13.03.2007 · Vor 20 Jahren ist der legendäre Tierfilmer Bernhard Grzimek gestorben. Von seinen ausgedehnten Afrikareisen hat nicht nur der Frankfurter Zoo profitiert, den er 1974 leitete. Grzimek war ein Pionier des Naturschutzes.
Von Eva-Maria MagelVor 20 Jahren hat Markus Borner die Urne mit Bernhard Grzimeks Asche nach Tansania, an den Rand des Ngorongoro-Kraters, mitgenommen. Seit 1984 betreut Borner, als Nachfolger Grzimeks quasi, die Vertretung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurts (ZGF) in dem Park, der Grzimek wohl am meisten verdankt: der Serengeti.
Mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ ist Grzimek weltberühmt geworden, an seine beim Hessischen Rundfunk gedrehte Serie „Ein Platz für Tiere“, die er stets in Begleitung eines „possierlichen“ Bewohners des Frankfurter Zoos bestritt, erinnern sich viele noch heute. Auch dank dieser Serie und der Spendenaufrufe, die Grzimek am Ende stets anschloss, verfügt die ZGF über ein stattliches Stiftungsvermögen, das sie in den Dienst des Artenschutzes und, bis heute, immer wieder auch in den des Zoos selbst stellt. Vor drei Jahren wurde dort das „Grzimek-Camp“ eröffnet, das an den legendären Zoodirektor und an die Arbeit der ZGF erinnert.
Einsatz für Tiere und Natur
Am Dienstag wird in Tansania, wo auch Grzimeks Sohn Michael beigesetzt ist, der 1959 verunglückte, ein Blumengruß niedergelegt. Wieder wird es Borner sein, der ihn dorthin legt: eine gemeinsame Geste der Stadt und der ZGF für den Mann, der so viel bewirkt hat.
Der Tiermediziner Grzimek, der durch Zufall nach Frankfurt gekommen war, hatte unter der amerikanischen Besatzung Anfang 1945 Polizeidirektor werden sollen. Nicht unbedingt das richtige Betätigungsfeld für einen Mann, der bis zu seinem Tod 1987 immer wieder durch höchst unkonventionelle Vorgehensweisen aufgefallen war – so gentlemanlike und fast betulich er zuweilen auch auf dem Bildschirm wirken mochte. Wenn es um Tiere und Natur ging, fackelte Grzimek nicht lange:
Er war „Öko“, Tier- und Umweltschützer, lange bevor das modern wurde. Den Zoo selbst hat er geradezu handstreichartig wiedereröffnet – ohne behördliche Genehmigung. Stattdessen ließ er Plakate malen und veranstaltete am 1. Juli 1945 einen Umzug mit Ponywagen durch die Stadt: „Der Zoo ist wiedereröffnet!“ Und das, obwohl gerade mal 20 größere Tiere die Bombenangriffe und den Hunger überlebt hatten und der ganze Tiergarten mit Trümmern übersät war.
Grzimeks persönliche Arche Noah
Grzimek musste nicht nur die Gebäude wiederherstellen, er hatte auch dafür zu sorgen, dass es wieder mehr Tiere im Zoo gab, um Besucher anzulocken. Je mehr Attraktionen, desto mehr verkaufte Eintrittskarten: Grzimek war nicht nur ein äußerst rühriger Tierfreund, sondern auch ein genialer Vermarkter seiner Anliegen. So wurde der Zoo, noch vor der Währungsreform, zum Vergnügungspark, mit Achterbahn, Zirkuszelt, Dressurshows und Seiltänzern. Grzimek hatte keine Scheu vor solchen Sensationen, wenn er nur genügend Publikum in „seinen“ Zoo locken konnte. Doch weil die Hauptsache an einem Zoo nun einmal Tiere sind, ließ er nicht locker in der Akquise neuer Bewohner.
Nicht nur die Tiere, die in seinen ersten fünf Amtsjahren erworben werden konnten, waren exotisch – zuweilen galt das auch für ihre Provenienz: Zwei Löwen etwa wurden aus dem Schlachthaus Passau herbeigeschafft, wo sie in den Kriegswirren Asyl gefunden hatten. Andere Tiere kamen aus Zirkussen, manche aus Zoos. Wie Grzimeks persönliche Arche Noah muss da das Sonderflugzeug gewirkt haben, aus dem 1954 nach seiner Expedition in den Kongo neben „Epulu“, dem ersten Okapi überhaupt auf deutschem Boden, ein Waldelefant, Antilopen und Schimpansen ausgeladen wurden.
Es war seine zweite Afrikareise nach 1951, viele weitere, ausgedehnte, sollten folgen. Schon damals, Anfang der fünfziger Jahre, änderten die afrikanischen Erfahrungen den Zugang zu seiner Arbeit grundlegend. Und wenig später sollte der Verein, der sich zur Unterstützung des Zoos im Februar 1951 gegründet hatte, dabei eine maßgebliche Rolle spielen. Ursprünglich sollte die „Gesellschaft der Freunde des Zoologischen Gartens“ der notorisch klammen Einrichtung zu mehr Geld verhelfen. Sieben Jahre später, zum hundertjährigen Bestehen des Zoos, nannte sich der Verein wieder so, wie er bei der Gründung des „von Bürgern für Bürger“ getragenen Tiergartens geheißen hatte: „Zoologische Gesellschaft Frankfurt am Main von 1858“. So heißt die ZGF bis heute.
Geld für das „Bonoboland“
Der Verein veranstaltete zunächst Tombolas und Sammlungen. Schon die erste, im Jahr 1952, brachte 480.000 Mark, ein deutlicher Beweis dafür, dass die Frankfurter ihren Zoo nicht im Stich lassen wollten. Entstanden ist mit dem Geld als erster Neubau nach dem Krieg das Giraffenhaus. Wie in den anderen der heute noch stehenden Gebäude aus der Ära Grzimek schlug sich darin nieder, was er in Afrika gelernt hatte: Durch das Beobachten der Tiere in freier Wildbahn zog er Rückschlüsse auf ihre artgerechte Haltung in Zoos. Das posthum „Grzimekhaus“ genannte Nachttierhaus des Zoos ist dafür bis heute musterhaft.
Heute mag es befremden, dass ein deutscher Zoodirektor in Afrika Tiere fing, um die Attraktivität seines Zoos zu erhöhen. Doch Grzimek lernte auf diesen Reisen, was sein größtes Engagement werden sollte: die Natur zu schützen – auch um des Menschen willen. Nicht umsonst wirbt der Zoo heute, nach Grzimeks legendärer Sendung, mit dem Motto „Ein Platz für Tiere und Menschen“, denn auch dort schlägt sich das Engagement der ZGF, der Grzimek von 1971 bis zu seinem Tod vorstand, nieder.
Auch wenn aus Grzimeks Traumprojekt, einer „Tierfreiheit“ oder einem Außenzoo, (noch) nichts geworden ist: Zu den vielen Neubauten, die der Zoo in den vergangenen Jahren verwirklicht hat, und auch zu dem nun geplanten neuen „Bonoboland“ trägt die ZGF Geld bei.