http://www.faz.net/-gzg-958fi

Kommentar zu Fraport : Doppelrolle von Stadt und Land als Belastung

Neuankömmling 2017: Ryanair am Frankfurter Flughafen Bild: dpa

Frankfurt und Hessen sollten überlegen, ob sie weiter die Mehrheit an Fraport halten wollen. Nicht so sehr, damit Fraport von Fesseln befreit würde. Eher, weil Stadt und Land dann ihre eigentlichen Aufgaben unbeschwerter ausüben können.

          Wie schwierig das Verhältnis zwischen Stadt und Land beim Ausbau des Frankfurter Flughafens nach wie vor ist, zeigt sich einmal mehr. Es hat den Anschein, als wolle so recht keiner von beiden die Verantwortung für das übernehmen, was Fraport mit dem Terminal 3 vorhat. Dabei sind Frankfurt und Hessen nicht nur die größten Anteilseigner des Flughafenbetreibers Fraport AG, sondern haben sich darüber hinaus in einem Konsortialvertrag verpflichtet, den Ausbau nach Kräften zu fördern und seine Belastungen für die Region abzufedern.

          Das Miteigentum an der größten Infrastruktureinrichtung des Landes spült über die Dividende jedes Jahr einen erklecklichen Betrag in die Kassen. Aber es verpflichtet die öffentliche Hand auch in besonderem Maße, das große Ganze im Blick zu haben: wie der erweiterte Flughafen die Wirtschaftskraft des Landes stärkt und wie, auf der anderen Seite, das Wachstum für die Region erträglich bleibt.

          Was offenkundig ist

          Beide, Stadt und Land, sind nach dem Börsengang des Flughafenbetreibers in der Doppelrolle nie glücklich gewesen. Das ist über die Jahre in einigen Sitzungen des Aufsichtsrats offenkundig geworden. Manch ein Vertreter dieser Anteilseigner musste bei der ein oder anderen Abstimmung, als es vornehmlich um das Wohl des Unternehmens zu gehen hatte, aus seinem Herzen eine Mördergrube machen.

          Hinzu kommt, dass beiden Körperschaften hoheitliche Aufgaben im Zusammenhang mit dem Betrieb und Ausbau des Flughafens obliegen. Das Verkehrsministerium als Luftverkehrsbehörde hat die Planfeststellung, die Ziele des Ausbaus im Blick zu haben, muss sich aber auch um herabfallende Dachziegel und verspätete Starts kümmern. Die Stadt prüft Bauabschnitt für Bauabschnitt, ob die Gewerke standfest und ausreichend gegen Feuer geschützt sind, und noch vieles mehr. Wie wichtig diese Kontrolle ist, zeigt sich nicht zuletzt an den Schlampereien beim Berliner Großflughafen.

          Ob es unter diesen Umständen sinnvoll ist, noch bis zum Jahr 2031 gemeinsam die Aktienmehrheit am Flughafenbetreiber zu halten, wie es der Konsortialvertrag vorsieht, sollte in den nächsten Jahren überprüft werden. Nicht so sehr, damit Fraport von Fesseln befreit würde. Eher, weil Stadt und Land dann ihre eigentlichen Aufgaben viel unbeschwerter ausüben können – im Sinne des Gemeinwohls.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Ich galt als der Bürgersohn“

          Christoph Kulenkampff : „Ich galt als der Bürgersohn“

          Gelobt, gefördert, in Ungnade gefallen: Christoph Kulenkampff, einst der jüngste Generalstaatsanwalt der Republik, hat viele Jobs gehabt und tut noch immer viel. Er ist schlagfertig und scharfzüngig wie eh und je.

          So stimmt die Stimme Video-Seite öffnen

          Eine Sprechtrainerin erklärt : So stimmt die Stimme

          Heidi Puffer ist auf der Suche. Das, was sie zu finden erhofft, ist nicht zu sehen, wohl aber zu hören. Denn immer dann, wenn Puffer eingeschaltet wird, droht auch der hörbare Rest in monotonem Einklang zu verschwinden.

          Wenn das Publikum mitschreibt

          Poetry Slam mal anders : Wenn das Publikum mitschreibt

          Der Slammer Jakob Schwerdtfeger verfasst seinen ersten Roman. Einmal im Monat macht er seine Zuhörer in Frankfurt zu Lektoren und fragt sie nach ihrem Urteil über den entstehenden Text.

          Topmeldungen

          Merkel im Bundestag : Ein Satz wie Blei

          Wenn es um Migration geht, bemüht die Kanzlerin stets die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Dabei treibt sie nicht nur Multilateralismus, sondern Wiedergutmachung. Das ist Wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker. Ein Kommentar.

          Flugzeug mit Ionenmotor : Lautlos fliegen wie bei Star Trek

          Der Traum existiert schon lange, jetzt konnten Ingenieure am MIT ihn erstmalig realisieren: Sie konstruierten ein Flugzeug, das von einem rein elektrisch erzeugten Ionenwind getragen wird.
          Er als erster in stillem Protest auf dem Taksim-Platz, aber er stand nicht lang allein:  Erdem Gündüz gehört zu den vierzehn Verhafteten.

          Brief aus Istanbul : Warum sind wir nicht die Besten?

          Spitzenreiter bei den Gefängnissen, unter ferner liefen bei den Universitäten: Präsident Erdogan versteht seine Türkei nicht mehr. Mit Geld kann er den Braindrain des Landes sicher nicht aufhalten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.