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„Aktion Vegetation“ : Bahn will Sturmschäden vorbeugen

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Unwetter-Chaos auf den Gleisen: Mit einem neuen Aktionsplan will die Bahn solche Situationen vermeiden. Bild: dpa

Umgestürzte Bäume auf den Bahngleisen, niedergerissene Oberleitungen und Tausende gestrandete Reisende: Schwere Stürme haben den Zugverkehr gründlich durcheinander gewirbelt. Ein neuer Aktionsplan soll solchen Ereignissen vorbeugen.

          Surrend wie ein übergroßer Maikäfer steigt die Drohne vom Waldboden empor und bewegt sich Richtung Baumkrone. „Wir arbeiten mit unterschiedlichen Messungen“, sagt Matthias Maier, Leiter des Drohnenprojekts bei den Fahrwegdiensten der Deutschen Bahn. Eine ganz normale Kamera lässt einen ersten Eindruck von der Baumgesundheit erkennen, eine Multispektralkamera ermittelt, ob der Baum mit seiner vermeintlich gesunden grünen Blätterkrone auch tatsächlich fit für die nächste Sturmsaison ist. Denn gesunde Blätter reflektieren Infrarot-Licht und zeigen: hier muss erst einmal nichts unternommen werden.

          Nach den schweren Stürmen im vergangenen Jahr, die nach Angaben der Bahn Schäden im zweistelligen Millionenbereich verursachten und den Bahnverkehr auf manchen Strecken tagelang zum Erliegen brachten, will die Bahn sturmsicherer werden. Im Rahmen eines neuen „Aktionsplan Vegetation“ sind in diesen Tagen Forstexperten unterwegs, um den Waldbestand entlang der Gleise zu inspizieren.

          Störfälle durch Extremwetter nehmen zu

          „Es gibt nicht mehr Stürme als früher, aber die Störfälle durch Extremwetter haben zugenommen“, sagt Felix Gerhardt, der sich im Rahmen der DB Netz AG mit dem Management von Naturgefahren befasst. Es sei vor allem die Kombination von Naturereignissen, die die Schadenswirkung verstärke - wenn Stürme etwa früher als in vorangegangenen Jahren auftreten und im noch belaubten Wald eine ganz besonders zerstörerische Wucht entfalten. Hinzu komme Starkregen, der den Boden extrem aufweiche und die Standfestigkeit bedrohen könnte. „Das hat gerade im vergangenen Jahr ein solches Ausmaß angenommen, dass wir wirklich handeln müssen“, betont Gerhardt.

          Die Bahn hat sogenannte Hotspots identifiziert, in denen der Aktionsplan besonders schnell und teilweise mit weitreichenderen Schutzmaßnahmen durchgesetzt werden soll. „Das sind etwa Strecken, die auf keinen Fall gestört werden dürfen, weil sie nicht umfahren werden können“, sagt Gerhardt.

          Die schwersten Schäden seien natürlich durch niedergerissene Oberleitungen entstanden, die mit großem Aufwand beseitigt werden müssen. Wesentlich häufiger aber seien Äste oder umgestürzte Bäume auf den Schienen des S-Bahn-Verkehrs.

          Präventionsprogramm ist Millionen wert

          Der Bahn ist das Präventionsprogramm für einen robusten und widerstandsfähigen Wald Millionen wert: Nachdem bereits seit 2007 jährlich 100 Millionen Euro für die Pflege und Kontrolle des Pflanzenbestandes bereitgestellt werden, gibt es im Rahmen des Aktionsplans in den kommenden fünf Jahren weitere 125 Millionen Euro. Zudem verstärken bis zu 150 Forstarbeiter die sogenannte Vegetationsmannschaft mit ihren mehr als tausend Mitarbeitern, so eine Bahnsprecherin.

          „Es reicht nicht, die Strecke abzulaufen, wir müssen uns die Bäume genau ansehen“, sagt Gerhardt. Die Drohne mit ihrer Messung aus der Vögelperspektive ist da nur ein zusätzliches Instrument. Bahn-Förster Gerhard Hetzel begutachtet regelmäßig den Zustand des Waldes. Der Frankfurter Stadtwald entlang der S-Bahn-Strecke zum Flughafen bietet gute Voraussetzungen für Sturmresistenz: „Hier sind viele Eichen - die haben tief gehende Wurzeln.“

          Durch sogenannte Rückschnitte und Durchforstung wird darauf geachtet, dass die Bäume sich auch so entwickeln können, wie es für einen sturmsicheren Waldbestand entlang der Bahngleise optimal ist. Dabei gelten andere Maßstäbe als beim Wirtschaftswald, verrät Gerhardt: „Wir wollen nicht die großen schlanken Bäume, wir wollen die kleinen dicken, die möglichst sturmresistent im Wind stehen.“

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