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Demonstration in Frankfurt „Dies wird erst der Anfang sein“

29.03.2009 ·  12.000 Menschen haben am Samstag in der Frankfurter Innenstadt gegen die Folgen der Finanzkrise demonstriert und dies als Auftakt eines Protestreigens inszeniert. Die Autonomen will allerdings niemand dabeihaben.

Von Katharina Iskandar
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Mit den Massen kommt der Regen. Ungestüm prasselt er auf die Menschen nieder, sammelt sich auf Regenschirmen, Jacken und Wagen. Durchtränkt die roten Fahnen der Gewerkschafter, so dass sie schlaff zu Boden hängen. Mittags um zwölf Uhr, noch bevor die Demonstration richtig beginnt, sind die Teilnehmer bis auf die Haut durchnässt. Abschrecken aber lassen sie sich von „den paar Tropfen“ nicht, wie jemand sagt. „Nicht heute, am 28. März. Denn dies soll erst der Anfang sein.“

Gemeint ist der Anfang einer größeren Protestbewegung gegen die Auswirkungen der Finanzkrise. Deren Kosten sollen nach Ansicht der Demonstranten „von denen bezahlt werden, die sie verursacht haben: die Banker und nicht wir“. Rund 12 000 Menschen sind an diesem Samstagvormittag nach Frankfurt gekommen, sammeln sich am Hauptbahnhof und an der Bockenheimer Warte. Es sind Senioren, Hartz-IV-Empfänger, Familien mit Kindern ebenso wie Kreisverbände diverser Gewerkschaften, Umweltverbände, Sozialbündnisse und Mitglieder der globalisierungskritischen Gruppe Attac. Es gibt erste Redebeiträge, dann ein bisschen Musik. An einem Zaun haben die Teilnehmer ein meterlanges Banner aufgehängt, darauf werden gesellschaftliche Missstände angeprangert.

Niemand will die Autonomen

Dass nur wenige hundert Meter weiter an der Senckenberganlage etwa fünfhundert Autonome stehen und ihre eigene Protestveranstaltung planen, kümmert die Demonstranten an der Bockenheimer Warte zunächst nicht. Als Ökolinks-Politikerin Jutta Ditfurth vor den zum Teil vermummten jungen Leuten Sätze sagt wie: „Es ist das Ziel, den Kapitalismus abzuschaffen, und das geht nicht auf dem sozialdemokratischen Weg“, horchen einige zwar auf. Der Applaus bleibt aber verhalten, als weiter von einem antikapitalistischen Bündnis die Rede ist und davon, „dass man auch mit Leuten Revolte machen kann, die nicht die gleiche Musik mögen wie man selbst“. Dann setzt sich der Zug in Bewegung. Es ist ein Uhr. Der Regen lässt nach. Die roten Fahnen werden kräftig ausgeschüttelt und wehen wieder auf dem Weg zum Römerberg.

Es wird erst später realisiert, dass es möglicherweise keine gute Idee war, den autonomen Block noch vor den Gruppen von Gewerkschaften und sozialen Bündnissen laufen zu lassen. Bevor der Fehler entdeckt wird, ist es auch schon zu spät. Denn so prägen die Autonomen das Bild der Demonstration und machen den Aufzug zu ihrer eigenen Show. Passanten blicken kopfschüttelnd auf das Banner mit der Aufschrift „Staat. Nation. Kapital. Scheiße. Für die soziale Revolution“, das von Vermummten an der Zugspitze getragen wird. Die gemäßigteren, durchaus sachlich vorgetragenen Forderungen von Gewerkschaften, Umwelt- und Sozialverbänden realisieren viele Zuschauer gar nicht mehr – zum Unmut vieler Teilnehmer.

Eier auf Lafontaine

An der Alten Oper wird schließlich ein bengalisches Feuer gezündet, später auf dem Römerberg ein Einkaufswagen in Brand gesetzt. „Das muss doch nicht sein“, sagen Teilnehmer. „Was wollen diese Leute denn eigentlich hier?“ Die Geduld vieler Demonstranten ist spätestens erschöpft, als Autonome auf dem Römerberg Eier in Richtung Bühne werfen, wo Oskar Lafontaine gerade zur Rede ansetzt. „Haut doch ab“, ruft ein Mann und zwängt sich durch die Menge bis zu den Autonomen durch, die sich rund um den Gerechtigkeitsbrunnen postiert haben. Es kommt zu einem kurzen Wortgefecht. Der Chef der Linkspartei versucht sich zu retten, indem er mahnt, die Linke müsse geschlossen zusammenstehen. Dass Lafontaine die Autonomen aber überhaupt zur „Linken“ zählt, finden wiederum andere Zuhörer „ungeheuerlich“. Mit denen wolle man doch gar nichts zu tun haben, sagt eine Frau, die als Verdi-Mitglied eigens aus Regensburg angereist ist. „Ich jedenfalls habe Angst vor diesen Leut’.“

Am späten Nachmittag ist dann alles vorbei. Der Römerberg leert sich schnell, die Busse stehen schon bereit. Zuvor aber wird noch das Lied der Einheitsfront angestimmt. Dann werden Plakate mit Aufschriften wie „10 Euro Mindestlohn“ und „Finanzmärkte entwaffnen“ sorgsam im Rucksack verstaut – und wohl schon für die nächste Demonstration bereitgehalten. Dass diese Zug durch Frankfurt nämlich nicht der letzte Protest gewesen ist, davon sind fast alle Teilnehmer überzeugt. „Wir kommen wieder“, sagt eine Frau, „denn dies war erst der Anfang.“

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