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Aus dem 6. Jahrhundert Der Franken-Friedhof von Harheim

08.10.2008 ·  Die ersten Harheimer: Grabungstechniker haben in Harheim Begräbnisstätten aus dem 6. Jahrhundert freigelegt. Eine kleine Sensation. Denn in Hessen gab es in den vergangenen 40 Jahren keine Ausgrabungen mit Funden aus dem 6. bis 8. Jahrhundert nach Christus mehr.

Von Stefan Toepfer
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An der Harheimer Straße In den Aspen reiht sich Neubau an Neubau. Viele Häuser sind schon fertig. An anderen wird noch gearbeitet – hier wird eine Betonverschalung angebracht, dort eine Garage gestrichen. Eines der Grundstücke allerdings kann erst bebaut werden, wenn das Denkmalamt der Stadt seine Grabungen beendet hat. Dort, nördlich der Straße, ist man auf ein großes Gräberfeld gestoßen.

Der jüngste Fund sind Gräber von zwei Männern und einer Frau aus der Mitte des 6. Jahrhunderts nach Christus. Rolf Bulka, Grabungstechniker des Denkmalamts, und seine Mitarbeiter waren bis Mittwochabend dabei, die Skelette freizulegen, damit sie samt den Grabbeigaben zu weiteren Untersuchungen ins Denkmalamt und ins Archäologische Museum gebracht werden können.

Siedlungsgeschichte reicht bis in die Steinzeit zurück

Dass in der Gegend ein Friedhof war, wusste Bulka. Weiter südlich der Straße waren Menschen bestattet, die in der Mitte des 7. Jahrhunderts gelebt hatten. „Wir haben nicht gedacht, dass sich das Gräberfeld auch jenseits der Straße so weit nach Norden erstreckt“, sagt er. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat er 100 Gräber aus der Frankenzeit gefunden, jener Epoche, aus der auch die jüngsten Funde stammen. Hinzu kamen 30 vorkeltische Gräber einer ehemaligen Grabhügelgruppe aus der Zeit um 700 vor Christus.

Die Gräber der Franken zeigen, dass Harheim im Frühmittelalter lange vor seiner ersten Nennung besiedelt war. „Wir haben hier die ersten Harheimer“, sagt der Grabungsleiter und zeigt auf die drei Grabstätten, in denen er auch Gefäße für Grabbeigaben gefunden hat. Die Endung „-heim“ im Namen des Ortes weist darauf hin, dass er von den Franken gegründet worden ist, wie Bulka erläutert. Erstmals war „Horeheim“ nach Angaben der Stadt im Jahr 786 nach Christus erwähnt worden – in einem Güterverzeichnis des Klosters Lorsch. Die Vorsilbe „hore“ deute auf Feuchtland hin und kennzeichne die Ortslage am Niddaried. Die Siedlungsgeschichte jenes Gebiets reicht sogar bis in die Steinzeit zurück; unweit der Gräber wurden Reste eines Hauses aus der Zeit um 4000 vor Christus gefunden. „Hier treffen sich drei Epochen: die der Steinzeit, der Kelten und der Franken“, sagt Bulka.

In den Grablegen der beiden fränkischen Männer finden sich typische Beigaben: Waffen etwa, von denen Reste erhalten sind, und Gefäße, in denen den Toten Lebensmittel für die Reise ins Jenseits mitgegeben worden waren. „Die Menschen damals waren schon christianisiert, aber Bräuche wie diese haben sich noch eine Weile gehalten“, erläutert Bulka.

Ein Kamm und ein Armreif sind erhalten

Gut erhalten sind auch die bronzenen Gürtelschnallen. Auch mit ihnen lässt sich das Alter der Gräber gut bestimmen. Eines der beiden Skelette weist eine erhebliche Verletzung am Schädel auf: Ein Teil der Schädelplatte ist eingedrückt. „Er ist vermutlich bei einer Kampfhandlung oder durch einen Unfall gestorben“, sagt Bulka. Auch in dem Frauengrab finden sich Gefäße für Lebensmittel. Gut erhalten sind ebenso ein Kamm und ein Armreif. Dieser befindet sich allerdings nicht am Handgelenk, sondern liegt seitlich neben dem linken Bein. „Die Frauen trugen damals an ihren Gürteln ein Band mit Gegenständen. Bei dieser Frau waren es der Kamm und der Armreif, den sie vermutlich als ein Amulett mit sich führte“, sagt der Grabungsleiter.

Auffällig an den drei Skeletten ist, dass ihre Knie und Füße sehr eng beieinander liegen. Das lässt laut Bulka darauf schließen, dass die Leichname fest in Tücher eingewickelt und so bestattet worden waren. In unmittelbarer Nähe der schon freigelegten Grabstätte der Frau befindet sich ein weiteres Grab. Es muss ein wenig jünger sein, denn es liegt in einer etwas höheren Schicht. Die Knochen schimmern schon durch die Erdoberfläche hindurch. Auch diese sterblichen Überreste werden, wenn sie wie die anderen freigelegt worden sind, gemeinsam mit dem Beigaben ins Denkmalamt gebracht, wo sie weiter gereinigt werden. „Die Funde werden wissenschaftlich bearbeitet“, sagt Bulka. Zuvor werden von den Gräbern Fotos gemacht. Insgesamt hat der Grabungsleiter in Harheim schon 2500 Quadratmeter untersucht.

„Es gibt selten ein Gräberfeld dieser Größe, das wir erfassen können“, berichtet Andrea Hampel, die Leiterin des Denkmalamts. Zudem stammten einige Grabbeigaben aus anderen Regionen, was interessante Rückschlüsse zulasse. Schließlich habe es in Hessen in den vergangenen 40 Jahren keine Ausgrabungen mit Funden aus dem 6. bis 8. Jahrhundert nach Christus mehr gegeben. „Insofern sind die Ausgrabungen in Harheim sehr bedeutend.“

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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