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Baupläne Ikea geht in die Warteschleife

 ·  Die Eröffnung der geplanten Ikea-Filiale in Nieder-Eschbach ist von politischen Entscheidungen abhängig. Vor einer Abstimmung in der Regionalversammlung will sich die CDU sich um die Verkehrsanbindung des Möbelriesen kümmern.

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In der Endausbaustufe könnte es das größte der „unmöglichen“ Möbelhäuser im Rhein-Main-Gebiet sein: Die Ikea-Filiale in Nieder-Eschbach. Daß dieses Vorhaben mehr als zwei Jahre vor der geplanten Eröffnung im August 2007 im öffentlichen Rampenlicht steht - vor allem soviel mehr als das im vergangenen Herbst eröffnete Möbelhaus Segmüller in Darmstadt-Weiterstadt, das von der Verkaufsfläche fast doppelt so groß ist - hat eine zentrale Ursache: Die Regionalversammlung Südhessen und damit Frankfurt und sein Umland sind gefragt, die von Ikea bereits gekaufte Fläche zu einem sogenannten Sondergebiet „Ikea Möbelhaus“ zu erklären. Erst dann kann Frankfurt dem Bebauungsplan zustimmen.

Eigentlich wollte die Versammlung, bestehend aus 99 Vertretern von Städten und Kreisen im Regierungsbezirk Darmstadt, am Freitag ihr Votum abgeben. Dies würde, trotz erheblicher Bedenken, voraussichtlich positiv ausfallen. Nun könnte die Entscheidung überraschenderweise auf Wunsch der Frankfurter CDU „um eine Runde“ und damit auf den nächsten Versammlungstermin am 23. September geschoben werden. Denn die Frankfurter haben, wie der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Helmut Heuser, der auch Regionalversammlungsmitglied ist, mitteilte, Bedenken, daß die Verkehrsanbindung des Möbelhauses in der derzeit geplanten Form nicht ausreichend ist. „Wir haben Bilder von Ikea in Wallau im Kopf“, so Heuser, wo sich bei besonderen Aktionen der Verkehr soweit auf die Autobahn A66 zurückstaue, daß mitunter anderem das gesamte Wiesbadener Kreuz beeinträchtigt werde.

„Alle Hebel in Bewegung setzen“

Die Frankfurter CDU will deshalb - unabhängig von allen Diskussion um die Zukunft der Reininger AG, die wegen der Ikea-Pläne umziehen muß (F.AZ. vom Dienstag) - geklärt haben, ob und wann der von ihr geforderte sechsspurige Ausbau der A661 vom Bad Homburger Kreuz bis zur neuen Anschlußstelle Mertonviertel kommen wird. Und die CDU will „alle Hebel in Bewegung setzen“, um die eigentlich für den 16. Juli geplante Schließung der Anschlußstelle der A661 „Bonames/Kalbach“ zu verhindern. Auch dies würde die nördlichen Frankfurter Stadtteil entlasten.

Denn die neue Anschlußstelle Nieder-Eschbach ist nach Ansicht vieler allein durch Ikea und den gerade in Bau befindlichen Hornbach-Markt ausgelastet. Ikea selbst hat Zahlen vorgelegt, daß - gemeinsam mit Hornbach - sich im Umfeld dieser Anschlußstelle der Verkehr zwischen 30 und 79 Prozent steigern wird. Andere CDU-Mitglieder in der Regionalversammlung fürchten insgesamt eine Überlastung der A661. Schließlich werde eines Tages auch die Europäische Zentralbank ihren Verkehr über diese Autobahn abwickeln und das Kaiserlei-Gebiet weiter bebaut. Mit erheblichen Verkehrsbelastungen rechnen auch Oberursel, Bad Homburg, Friedrichsdorf und Steinbach am Taunus. Die Verkehrsuntersuchung berücksichtige nur das unmittelbare Umfeld des geplanten Möbelhauses, die Folgen im Umland würden ausgeklammert, heißt es in Stellungnahmen der Kommunen.

Das Amt für Straßen-und Verkehrswesen hat hingegen keine Bedenken. Ikea wolle den Anschluß an die A661 ausbauen, die Kreuzung unmittelbar an der Anschlußstelle Nieder-Eschbach erweitern. Mit Blick auf die Belastung der angrenzenden Autobahnen sieht Sprecherin Kathrin Brückner keine Schwierigkeiten: „Gemäß der von Ikea vorgelegten Pläne wird es funktionieren.“

Kritik am großen Randsortiment

Scharfe Kritik gibt es von seiten des Frankfurter Umlandes vor allem wegen der befürchteten Folgen des generell großen Randsortiments bei Ikea, das in der Regel ein Drittel der Verkaufsflächen einnimmt. Dabei unterscheiden die Regionalplaner sogar noch das sogenannte innenstadtrelevante Randsortiment, als da sind Porzellan, Bettwäsche, Spielwaren oder Pflanzen. Dies wird bei Ikea in Nieder-Eschbach eines Tages mehr als 6200 Quadratmeter und damit knapp ein Viertel der Verkaufsfläche ausmachen.

Nach der reinen Planerlehre dürfte ein so großes Angebot an Lampen, Tassen und Bilderrahmen nicht außerhalb von Innenstädten oder Stadtteilen angeboten werden. Doch die Geschäftsstelle der Regionalversammlung, dies ist das Regierungspräsidium Darmstadt, rät den Regionalpolitikern dennoch, dem Vorhaben zuzustimmen. Frankfurt ist ein Oberzentrum und ist damit als Standort für großflächigen Einzelhandel grundsätzlich geeignet und hat sogar eine gewisse Versorgungsfunktion. Und Möbelhäuser gehören an den Stadtrand, auch für Planer.

Das stärkste Argument des Regierungspräsidiums für die Ansiedlung ist jedoch, daß Frankfurt mit Möbelhäusern „sehr schwach ausgestattet“ ist, wie es in der Vorlage für die Regionalversammlung heißt. Es hat mit dem Möbelhaus Wesner überhaupt nur ein Geschäft in der Größenordnung des geplanten Ikea-Marktes und ein weiteres, Flamme Möbel an der Hanauer Landstraße, das bis 20000 Quadratmeter Verkaufsfläche hat. Ansonsten sind alle Möbelhäuser kleiner als 10000 Quadratmeter. Dadurch hat nach Ermittlung von Gutachtern Frankfurt in den vergangenen Jahren viel Kaufkraft in Richtung des Umlandes verloren, etwa in Richtung Segmüller in Darmstadt, Möbel-Walter in Gründau-Lieblos. Der Trend könnte sich fortsetzen, schließlich wird Ende des Jahres in Eschborn ein Mann-Mobilia-Markt mit 40000 Quadratmeter Verkaufsfläche eröffnet. Der Anteil des dortigen Randsortiments ist im übrigen nicht bekannt: als 1996 die Regionalversammlung dieser Sonderfläche zustimmte, spielte das „innenstadtrelevanten Sortiment“ zumindest in der Diskussion der Bürgermeister und Landräte noch keine Rolle.

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Jahrgang 1961, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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