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Berliner Investor in Frankfurt : „Bis die Politik ein Ohr für uns hat“

60 000 Quadratmeter im Ostend: Auf dem Telekom-Areal am Danziger Platz will die Berliner CG Gruppe einen Komplex mit Wohnungen, einem Hotel und weiteren Nutzungen errichten. Bild: Wonge Bergmann

Der Planungsdezernent hat angekündigt, Grundstücksspekulation unterbinden zu wollen. Ein Berliner Investor fühlt sich zu Unrecht verdächtigt und sieht sich in einer starken Position gegenüber der Stadt.

          In der Frage der zukünftigen Bebauung des Telekom-Areals am Danziger Platz im Ostend bahnt sich ein offener Konflikt zwischen der Stadt und dem Käufer an. Die CG Gruppe mit Sitz in Berlin hatte das Grundstück vor wenigen Monaten erworben und will dort eine Mischung aus Wohnungen, einem Hotel und weiteren Nutzungen errichten. Wie der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Christoph Gröner, im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, plant er eine Ausnutzung von 60 000 Quadratmetern. Er machte deutlich, dass er auf dieser Forderung beharren werde: „Ich habe Geduld. Wenn ich in zehn Jahren nicht baue, habe ich nichts verloren, aber Frankfurt hat viele Wohnungen verloren.“ Die CG Gruppe könne das Areal schließlich auch weiterhin gewerblich nutzen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          60 000 Quadratmeter sind beinahe ein Drittel mehr, als die Stadt bisher zu bewilligen bereit ist. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat vor kurzem noch einmal darauf hingewiesen, dass auf dem Areal eine Ausnutzung von maximal 46 500 Quadratmetern vorgesehen sei. Dabei werde es auch bleiben, das gebiete schon die Fairness gegenüber jenen Investoren, die ihren Geboten für das Areal die von der Stadt genannte Ausnutzung zugrunde gelegt hätten, sagte der Stadtrat.

          „Günstiger, sozialer und ökologischer“

          In diesem Sinne hatte Josef auch dem Eigentümer des nahe gelegenen Mercedes-Areals an der Hanauer Landstraße geschrieben. Das Grundstück steht derzeit zum Verkauf. Der Planungsdezernent hatte die Daimler Real Estate GmbH wissen lassen, dass die im Entwurf für den Bebauungsplan genannte Ausnutzung nicht überschritten werden dürfe. Das sei auch den Interessenten mitzuteilen. Mit diesem Schritt solle möglicher Grundstücksspekulation vorgebeugt werden, hieß es aus dem Dezernat. Die Stadt werde nicht im Nachhinein überzogene Kaufpreise durch ein großzügigeres Baurecht heilen. Josef hatte in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass für das Telekom-Areal am Danziger Platz die gleichen Regeln gälten.

          Gröner bezieht daher den Vorwurf der Spekulation auf sich, weist diesen jedoch von sich. „Wir haben noch nie Grundstücke einfach weiterverkauft.“ Er sei auch nicht profitgierig. Vielmehr gehe es ihm darum, eine möglichst attraktive Bebauung zu errichten. „Ich kann besser, günstiger, sozialer und ökologischer bauen als andere“, hebt Gröner hervor. Kein anderer Bieter wäre zudem seiner Ansicht nach in der Lage, das gesamte Areal komplett selbst zu entwickeln.

          Zur Not gedulden

          Der Berliner Projektentwickler fordert ein Bebauungsplanverfahren für das Grundstück. Dann werde ihm die Stadt ein entsprechendes Maß an Ausnutzung nicht verweigern können. „Das sind die Spielregeln, an die sich die Politik zu halten hat.“ Das Planungsdezernat ist noch unschlüssig, ob die künftige Bebauung nun über einen Bebauungsplan geregelt werden soll oder über Paragraph 34 des Baugesetzbuches. Dieser sieht eine Bebauung vor, die sich nach der Umgebung richtet.

          Es muss nach Ansicht Gröners zu Beginn der Gespräche mit der Stadt offen sein, was gebaut werde. Er werbe dafür, ein Projekt nach seinen Eigenschaften zu beurteilen und nicht nach der Geschossfläche. „Ein Projekt nur an der Fläche zu messen ist primitiv.“ Es ist seiner Meinung nach gerade der „Sinn eines kooperativen Baulandmodells, dass die Kommune mehr Fläche genehmigt“. Mit dem Begriff des kooperativen Baulandmodells meint Gröner die Regelung, wonach bei größeren Neubauprojekten 30 Prozent der Fläche für geförderte Wohnungen zu reservieren ist. Zur Not werde er sich mit dem Projekt eben gedulden, „bis die Politik ein Ohr hat für Leute, die sozial eingestellt sind“.

          Projekte in der Umgebung

          Gröner wirbt für eine Bebauung mit zwei Hochpunkten. Die Stadtplaner und Architekten in seinem Unternehmen hätten gesagt, dass das für das Areal und seine Umgebung verträglich sei. Der Stadt habe er vorgeschlagen, diese Annahme in einem Wettbewerb zu überprüfen. Dann solle eine Jury entscheiden. Er zeigte sich sicher, dass auch Bürger seine Einschätzung teilen würden, wenn sie an dem Verfahren beteiligt würden.

          Die CG Gruppe hat in Frankfurt vor einigen Jahren auch die ehemalige Oberpostdirektion an der Friedrich-Ebert-Anlage gekauft. In dem Gebäudekomplex, der teilweise durch einen Neubau ersetzt werden soll, sind Eigentums- und Mietwohnungen vorgesehen. Derzeit stockt die Realisierung, dem Vernehmen nach wegen fehlender Zustimmung von Nachbarn zum geplanten Hochhaus. Auch am Kaiserlei in Offenbach ist das Unternehmen aktiv; dort entsteht ein Quartier rund um die beiden ehemaligen Türme der Siemens-Kraftwerksparte.

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