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Frankfurter Drogenszene : „Weg sind sie noch lange nicht“

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Die Herausforderung bleibt: Während die Polizei in der B-Ebene fast rund um die Uhr präsent ist, haben sich die Dealer andere Umschlagplätze gesucht. Bild: Helmut Fricke

Seit die Polizei regelmäßig eine Hundertschaft in den Frankfurter Hauptbahnhof schickt, ist die B-Ebene wieder annehmbar. Doch die Dealer haben sich neue Ecken gesucht – und eine neue Strategie.

          Der Mann mit dem Wischmopp kommt gegen Mittag. In aller Ruhe schiebt er den Wagen durch die B-Ebene. Eine Mülltüte, einen Eimer und einen Schrubber, mehr braucht er nicht. Vor ihm huschen Passanten durch die Halle, eilen zum Zug oder in die Drogerie. Doch der Mann mit der orangen Warnweste hat nur Augen für die Ecken, die dunklen, von denen es viele in der B-Ebene gibt. „So langsam wird es hier“, sagt der Verkäufer am Bäckerstand, während er einem Kunden Kaffee über den Tresen reicht. Und tatsächlich ist die B-Ebene an diesem kalten Januartag so sauber wie seit Jahren nicht mehr. Als hätte jemand mit dem Hochdruckreiniger die gesamte Halle gereinigt. Wie aus dem Nichts erscheinen drei Polizisten und steigen die Treppe hinunter, bis sie in der B-Ebene angekommen sind. Normalerweise wären sie schon dort, am Treppenabsatz, auf den ersten Späher gestoßen, der einmal laut gerufen hätte, um die Dealer zu warnen.

          Doch die Späher sind an diesem Vormittag nicht da. So wie überhaupt die gesamte B-Ebene ziemlich leer erscheint, so ohne Händler und Süchtige. In der Vergangenheit zogen die einen die anderen an. „Es sind weniger geworden“, sagt der Mann am Bäckerstand. „Aber man sollte sich nicht täuschen. Weg sind sie noch lange nicht.“ Die Polizisten drehen eine kleine Runde, dann gehen sie wieder den Aufgang hinauf. Später, am frühen Abend, wird die B-Ebene ohnehin voll mit Beamten sein. Die Polizei kontrolliert inzwischen täglich, mit bis zu hundert Beamten. Mehr als 9530 Personen haben sie bisher aufgegriffen und durchsucht. Etwa 500 von ihnen hatten Drogen dabei. Rund 170 Verdächtige wurden festgenommen. Das sind die Zahlen einer ersten vorsichtigen Bilanz. Vorsichtig deshalb, weil auch die Polizei weiß, dass die Kontrollen nur greifen, solange sie auch anhalten.

          „Das ist das Allerletzte, was die einem hier andrehen“

          Ein probates Mittel, das Reisende und Einzelhändler kurzfristig beruhigt. Es wird vermutlich Jahre dauern, bis die Drogenszene am Hauptbahnhof zerschlagen oder zumindest so weit eingedämmt ist, dass die Dealer das Bild des Viertels nicht mehr dominieren. Schon jetzt haben sie ihre Strategie geändert. Sie schicken neue, jüngere Leute los, treten in noch kleineren Gruppen auf. Die Polizei sagt selbst, sie nehme wahr, dass die etablierten älteren Dealer sich zurückzögen. Vor allem aber hat sich die gesamte Szene verlagert. Raus aus dem Publikumsverkehr, hin zu den Aufgängen an der Südseite des Hauptbahnhofs. Dort herrscht Dunkelheit. Keine Putzkolonne ist zu sehen, kein Sicherheitspersonal der Bahn, keine Polizei. Die große Domkamera, die an der maroden Decke hängt, ist kaputt. Jemand hat ein Loch ins Glas geschlagen. Das Loch ist verstaubt, das Glas milchig-trüb. Wahrscheinlich funktioniert die Kamera schon seit Jahren nicht mehr.

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