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Sonntag, 12. Februar 2012
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Dalai Lama Lehrstunde im Fußballstadion

30.07.2009 ·  Zum Besuch des Dalai Lama kommen die Menschen teils von weither in die Frankfurter Commerzbank-Arena: Eine buddhistische Nonne aus Spanien, eine andere aus der Schweiz, ein Paar aus Wien. Der Buddhismus reizt sie aus vielen Gründen.

Von Stefan Toepfer
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Heute kann Ananda Last, 37 Jahre alt, über die Hänseleien seiner Mitschüler von damals lächeln. Vor allem in der Grundschule hatte er es nicht immer leicht mit seinem ungewöhnlichen Vornamen: „Das ist doch ein Mädchenname“, musste er oft hören. Mitnichten. Ananda war einer der wichtigsten Jünger des Buddha. Die Eltern Last kamen 1970, bei einer Reise nach Indien, zum Buddhismus – was sie dann auch in der Namenswahl für ihren Sohn zeigen wollten.

Ananda Last, seine Mutter Heidi und seine Frau Silke stehen gemeinsam am Ende der Zeltstraße mit den vielen Verkaufs- und Informationsständen vor der Commerzbank-Arena in Frankfurt. Es ist Mittagspause. Drinnen hat der Dalai Lama vor kurzem seine erste Unterweisung unterbrochen. Die Familie aus Idar-Oberstein kann dem Buddhismus viel abgewinnen, mehr als dem Christentum. Auch wenn die drei ihre Religion unterschiedlich stark praktizieren. „Mich beeindruckt das Logische am Buddhismus“, sagt Mutter Last. Man müsse nicht einfach etwas glauben, sondern könne das Gesagte auch nachvollziehen. „Vom Christentum habe ich mich abgewendet, da war viel Falschheit dabei.“

Eingerahmt von Mönchen und Nonnen

So hart urteilen andere nicht – finden buddhistisches Gedankengut aber trotzdem attraktiv und können es mit ihre christlichen Wurzeln verbinden. „Der Buddhismus hilft mir besser zu verstehen, wie mein Geist funktioniert, trotzdem kann ich meine Zuflucht bei Christus behalten“, sagt eine 58 Jahre alte Lehrerin. Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Buddhismus. Ein bald 15 Jahre alter Junge aus Kahl im Kreis Aschaffenburg hingegen macht derzeit erste Versuche mit einer Meditations-CD, die er aus dem buddhistischen Kloster in Langenselbold hat. Seine Mutter hat ihn nach Frankfurt mitgenommen – ebenso wie eine Frau aus Basel, die ihren neun Jahre alten Sohn dabei hat, damit auch er den Dalai Lama einmal live sehen kann. Auch andere Besucher kommen von weit her – eine buddhistische Nonne aus Spanien, eine andere ebenfalls aus der Schweiz, für die der Dalai Lama ihr Lehrer ist, ein Paar aus Wien, das ihn bewundert als Friedensnobelpreisträger genauso wie als „große Seele“.

Eingerahmt wird der Dalai Lama auf der großen, vornehmlich in Orange und Rot gestalteten Bühne von Mönchen und Nonnen – etwa solchen aus der Frankfurter Pagode Phat Hue. Mit dabei ist auch Dagyab Rinpoche, ein hoher tibetischer Würdenträger. Er ist der spirituelle Leiter des ebenfalls in Frankfurt ansässigen Tibethauses Deutschland. Beide Institutionen haben den Dalai Lama gemeinsam mit der Deutschen Buddhistischen Union eingeladen.

Dalai Lama: „Glück bewusst hervorbringen“

Nach der Begrüßung durch ihn und Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sowie einigen Rezitationen beginnt der Dalai Lama mit seinem Vormittagsvortrag. Er sieht als gemeinsames Ziel aller Religionen, „das menschliche Potential zu entfalten, um mehr Mitgefühl zu erreichen, einen friedvolleren und ausgeglicheneren Geist“. Und er wirbt dafür, dass die Menschen im Westen ihre angestammte Religion behielten oder sie mit Respekt zu behandeln, wenn sie denn Buddhisten würden.

Ein wichtiges Anliegen ist ihm, dass die Buddhisten den Buddhismus auch verstehen und sich nicht mit Äußerlichkeiten zufriedengeben. Dann kommt er auf die Essenz des Buddhismus zu sprechen – die Erkenntnis der Entstehung von Leid und dessen Überwindung. Nach buddhistischer Überzeugung ist das Leben leidhaft, und die Ursache des Leidens liegt im Festhalten an Vergänglichem – Dingen genauso wie Vorstellungen. Daraus können Aversionen oder Begehrlichkeiten erwachsen, die es zu überwinden gilt. Als Weg, der aus dem Leiden führt, gilt Buddhisten der sogenannte achtgliedrige Pfad, gemeint sind acht Verhaltensweisen, etwa untadelig zu reden oder bei allem, was man tut, achtsam zu sein. „Glück entsteht nicht durch Wunschdenken, und so lässt sich auch das Leiden nicht überwinden“, sagt der Dalai Lama. „Wir müssen nach den Ursachen schauen, die Glück oder Leid hervorbringen, Glück bewusst hervorbringen, Leid bewusst vermeiden.“

Buddhafiguren und tibetische Gebetsfahnen

Wem es im Stadion zu schnell ging mit der gerafften Unterweisung ins buddhistische Gedankengebäude kann sich draußen entsprechende Bücher kaufen. Anderen Besuchern ist mehr an der Politik gelegen: So hat auch der CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann den Weg zum Stadion gefunden – als einer, der in der überparteilichen Tibetgruppe im EU-Parlament, „das eine Stimme der Menschenrechte ist“, mitarbeitet. Er hofft, den Dalai Lama morgen noch sprechen zu können.

Auch andere Waren warten vor dem Stadion auf Käufer – zum Beispiel Buddhafiguren und tibetische Gebetsfahnen oder eine Reise nach Dharamsala, zum Exilsitz des Dalai Lama in Nordindien. Die Nachfrage nach solchen Reisen sei stabil, sagt Petra Pliester vom Reiseunternehmen „Neue Wege“. „Wir merken die Wirtschaftskrise nicht. Die Leute haben ein Bedürfnis, sich spirituell weiterzuentwickeln.“ Wohl genau deswegen sitzen sie in diesen Tagen auch in der Commerzbank-Arena.

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