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Büchereiwesen : Die neue Blüte der Stadtbibliothek

Vollsortiment: Die Auswahl in der Frankfurter Zentralbibliothek ist groß Bild: Frank Röth

Vor zehn Jahren drohte dem Büchereiwesen in Frankfurt die Auszehrung. Die Krise hat Kräfte freigesetzt. Heute ziehen die Büchereien mit renovierten Räumen und einem attraktiven Angebot so viele Nutzer an wie nie zuvor.

          Seit zwei Jahren müssen Nutzer der Frankfurter Stadtbücherei nicht mehr unbedingt in die Zentralbibliothek oder eine der 13 Stadtteilbibliotheken gehen, um ein Buch auszuleihen. Sie können sich Stieg Larssons Krimis oder einen Ratgeber und selbst Zeitungen über eine sogenannte Onleihe auf ihren Computer, ihr Handy oder ihren MP3-Player laden. Der neue Service wird immer beliebter. Knapp 40 000 elektronische Ausleihen zählte die Stadtbücherei im vergangenen Jahr gegenüber 25 000 im Jahr 2009.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mittlerweile ist man in der Bibliothekszentrale an der Hasengasse sogar noch einen Schritt weiter gegangen und bietet E-Learning an. Wer einen Büchereiausweis besitzt, kann sich von zu Hause aus Kurse von Business-Englisch über Deutsch für Anfänger bis zu EDV herunterladen – unentgeltlich, fast jedenfalls. Zahlen müssen die Bibliotheksnutzer nur einmal im Jahr, nämlich zwölf Euro für ihren Ausweis. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre bekommen ihn ohne Gebühr.

          Sprung ins elektronische Zeitalter gelungen

          Der Sprung ins elektronische Zeitalter ist der Frankfurter Stadtbücherei weitgehend gelungen. Vor zehn Jahren hat sich das kaum einer vorstellen können. Damals verfügten nicht einmal alle Mitarbeiter über einen Rechner am Arbeitsplatz. Heute können sich auch die Nutzer an zahlreichen PCs mit Internetanschluss in der Zentralbücherei und den Außenstellen einloggen.

          Längst sind die vier Bibliothekszentren, die zentrale Kinder- und Jugendbibliothek und die 13 Stadtteilbibliotheken untereinander und mit der Zentrale vernetzt. Heute muss der Kunde sein Buch oder seine CD nicht dort zurückgeben, wo er sie ausgeliehen hat. Jede Bücherei nimmt auch die Medien der anderen zurück – in der Zentralbücherei, in Sachsenhausen und in Höchst sogar außerhalb der Öffnungszeiten. Denn dort sind am Gebäude Rückgabe-Automaten angebracht. An sieben Standorten können Kunden Bücher oder Filme, die sie ausleihen wollen, selbst an Automaten einscannen und sie auf diese Weise auch wieder zurückgeben. Die Bibliotheksmitarbeiter werden so von Routinetätigkeiten entlastet und können sich zum Beispiel stärker der Beratung widmen. Büchereileiterin Sabine Homilius möchte den Weg der Automatisierung fortsetzen und hofft darauf, dass die Stadt der Bücherei das Geld dafür gibt, alle Filialen mit Selbstbucher- und Rückgabeautomaten auszurüsten.

          Die Krise hat positive Kräfte geweckt

          Ende dieses Jahres wird die Stadtteilbücherei im Riederwald schließen müssen. Auch die Büchereien in Oberrad und Bergen mussten aufgegeben werden. In Bockenheim hat der Förderverein „Lesezeichen“ die Bücherei dagegen an anderer Stelle fortgeführt. Die drei Schließungen stellen die negative Seite der Umstrukturierung dar, die das Stadtparlament 2003 beschlossen hat. In jenen Jahren sah die Zukunft düster aus für die Stadtbücherei. Die Stadt musste sparen – und wollte das nicht zuletzt am Büchereiwesen durchexerzieren. Einer der Vorschläge lautete, alle Stadtteilbüchereien zu schließen und durch je ein Bibliothekszentrum im Norden, Süden, Osten und Westen zu ersetzen.

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