18.01.2007 · Mehrere hundert Studenten sind am Donnerstagnachmittag in die Gebäude des Hessischen Rundfunks (HR) in Frankfurt eingedrungen und haben im Westen der Stadt zeitweise den Verkehr lahmgelegt. Sie protestierten damit gegen die vom Land beschlossenen Studiengebühren.
Von Friederike Haupt„Kyrill“ ist für Studiengebühren. War-um sonst wütet das Orkantief ausgerechnet dann über Frankfurt, als die Studenten der Universität ihre „Vollversammlung“ auf dem Campus Bockenheim abhalten wollen? Enttäuscht verfrachten die Leute vom Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) die Boxen ins Foyer der Mensa, wo sich um 14 Uhr rund 300 Studenten versammeln.
Dort bleiben Demonstranten allerdings nicht lange, zumal die Redebeiträge zu Chipkartenausweis, Stiftungsuniversität und Studiengebührenboykott keine Begeisterungsstürme auslösen. Die Studenten zieht es an die frische Luft, „mal sehen, wohin es jetzt geht“, sagt Ralph Nierula vom AStA. Das scheint die Mehrzahl der Versammlungsteilnehmer auch nicht zu wissen.
Fahrbahnen und Straßenbahngleise blockiert
Der Protestzug, dem sich inzwischen weitere Studenten angeschlossen haben, bewegt sich über die Zeppelinallee in Richtung Autobahnauffahrt Miquelallee. Die Idee, die Autobahn zu besetzen, wird jedoch angesichts des Polizeiaufgebots verworfen, woraufhin die Studenten ihren Marsch auf der Fürstenbergerstraße fortsetzen und sich vorerst damit begnügen, Silvesterböller zu werfen, Stühle auf die Fahrbahn zu stellen und Aufkleber zu verteilen.
Nachdem auch der Plan, das Unigebäude auf dem Campus Westend zu besetzen, aufgegeben worden ist, setzen die Demonstranten ihren Weg über die Eschersheimer Landstraße fort. Dabei protestieren sie lautstark gegen „Sozialabbau“ und Studiengebühren und blockieren auf der Eckenheimer Straße Fahrbahnen und Straßenbahngleise.
„Wer Wind sät, wird Sturm ernten“, hatte noch auf dem Campus ein Student verkündet. Diese Devise haben sich wohl einige Demonstranten zu Herzen genommen, als sie kurz nach 16 Uhr das Gebäude des Hessischen Rundfunks (HR) stürmen. Rund 150 Demonstranten versammeln sich im Foyer, einige dringen auch kurzzeitig in Sendestudios ein.
Forderung nach „ausgewogenere Berichterstattung“
Dort verliest ein Student eine offenbar vorbereitete Rede, in der er für eine umfangreichere und ausgewogenere Berichterstattung der Medien in Sachen Studentenproteste plädiert. Erst als Pressesprecher Tobias Häuser und zwei Redaktionsmitglieder zusagen, ein Interview mit Vertretern der Studenten zu führen, verlassen die anderen nach rund einer Stunde wieder das Redaktionsgebäude. Der HR sehe von einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs ab, sagte Häuser. Irgendwo müssten die Studenten bei dem Wetter ja hin.
Doch „Kyrill“ ist nicht allzu grausam zu den Studenten, von denen rund 100 nach der HR-Besetzung noch über Bremer Straße, Reuterweg, Grüneburgweg und Eschersheimer Landstraße marschieren. Keinem fällt ein Ast auf den Kopf, und auch sintflutartige Regenfälle bleiben aus.
Polizei-Einsatzleiter Willi Koska ist erleichtert, dass es keine Festnahmen gab und die Demonstration friedlich verlaufen ist. Gegen 18.30 Uhr, als Dutzende Einsatzwagen die verbliebenen Demonstranten zum Campus Bockenheim zurückgeleiten, spricht ein Student schließlich stolz in sein Telefon: „Das ist die erste Demo, bei der meine Mutter Sorge um mich hatte.“
Reichlich dramatisch
Markus Leinen (DasOimel)
- 20.01.2007, 18:13 Uhr