnerungen: „Wir unternehmen etwas – so, wie es früher war.“ Früher: das ist für Gabi die Zeit vor ihrer Drogensucht. Gabi ist 50 Jahre alt und will nur ihren Vornamen preisgeben. Früher: das ist die Zeit, in der Gabi noch einen Beruf als Sekretärin hatte, in der sie nach 20 Jahren im Kinderheim und in einer Pflegefamilie ihr Leben selbst gestalten konnte.

Wieder mehr Lebensfreude empfinden, schöne Dinge erleben, den Alltag durchbrechen – dabei hilft ihr jetzt Katja Schwaab. Seit einigen Monaten schon treffen sich die beiden Frauen einmal in der Woche für einige Stunden, gehen in ein Café oder eine Ausstellung, waren schon im Kino und auf dem Weihnachtsmarkt.

Die Fünfzigjährige und die 38 Jahre alte Lufthansa-Flugbegleiterinhabenin einem Projekt der Integrativen Drogenhilfe zusammengefunden, das es seit August vergangenen Jahres in Frankfurt gibt. Es heißt „Buddy Care“ – nach den englischen Worten für Kumpel und Fürsorge. Finanziert wird das Projekt, das in Amsterdam sein Vorbild hat, vom städtischen Drogenreferat, der „Gesellschaft – Bürger und Polizei für mehr Sicherheit“ und der Frankfurter Sparkasse. Schirmherrin ist Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen).

Sieben „Buddy Care“-Paare in Frankfurt

Außer Gabi und Katja Schwaab gibt es derzeit sechs weitere „Buddy Care“-Paare in der Stadt. Bald sollen weitere hinzukommen. Drei Paare haben sich bisher getrennt, eine längere Beziehung war aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich. Bei Gabi und Katja Schwaab sieht das anders aus: Sie verstehen sich gut, zuletzt haben sie sich im Restaurant „Walden“ auf einen Kaffee verabredet. „Ich habe wenig soziale Kontakte“, berichtet Gabi. Familie hat sie nicht, eine gute Freundin ist vor kurzem gestorben. Eine richtige Arbeitsstelle hat die Hartz-IV-Empfängerin abgesehen von ihrem Ein-Euro-Job auch nicht.

Als ihre Freundin empfindet sich Katja Schwaab nicht, aber auch nicht als Sozialarbeiterin. „Es ist etwas dazwischen. Aber vielleicht entwickelt sich ja noch eine Freundschaft. Wichtig ist, dass wir uns auf gleicher Augenhöhe begegnen.“ Über die Sucht-Geschichte von Gabi reden sie, wenn es sich ergibt und in dem Maß, in dem sie davon berichten möchte. Im Vordergrund ihrer Beziehung soll dieses Thema aber nicht stehen.

Jahrelang heroin- und kokainsüchtig

Gabi war über mehrere Jahre erst kokain- und dann zusätzlich heroinabhängig. Es war eine schlimme Zeit, aber ihren Lebensmut verlor sie dennoch nicht. Es gelang ihr, eine Therapie zu machen und in ein Methadon-Programm aufgenommen zu werden. Sozialarbeiter halfen ihr dabei. Methadon ist ein Ersatzstoff für Heroin und wird unter ärztlicher Aufsicht vergeben, Gabi nimmt den Stoff jeden Tag. „Jeder Mensch hat seine Geschichte“, sagt Katja Schwaab. „Wenn Gabi etwas erzählen möchte, höre ich gerne zu.“

Ein Jahr lang wollen sich die beiden Frauen regelmäßig treffen – wie die anderen sechs Paare auch. So sieht es das Konzept von „Buddy Care“ vor. Danach können sie privat weiter Kontakt pflegen, wenn sie es wollen. Acht Euro bekommt Gabi vom Verein Integrative Drogenhilfe für jedes Treffen und kann damit einen Café-Besuch bezahlen oder Geld sparen, für Eintrittskarten in ein Museum zum Beispiel. Für ihren Einsatz ist Katja Schwaab an zwei Wochenenden geschult worden, außerdem treffen sich Schwaab und die anderen „Buddys“ einmal im Monat zum Erfahrungsaustausch.

Das „Oma-Programm“

„Gabi sehe ich regelmäßiger als meine Freunde“, sagt Schwaab und lächelt. Diese übrigens hätten sich erst an die Idee gewöhnen müssen, dass sie bei dem Projekt mitmacht. „Inzwischen finden sie es aber sehr gut.“ Eine Familie hat auch sie nicht. Sie war schon seit längerem auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit. „Ich hatte sehr viel Glück in meinem Leben, möchte von meinem Optimismus etwas abgeben und meine Zeit sinnvoll gestalten.“ Aufgrund ihrer Schichtarbeit als Flugbegleiterin hat sie als Ausgleich relativ lange Freizeitphasen, so ist sie bei Verabredungen mit Gabi recht flexibel.

Treffen, bei denen sie nichts weiter unternehmen als einen Kaffee zu trinken und miteinander zu reden, nennt Katja Schwaab ironisch „Oma-Programm“. Das nächste Mal wollen sie aktiver sein: Schlittschuh laufen. Das wird den beiden gefallen – doch Gabi hat einen Wunsch, der darüber hinausgeht. „Ich würde gerne eine andere Arbeit haben als den Ein-Euro-Job.“ Das wäre ein weiterer Schritt zu einem Leben, das so ist, wie es einmal war. Früher.

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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