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Atelier-Mangel Wohin nur mit der Kunst?

30.05.2008 ·  Viele Kreative klagen: Frankfurt hat anders als Berlin kein Herz für Künstler. Bezahlbare Ateliers muss man mit der Lupe suchen. Zieht es die Szene nun nach Offenbach?

Von Rainer Schulze
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Fünfzehn Monate hat er Frankfurt gegeben. Dann ist der Kontrabassist nach Berlin gegangen. In die Hauptstadt, wo die großen Jazz-Musiker sich die Klinke in die Hand geben, die Mieten günstig sind, jeden Abend irgendwo eine Session steigt und an Proberäumen kein Mangel herrscht. Frankfurt, so sein Urteil, sei „langweilig“, „glatt“ und „versnobt“. Für Auftritte und zum Geldverdienen komme er zwar gerne hierher. Denn in Berlin ist die Konkurrenz groß und die Gage klein. Aber hier leben? Glaubt man den Klagen vieler Frankfurter Künstler, handelt es sich bei dem ausgewanderten Jazz-Musiker nicht um einen Einzelfall.

Wird Offenbach das Kreuzberg von Frankfurt?

Während Berlin an „kreativen Orten“, die den Charme der Unfertigkeit und Unberührtheit bieten und darum für die sogenannte „kreative Klasse“ attraktiv sind, nur so überschäumt, muss man Gebäude, die von der Kunstszene zu Spielstätten, Galerien und Konzerträumen umgewandelt werden, hier mit der Lupe suchen. Der von der Heinrich-Böll-Stiftung organisierte Kongress „Rebuild this City“ geht heute und morgen im Atelierfrankfurt der Frage nach, wie die „kreative Klasse“ gehalten werden kann.

„Wir haben unsere Stadt durchsaniert. Wir sind eigentlich fertig.“ Ardi Goldman sieht ziemlich schwarz. Während in anderen Städten die Entdeckung von Szenevierteln nach dem immer gleichen Muster ablaufe – „Erst kommen die Hausbesetzer, dann die Künstler, danach die Werbeleute und schließlich die Klientel, die sich die Preise in einem entwickelten Viertel leisten kann. Dann zieht die Szene einfach um“ –, sei Frankfurt einfach zu klein für diesen Kreislauf. „Künstler brauchen Freiräume. Und die gibt es nicht mehr.“ Der Investor mit dem Herzen für „schräge Orte“ hat Fabrikgebäude wie die Union-Brauerei an der Hanauer Landstraße entwickelt. Heute finden dort Konzerte statt. Aber auch die einstige „kreative Meile“ im Osten ist inzwischen „durchsaniert“. Für emigrierende Künstler hat Goldman einen Rat: „Es gibt einen Ort für Künstler, und der heißt Offenbach.“ Leerstehende Bürohäuser oder alte Fabriken stünden dort für eine Umnutzung als Ateliers oder Wohnungen offen. Auch Oliver Langbein, Mitglied der Gruppe „Office for subversive Architecture“, glaubt, dass Offenbach das „Kreuzberg von Frankfurt“ werden könnte: „Künstler finden dort nicht zu geordnete Räume.“

In der Umgebung des „Atelierfrankfurt“, in dem neben Ateliers und Ausstellungsräumen auch die Köche der „Freitagsküche“ jeden Freitag zu vertretbaren Preisen ihre Gerichte brutzeln, sollen gleich mehrere Hochhäuser entstehen. Nebenan, an der Ecke Hohenstaufenstraße/Friedrich-Ebert-Anlage, klafft schon eine Baulücke. Noch zwei Jahre hat das Künstlerhaus, dann muss es ausziehen. Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel, bekannt für sein „Herz für Künstler“, ist auf der Suche nach einem Ausweichquartier. Aber im Bestand der Stadt sei nichts zu finden: „Was wir haben, haben wir vermietet.“ Eine alte Industriehalle? Fehlanzeige: „Wir haben viele solcher Hallen geschleift.“ Und wo es noch solche Orte gibt, ist er pessimistisch: „Sie werden wohl einem Planungsentwurf und umfangreichen Sanierungsbemühungen zum Opfer fallen.“

Zwischennutzungen als Lösung

Einige Architekten versuchen, neue Räume für die „kreative Klasse“ zu schaffen. Albert Dietz, Architekt des „Ufos“ in Fechenheim, in das der Cocoon Club eingezogen ist, glaubt, dass es möglich ist, solche Räume künstlich herzustellen. Gangel ist da skeptisch: „Diesen morbiden Charme kriegt man künstlich nicht hin.“ Er sucht nach anderen Möglichkeiten. Durch die Umwandlung von Luftschutzbunkern in Proberäume für Musiker hat die Stadt einigen Bands einen Raum zum Üben gegeben. Eine Lösung sieht Gangel vor allem in Zwischennutzungen. Das Kulturamt hatte nach Berliner Vorbild überlegt, eine Agentur zu gründen, um leerstehende Räume für Zwischennutzungen zu vermarkten. „Aber das Amt kann das nicht leisten“, sagt Amtsleiterin Carolina Romahn. Sie hofft, dass leerstehende Büros umgenutzt werden könnten. „Es gibt ja viel Leerstand, vielleicht kann mal ein Investor was zur Verfügung stellen – es muss ja nicht immer gammelig sein.“

Hans Romanov, eine Institution in der Frankfurter Partyszene, hat einige seiner „von illegal bis legalen“ und „temporären“ Clubs und Ausstellungsräume im Bahnhofsviertel gefunden, weil er die Augen offengehalten habe. Er schwört auf die Selbsthilfe: „Man muss selbst tätig werden.“ Von dem Berlin-Hype hält er übrigens nichts: „Diese riesige Alternativszene in Berlin ist doch langweilig. Neben dem Normalen etwas Anderes machen, das ist doch das Reizvolle.“

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