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Mittwoch, 15. Februar 2012
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Deutscher Opernball 2006 Helmut Kohl lauscht der Hammond-Orgel

26.02.2006 ·  Auch wenn es von außen anders erscheint. Der Deutsche Opernball ist nicht dekadent, sondern heiter und grundsolide. 500 Demonstranten protestierten dennoch „gegen den Luxus“, 15 Randalierer wurden verhaftet.

Von Judith Lembke
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Der Star des Abends war eindeutig die Tischdekoration: Lara-Joy Körner steckte sich die bunten Leuchtstäbe gedankenverloren ins Haar, Shawne Fielding Borer lenkten sie vom Tischgespräch ab, und Dunja Rajter begutachtete gemeinsam mit Roberto Blanco die glitzernden Blumengestecke auf ihrem Tisch.

Gegen Ende der Mitternachtsshow kam die Dekoration sogar massenhaft auf der Tanzfläche zum Einsatz. Als Chris Thompson, Sänger von Manfred Mann's Earth Band, seinen Hit „Blinded by the light“ anstimmte, reckten sich unzählige Hände in die Luft, die ihre neonbunten Lampen in Takt der Musik schwangen. Nicht nur in diesem Moment mutete die Veranstaltung eher an wie ein Konzert in Abendgarderobe als wie ein Ball. Gäste, die zum Queen-Song „We will rock you“ rhythmisch auf den Boden stampften, bestimmten eher das Bild als Walzertänzer.

Vielleicht lag es an der Rockmusik, daß der Altbundeskanzler und Schirmherr des Balles, Helmut Kohl, schon kurz nach Beginn der Mitternachtsshow mit seiner Lebensgefährtin Maike Richter den Großen Saal verließ, um im Foyer den sanften Tönen der Hammond-Orgel zu lauschen. Seine Tischnachbarn Roland Koch und Petra Roth schienen die E-Gitarren weniger zu stören: Sie unterhielten sich im Ballsaal bis weit nach Mitternacht.

Demonstranten

Und auch die meisten der 2300 Ballgäste schienen dank Peter Kraus' Auftritt und der Show der SAS-Band, die sich aus Originalmitgliedern ehemaliger Supergruppen zusammensetzt, wieder in vergangenen wilden Zeiten zu schwelgen. Hin und wieder ließ sich vernehmen, wie ein Ballgast dem anderen ein „Weißt du noch?“ oder „Erinnerst du dich daran?“ zuraunte. Einige Damen gingen so sehr mit, daß die ersten von ihnen sich schon um halb zwölf, barfuß und ermattet von Tanz und hohen Absätzen, auf den Treppenstufen erholten.

Von den Protesten der 450 bis 500 Demonstranten gegen den Opernball blieben die Gäste weitgehend unbehelligt. Daß an der Hauptwache und in der Goethestraße Schaufenster eingeworfen und Autos beschädigt wurden, bekam man kaum mit. Allerdings verzögerte sich die Ankunft vieler Ballbesucher, weil sie mehrere Polizeiabsperrungen überwinden mußten. Wahrscheinlich hätte jedoch die Führung einiger Demonstranten durch die Alte Oper ihre Forderung „Gegen den Opernball 2006 - Luxus für alle“ ad absurdum geführt. Was, von außen betrachtet, wie ein Festival der Dekadenz anmuten mochte, trug im Inneren grundsolide Züge.

Preise zwischen 130 Euro für Flanierkarten und 650 Euro für die teuersten Tischplätze stellen sicher, daß Luxus auch auf der Veranstaltung keineswegs demokratisch verteilt war. Daß eine Flasche Wein zwischen 38 und 128 Euro kostete, garantierte, daß die Veranstaltung nicht Züge eines römischen Gelages annahm. Nicht umsonst wird der Frankfurter Opernball, der sich neuerdings „Deutscher Opernball“ nennt, als „Bürgerball“ bezeichnet - und wie man weiß, liegt dem deutschen Bürgertum Dekadenz ebenso fern wie den linken Demonstranten die Dienstgradabzeichen der Polizisten vom Sondereinsatzkommando.

Posieren

Wenig luxuriös war auch die Februarkälte, die den Eingangsbereich fest im Griff hatte. Die Hostessen in ihren grellbunten Phantasiekostümen hatten offensichtlich Mühe, beim Posieren fürs Foto nicht zu frösteln. Auch die weiblichen Gäste eilten über den roten Teppich geschwind ins Foyer, nachdem sie ihren Pelz an der Garderobe abgegeben hatten.

Noch nicht einmal bei der After-Party im Arabella Sheraton, zu der nur die „VIPs“ Zutritt hatten, ließ sich so richtig erschließen, warum Demonstranten eigens aus Berlin angereist waren, um in Frankfurt ein Fanal gegen den Glamour zu setzen. Statt Austern und Kaviar offerierte das Büffet Brathering und Kaiserschmarrn, die Makkaroni mit Hackfleischsoße waren erst recht über jeden Vorwurf der Dekadenz erhaben.

Dafür war es auf der Party wunderbar entspannt. An langen Tischen und auf weißen Ledersofas konnte man sich die Karten legen lassen, sich miteinander unterhalten oder einfach der Musik des Udo-Jürgens-Doubles Andy Rühl lauschen. Das hätte sicher auch Helmut Kohl gefallen.

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