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Besorgniserregender Trend Frankfurter blinken nur vor jedem dritten Abbiegen

24.03.2008 ·  Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat das Blinkverhalten von Autofahrern in Frankfurt, Hamburg und Berlin beobachten lassen. Für Frankfurt fiel das Ergebnis besonders schlecht aus.

Von Carsten Kipper
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Spätestens seit es auch hierzulande immer mehr Verkehrskreisel gibt, wächst die Ratlosigkeit bei regeltreuen Autofahrern. Denn beim Verlassen der Kreisel ist der Einsatz des Blinkers besonders wichtig. Dennoch bleibt er oft aus, wie auch in vielen anderen Situationen. Bei dem Verkehrssoziologen Alfred Fuhr vom Automobilclub von Deutschland (AvD) häufen sich seit Jahren die Beschwerden über derartiges Fehlverhalten.

2005 entschloss er sich, das Phänomen gemeinsam mit seinem Kollegen Bastian Roet genauer zu studieren. Ihr Forschungsprojekt war und ist das erste dieser Art in Deutschland. „Dazu haben wir in Berlin, Hamburg und Frankfurt Tausende Spurwechsel auf Autobahnen und in der Innenstadt beobachtet“, erläutert Fuhr. Zwischen den Städten gab es überraschend deutliche Unterschiede in der Blinkmoral. Für Frankfurt fiel das Ergebnis besonders schlecht aus. Am Main wird wesentlich seltener geblinkt als an Spree oder Elbe. In der Frankfurter Innenstadt wurden laut AvD-Studie nur 33 Prozent der Richtungsänderungen angezeigt. In Hamburg war dies immerhin noch bei 50, in Berlin sogar bei 79 Prozent der Manöver so.

Normen werden nicht mehr anerkannt

Die Autofahrer in Frankfurt liegen damit an der Spitze eines besorgniserregenden Trends. Als solchen muss man das Nichtblinken mittlerweile wohl bezeichnen. Die Frage nach den Ursachen lässt sich nicht ohne weiteres beantworten. Selbstverständlich habe dies auch etwas mit gesellschaftlichen Veränderungen zu tun, sagt Fuhr. „In der formalisierten Gesellschaft der fünfziger und sechziger Jahre wurden Verkehrsregeln noch sehr strikt befolgt“, blickt der Soziologe zurück. Von den siebziger Jahren an habe sich das langsam verändert. Heute würden einige Normen von vielen Verkehrsteilnehmern praktisch nicht mehr anerkannt. Dazu zähle in vielen Fällen auch das Blinken.

Neben dem nur schwer messbaren gesellschaftlichen Wandel habe auch die technische Entwicklung des Autos zu diesem Trend beigetragen, sagt Fuhr. „Wer mit Navigationssystem unterwegs ist, empfindet manchmal eine trügerische Sicherheit und vernachlässigt andere Verkehrsteilnehmer.“ Auch Fahrer von Kleintransportern und Außendienstmitarbeiter zeigten sich häufig nachlässig beim Blinken, was auf deren Zeit- und Erfolgsdruck zurückzuführen sei. „In den Unternehmen sollte es deshalb mehr Selbstverpflichtungen zu einer korrekten Fahrweise geben“, fordert der Sozialforscher.

Polizei: Nichtblinken wird nicht kontrolliert

Für die Polizei in Frankfurt hat das Thema dagegen bisher keine große Bedeutung. In der Stadt sei Nichtblinken selten eine Unfallursache und werde deshalb außerhalb des normalen Streifendienstes nicht kontrolliert, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Die Beamten hätten außerdem keine Zunahme des Phänomens feststellen können. Eine von der F.A.Z. erhobene Stichprobe bestätigte übrigens die Ergebnisse der Forscher. Von 100 Spurwechseln, die am Morgen des Gründonnerstag auf der Theodor-Heuss-Allee stadtauswärts beobachtet wurden, geschahen immerhin 44 ohne Vorwarnung. Vor allem Taxifahrer fielen bei dieser kurzen Verkehrsbeobachtung negativ auf.

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