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Die Linke Ergraut und glücklich

28.01.2007 ·  Nein, jugendliche Parteien sind die Linke und die WASG nicht. Im Club Voltaire, wo der fortschrittliche gesinnte Teil der Frankfurter Bevölkerung nach wie vor eine Heimstatt hat, dominieren an diesem Wahlabend graue Pullis, graue Sakkos und graue Schläfen.

Von Manfred Köhler
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Nein, jugendliche Parteien sind die Linke und die WASG nicht. Im Club Voltaire, wo der fortschrittliche gesinnte Teil der Frankfurter Bevölkerung nach wie vor eine Heimstatt hat, dominieren an diesem Wahlabend graue Pullis, graue Sakkos und graue Schläfen. Ulrich Wilken macht da keine Ausnahme, aber mit seinem knallroten Schal setzt er wenigstens einen Farbtupfer bei diesem Umtrunk der Linken und der WASG in der Traditionskneipe am Wahlabend, den man angesichts der konsequent sitzenden Haltung der Genossen „Wahlparty“ nun wirklich nicht nennen darf.

Aber Wilken ist ja auch etwas Besonderes, denn Wilken wollte an diesem Tag Oberbürgermeister werden, und auch wenn daraus nun doch nichts geworden ist, so geht es ihm doch richtig gut. 5,9 Prozent, das ist mehr, als sich das Bündnis der alten Linken (wie heute die PDS firmiert, als welche die SED fortbesteht) und die der neuen Linken, die sich WASG nennt, erhoffen konnte. Das sieht nicht nur Wilken so, sondern auch Lothar Reiniger, der das Bündnis seit einem Jahr im Römer vertritt, und auch der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrke, der sein Wahlkreisbüro in Frankfurt hat, und selbstredend auch Dieter Hooge mit Dreitagebart, der einmal als DGB-Landesvorsitzender eine größere Bekanntheit erlangt hatte und nun zu den fleißigen Vorstandsmitgliedern des Bündnisses zählt.

Der Sozialismus kommt nicht über Nacht

Alle äußern sich staatstragend betroffen über die niedrige Wahlbeteiligung, aber alle blicken auch ganz gelassen nach vorn auf die Landtagswahl im nächsten Jahr, für die ihnen das Frankfurter Ergebnis eine Ermutigung ist. Hooge hat sich die Forsa-Umfrage vom Dezember für Hessen gut gemerkt, bei der die Linke landesweit auf fünf Prozent kam. Er schimpft ein bisschen auf die SPD, nach dem Wahlkampf ist schließlich vor dem Wahlkampf, Gehrke raucht eine, und Wilken verzichtet auf jede Rede und begnügt sich mit kurzem Applaus. Im Fernsehen redet sich Petra Roth gerade die katastrophale Wahlbeteiligung schön, die ein Stratege wie Gehrke natürlich längst analysiert hat: Besonders niedrig sei sie in genau den Stadtteilen gewesen, in denen die soziale Not besonders groß sei – da sei also für die Linke noch etwas zu holen.

Für diesen Abend aber reichen erst einmal sechs Prozent. Der Sozialismus ist schließlich eine Sache, die nicht über Nacht kommt, schon gar nicht, wenn sie Frauen und Männer in gereiftem Alter vorantreiben müssen. Am feurigsten ist an diesem Abend ein Plakat an der Wand, auf dem gegen die neoliberale Umgestaltung gewettert wird. Die Linke selbst hingegen genießt bei einem Pils erst einmal den Achtungserfolg im Römer. Alles andere – später.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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