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Deutsch für joblose Akademiker : Die Chance ihres Lebens

Deutsch lernen mit der Metzler-Stiftung: Eirini Makridou und Francisco Marin Nieto Bild: Wolfgang Eilmes

Dank der Metzler-Stiftung lernen in Frankfurt arbeitslose Akademiker aus Südeuropa Deutsch und können Arbeit finden. Davon profitieren zum Beispiel eine junge Griechin und ein Architekt aus Malaga .

          Die einen suchen gute Jobs, die anderen qualifizierte Mitarbeiter. Normalerweise kommen sie aber nicht zusammen, weil zwischen ihnen zwei Flugstunden und eine Sprachbarriere liegen. Eirini Makriou etwa, die 26 Jahre alte Griechin aus der Kleinstadt Drama im Norden des Landes, ist Mathematikerin. Sie möchte gerne in einer Bank arbeiten, doch griechische Banken stellen derzeit niemanden ein. In Deutschland dagegen suchen Finanzinstitute oft händeringend nach Leuten wie Makriou. Spräche sie Deutsch, würde manche Bank sie wahrscheinlich mit Kusshand zum Beispiel als Trainee nehmen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nicht dass die deutsche Sprache der jungen Frau völlig fremd wäre, immerhin hat sie in Thessaloniki beim Goethe-Institut einen B1-Abschluss gemacht. Makriou kann sich durchaus in Deutsch ausdrücken, doch für eine Arbeit in einer Bank reichen ihre Sprachkenntnisse nicht. Bisher. Anfang Mai wird sie weiter sein. Denn am 8. Januar hat sie einen Deutschkurs beim hiesigen Goethe-Institut angefangen und wird Anfang Mai den C1-Test absolvieren. Besteht sie ihn, woran kaum zu zweifeln ist, hat sie halbwegs das Sprachniveau erreicht, das sie im Beruf braucht.

          Essen in der Kantine der Metzler-Bank

          Einen dreimonatigen Deutschkurs könnte sich Makriou nicht leisten. Vor allem nicht in Frankfurt, wo Wohnen und Essen teuer sind. Zum Glück hat sie einen Sponsor gefunden, den Bankchef Friedrich von Metzler. Er bezahlt ihr den Kurs beim Goethe-Institut, ein Appartement in einem Studentenwohnheim am Riedberg, das Essen in der Kantine der Metzler-Bank, und ein kleines Taschengeld bekommt sie auch noch. Und sie kann einen vierten Monat in Frankfurt bleiben, in dem Makriou sich in Deutschland bei Banken bewerben und eine Wohnung suchen kann.

          Recht eigentlich organisiert und finanziert die Metzler-Stiftung das Stipendium, das etwa 10.000 Euro wert ist. Nicht nur die Mathematikerin aus Griechenland wird auf diese Art unterstützt, sondern auch 14 weitere arbeitslose Akademiker aus den Südländern Europas, die in Deutschland einen Job finden wollen.

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          Natürlich lässt es sich der stets hilfsbereite Bankier Metzler nicht nehmen, aus eigener Tasche etwas dazuzugeben. Im Spenderkreis sind auch noch andere Einzelpersonen, Stiftungen und Unternehmen. Die Idee freilich stammt von Metzler. 2012, als die Krise in Griechenland und Spanien immer schlimmer wurde, hat er im Partnerkreis gefragt: „Was können wir für Europa tun?“ Herausgekommen ist dieses Projekt.

          Von Metzler persönlich begrüßt

          Nun hat Friedrich von Metzler seine Stipendiaten persönlich in der Cafeteria der Bank begrüßt. „Wir bei der Metzler-Bank denken europäisch“, sagt er den jungen Männern und Frauen, die in Frankfurt womöglich die Chance ihres Lebens finden. Den Sprachschülern, die jetzt schon einen Monat lang jeden Tag von 8.30 Uhr bis 12.45 im Goethe-Institut die Feinheiten der deutschen Grammatik und des deutschen Satzbaus gebüffelt haben, macht Metzler Mut: 82 arbeitslose Akademiker aus Spanien, Griechenland, Kroatien und anderen kriselnden Südstaaten hätten schon durch das Projekt „d.eu.tsch“ ein „Stipendium für junge Europäer“ bekommen. Mehr als 90 Prozent von ihnen hätten danach tatsächlich eine qualifizierte Arbeitsstelle gefunden. „Deutsch wirkt“, schließt Metzler wohl zu Recht daraus.

          Francisco Mariní-Nieto, 28 Jahre alter Architekt aus Malaga in Südspanien, hat schon von zu Hause über das Internet den Arbeitsmarkt in Deutschland studiert. Überall würden hier Leute vom Baufach gesucht, hat er festgestellt. In Spanien kann er nach der schweren Immobilien- und Baukrise der vergangenen Jahre höchstens eine Praktikumsstelle bekommen. Gerade recht kam ihm deshalb die Ankündigung im Goethe-Institut in Málaga, dass die Metzler-Stiftung wieder Stipendien vergebe. Gewiss: Seinen Eltern wäre es lieber gewesen, wenn er in Spanien und dort möglichst in Málaga eine Stelle gefunden hätte. Doch auch sie haben jetzt eingesehen, dass er im Augenblick in Deutschland eine viel höhere Chance auf eine Anstellung hat.

          „Welcome Center“

          Auch Mariní-Nieto hat schon in Spanien Deutsch gelernt. Das war sein Hobby. Und auch sein Glück. Denn wer ein „Stipendium für junge Europäer“ ergattern will, der muss gewisse Deutschkenntnisse vorweisen. Jetzt, nach einem Monat täglichen Unterrichts bei Goethe, spricht Francisco schon recht flüssig. Sorgen, dass er am Ende durch die Prüfung fällt, muss er sich wohl nicht machen. Die Frage ist eher, ob er danach den gewünschten Job findet. Seine Betreuer von der Stiftung sind optimistisch. Schließlich ist die hiesige Arbeitsagentur in das Projekt eingebunden, ihr „Welcome Center“ ist ganz auf Leute wie Makriou und Mariní-Nieto eingestellt.

          Und wenn es Probleme gibt, ist immer noch Jutta Ludolph da. Sie ist eine der Paten aus der Metzler-Bank, die jeweils einen Stipendiaten betreuen. Einmal hat sie sogar einen Schützling ins Krankenhaus bis zum Operationstisch begleitet. Ludolph ist jetzt zum vierten Mal im Einsatz. Sie kümmert sich um einen jungen Griechen, einen Bauingenieur. Die sind zurzeit in Deutschland besonders gefragt.

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