06.11.2009 · Dirk Pfeil schwimmt weiterhin tapfer gegen den Strom. Während sich auch gestern noch alle Welt über den Sinneswandel bei General Motors empörte, ließ der Mann, der die Bundesländer im Opel-Treuhandbeirat vertritt, wissen, er sehe die Zukunft von Opel positiv.
Von Manfred Köhler und Tobias RösmannDirk Pfeil schwimmt weiterhin tapfer gegen den Strom. Während sich auch gestern noch alle Welt über den Sinneswandel bei General Motors empörte, ließ der Mann, der die Bundesländer im Opel-Treuhandbeirat vertritt, wissen, er sehe die Zukunft von Opel positiv. „Ich kann mich dem allgemeinen Wehklagen nicht anschließen“, sagte er dieser Zeitung. „GM hat von Autos die meiste Ahnung, vor allem aber mehr als ein Zulieferer wie Ma-gna. Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Opelaner gern Magna geworden wäre, schließlich haben zum Teil schon deren Urgroßväter bei Opel gearbeitet.“
Pfeils Lage in den vergangenen Wochen war nicht einfach. Die Länder, für die er sprach, wollten ja gerade den Verkauf an Magna, gegen den Pfeil Bedenken hatte - als selbständiger Insolvenzverwalter ist er seit 33 Jahren mit der Lage krisengeschüttelter Unternehmen vertraut. Für Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der zu den eifrigsten Vorkämpfern des Verkaufs an Magna zählte, dürfte die Redefreudigkeit Pfeils in der Opel-Frage kaum noch Anlass zur Freude gewesen sein. Doch hätten die Politiker mehr auf Pfeil und den aus New York stammenden Chef der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Fred Irwin, gehört, der dem Treuhandbeirat vorsitzt, hätten sie sich vielleicht nicht alle derart verrannt.
Sanierungsfachmann
Eigentlich ist Pfeil, der zur Begrüßung stets kräftig die Hand drückt, prinzipienfest: Wege geht er ungern doppelt, im Urlaub macht er am liebsten Rundreisen. Am Schluss allerdings drehte auch er in der entscheidenden Sitzung im September bei. Er enthielt sich, wodurch ein Patt vermieden wurde und die Treuhand den Weg für den Verkauf an Magna freigeben konnte. Damals stimmte auch GM dem Geschäft zu - und niemand mochte sich vorstellen, dass dies so rasch wieder gekippt würde.
Mit unübersichtlichen Gefechtslagen ist Pfeil aus der eigenen politischen Arbeit vertraut. Von 1987 bis 1995 war der Vater dreier erwachsener Töchter Landtagsabgeordneter, auch Vizepräsident des Hessischen Landtags ist er gewesen. Und seit 2004 steht der 61 Jahre alte Sanierungsfachmann, der mit seiner Frau in Schöneck im Main-Kinzig-Kreis lebt, außerdem an der Spitze der Frankfurter FDP. Die wiederum hat zwar einen hauptamtlichen Sitz im Frankfurter Magistrat, ist aber nicht offizieller Teil der Koalition in der größten hessischen Stadt, die von CDU und Grünen regiert wird.
Vollends aufgegangen ist Pfeil in der Politik aber ohnehin nicht. Als Grenzgänger zwischen Politik und Wirtschaft hat sich der Mann mit dem scharfen Rechtsscheitel einen derart nüchternen Blick auf die Dinge bewahrt, dass er sich nicht nur Freunde macht. Das liegt auch an seinen kernigen Sätzen. Zum Frankfurter Opernball zum Beispiel geht er schon seit Jahren nicht mehr gern, wie er sagt: „Da laufen zu viele Mandanten herum. Und dann ärgere ich mich und frage mich, warum die nicht am Schreibtisch sitzen, um ihre Firmen zu retten.“
Skepsis gegenüber dem Magna-Geschäft
Pfeils Laune in diesen Tagen dagegen ist gut. Denn es freut ihn immer, wenn eine Sache Sinn hat - und wenn es auch nur sein Sinn ist. So würde er zum Beispiel nur unter Protest einfach durch einen Wald spazieren. Anders sähe die Sache natürlich aus, wenn er dabei Golf spielen oder Hörbücher hören könnte.
Im Falle Opels hat er mit seiner Skepsis gegenüber dem Magna-Geschäft richtiggelegen, aber auch Dirk Pfeil wird wissen, dass es mit General Motors keineswegs gut ausgehen muss für Opel. Es kann sein, dass er am Ende wieder gerufen wird - aber nicht als Treuhänder, sondern als Insolvenzverwalter.
Die obskure FDP-Logik findet ihre Fortsetzung ....
Dieter Liepold (abraze)
- 06.11.2009, 17:08 Uhr