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Beruf Feuerwehrmann Kühl bleiben in den Flammen

02.08.2009 ·  Bis zu 700 Grad Celsius sind Feuerwehrleute bei Wohnungsbränden ausgesetzt. Wolfgang Gottschalk kennt die Gefahr nur allzu gut. Er gehört zur Ausbildungs-Akademie der Frankfurter Berufsfeuerwehr und kümmert sich um den Nachwuchs. So wie an diesem Tag.

Von Katharina Iskandar
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Der Container steht in einem alten Steinbruch am Rande von Mainz-Kastel, umgeben von dichten Büschen, gleich neben einem Baggersee. Kies wird aufgewirbelt, Motoren dröhnen. Minuten dauert es, bis Wolfgang Gottschalk den schweren Löschwagen in Position gebracht hat. Als er aussteigt, wischt er sich über die schweißnasse Stirn. Dann wuchtet der drahtige Mann den Schutzanzug aus dem Wagen: 30 Kilo feuerfestes Hightech-Material. Fast 30 Grad zeigt das Thermometer in der Mittagshitze an. Er weiß: Das wird heftig heute. „So richtig hart.“

Gottschalk ist Feuerwehrmann. Seit 28 Jahren schon. Seine Arbeit ist Passion, sein Händedruck ist kräftig. Schon während der Schulzeit war er bei der freiwilligen Feuerwehr in Königstein. Nach dem Schulabschluss hat er Werkzeugmacher gelernt, bevor er schließlich Berufsfeuerwehrmann wurde. „Ich wollte etwas tun, was mich am Ende des Tages zufrieden- stellt“, sagt der 48 Jahre alte Familienvater. Feuerlöschen und Menschenretten – das macht ihn zufrieden. Inzwischen gehört er selbst zur Ausbildungs-Akademie der Frankfurter Berufsfeuerwehr und kümmert sich um den Nachwuchs. So wie an diesem Tag.

Feuerhölle im Steinbruch

Sieben junge Männer und eine Frau sind mit Gottschalk in den Steinbruch gekommen. In dem alten See-Container, der seit etwa zehn Jahren als Brandsimulator dient, wird heute der „Flash-over-Effekt“ geübt. „Also das, was passiert, wenn wir in eine brennende Wohnung kommen“, erklärt Gottschalk. Wenn Feuerwehrleute eine Tür öffnen und sich das Feuer mit Sauerstoff nährt und die Flammen nur so lodern.

Die Feuerhölle im Steinbruch entwickelt sich um kurz nach elf. Nach und nach tragen Gottschalk und die Auszubildenden Holzpaletten in den Container, die mit einem riesigen Bunsenbrenner angezündet werden. Es zischt und knistert. Kurz darauf qualmt es aus allen Containerritzen. Der Rauch ist erst weiß, dann schwarz. Bevor er in die Luft steigt, breitet er sich über den gesamten Steinbruch aus.

Gottschalk: „Heißausbildung vor Ort“

600 Grad Celsius werden bald in dem Container herrschen. Temperaturen wie bei jedem normalen Wohnungsbrand. Gottschalk zieht seinen Anzug an. Erst die Hose, dann die Stiefel, dann die dicke Jacke. Die allein wiegt schon zehn Kilogramm. „Wichtig ist, dass jeder Hautzipfel abgedeckt ist“, sagt er. Als er sich den Helm über den Kopf zieht, eilt ein Kollege herbei und hilft. Gottschalk schnallt sich die Flasche mit der Atemluft auf den Rücken. Etwa 35 Minuten kann er damit in Flammen und Rauch überleben.

Als Gottschalk 1981 seine eigene Ausbildung gemacht hat, gab es keinen Übungscontainer. Wie man sich früher auf den Ernstfall vorbereitet hat? Gottschalk lacht. „Im Einsatz“, sagt er. „Die Heißausbildung bekamen wir damals noch vor Ort.“

Einsatz bis zum nächsten Morgen

Heißausbildung – das ist bei jungen Feuerwehrleuten der wohl berüchtigtste Part der Lehrzeit. Gemeint ist das Wichtigste an ihrem Beruf: sich vertraut machen mit dem Feuer, mit seinen Vorlieben und Tücken. Sich klarmachen, dass Flammen unberechenbar sind. Gottschalk sagt, als Feuerwehrmann zählt vor allem die Erfahrung. Zu wissen, an welcher Stelle der nächste Dachbalken runterstürzen kann und welchen Weg sich die Flammen bahnen werden, rettet oft das Leben.

Die Macht des Feuers hat der Achtundvierzigjährige 1987 zu spüren bekommen. Damals stand das Frankfurter Schauspielhaus in Flammen. Gottschalk weiß noch, wie der Alarm einging. „Zuerst hieß es nur, der Melder habe angeschlagen. Da weiß man im ersten Moment nie, ob es tatsächlich brennt oder ob es nur ein Fehlalarm war.“ Aber als der Trupp näher kam, sahen sie schon Rauch in den Himmel steigen. Und als sie wenig später das Gebäude betraten, war allen klar, dass dies ein Einsatz sein würde, der bis zum nächsten Morgen dauert.

Stichflamme aus dem Container

„Wir waren mittendrin in der Feuerhölle“, erinnert sich Gottschalk. Meter für Meter kämpften sie sich bei mehr als 700 Grad Celsius durch den dichten Rauch, immer zu zweit. „Im Einsatz ist man immer im Team.“ Theoretisch wusste er auch damals schon viel: wie viel Wasser er auf die Flammen geben darf, um sie zu ersticken, ohne sich durch den heißen Wasserdampf selbst zu gefährden. Und wie er möglichst sparsam mit der Atemluft umgeht, auch wenn er mit zwanzig Kilo Schlauch auf dem Arm die Stockwerke erklimmen muss. „Das Gefühl aber, wie es ist, wenn du plötzlich um dich herum nur noch Flammen siehst, die zischend auf dich zuschießen, das haben wir erst durch viele Einsätze lernen müssen.“

Die jungen Männer und Frauen steigen nach und nach in den Container. Jeweils zwei pirschen sich von außen an die Tür heran. Einer öffnet sie, zunächst nur einen Spaltbreit. Der andere gibt einen kurzen Wasserstrahl ab. Dann schließen die beiden die Tür wieder, warten drei Sekunden, öffnen die Tür ganz und verschwinden in dem brennenden Raum. In Sekundenschnelle hocken sie sich auf den Boden, während das Feuer, angelockt durch den Sauerstoff, über sie hinwegschießt und als Stichflamme aus dem Container schlägt.

Mit Brennstoff gefüllte Güterwaggons

Mitten im Raum steht Gottschalk, die Temperatur steigt immer höher. Hier, wo ein Mensch ohne Schutzanzug schon längst an Rauchvergiftung, Verbrennungen und Kreislaufversagen gestorben wäre, gibt Gottschalk in aller Ruhe Anweisungen. Von harter Arbeit spricht er und davon, dass er trainiert habe, „bis jede Bewegung sitzt wie im Schlaf“. Für enorm wichtig hält er den täglichen Dienstsport. Fußball spielen, Rudern, Krafttraining, Schwimmen, Joggen. Oft entscheidet die Ausdauer darüber, wie glimpflich ein Feuerwehrmann den Flammen entkommt.

Erlebt hat Gottschalk das vor zwölf Jahren beim großen Brand am Südbahnhof. Damals geriet ein mit 85.000 Litern Benzin beladener Kesselwagen in Brand, als zwei Güterzüge zusammenstießen. Die Feuerwehr war schnell am Unglücksort und verhinderte das Schlimmste: Wären die Flammen auf die anderen mit Brennstoff gefüllten Güterwaggons übergesprungen, hätte die Explosion einen Großteil Sachsenhausens zerstört. Viele Frankfurter wären gestorben.

Gemeinsam in Extremsituationen

Gottschalk traf als einer der ersten Feuerwehrmänner am Südbahnhof ein. Er arbeitete zwölf Stunden durch. Zwei seiner Kollegen wurden in dem Einsatz verletzt. „Das sind Extremsituationen“, sagt Gottschalk. „Danach ist man fix und fertig. Aber da so etwas theoretisch jeden Tag passieren kann, hält man sich besser fit.“

Als sich die Mittagssonne über den Steinbruch geschoben hat und das Feuer in dem Container erloschen ist, packen Gottschalk und seine Kollegen ein. Atemmasken werden in den Wagen verstaut, Schläuche, Helme und Anzüge. Bevor die Männer fahren, wird der Grill angeworfen. Ein Auszubildender steht mit dem Bunsenbrenner schon bereit. „Auch das gehört dazu“, sagt Gottschalk. „Wir Feuerwehrleute sind recht gesellig.“ Er glaubt, das liegt daran, dass sie so oft gemeinsam in Extremsituationen arbeiten. „Das schweißt zusammen.“

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