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Arno Lustiger wird Professor „Das KZ war meine Universität“

20.06.2007 ·  Arno Lustiger ist im Frankfurter Römer vom Land Hessen mit dem Professorentitel geehrt worden. Im Interview spricht er über seine Deportation ins KZ, Berufswünsche und den Weg zum Professor.

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Arno Lustiger ist im Frankfurter Römer vom Land Hessen mit dem Professorentitel geehrt worden. Im Interview spricht er über seine Deportation ins KZ, Berufswünsche und den Weg zum Professor.

Sie sind jetzt mit 83 Jahren Professor geworden, vor einiger Zeit haben Sie schon den Doktortitel erhalten – dies alles, ohne studiert zu haben. Wundern Sie sich manchmal über ihre späte akademische Karriere?

An den Professor bin ich schon etwas gewöhnt. Schließlich lehrte ich vier Semester lang als Gastprofessor am Fritz-Bauer-Institut an der Frankfurter Universität.

„Das KZ war meine Universität“, haben Sie einmal gesagt. Was haben Sie in Auschwitz gelernt?

Ja, das habe ich gesagt. Ich habe sehr viele unterschiedliche Menschen im KZ kennengelernt. Mich hat interessiert, woher sie gekommen sind und weshalb sie deportiert wurden. In meinem letzten Lager waren Häftlinge aus rund 20 verschiedenen Nationen. Mit so vielen wie möglich habe ich mich unterhalten und ihre Geschichten in meinem Hinterkopf gespeichert.

Sie gingen vor Ihrer Deportation auf ein jüdisches Gymnasium in Ihrer polnischen Heimatstadt Bedzin. Wie wäre Ihre Schulkarriere wohl in normalen Zeiten verlaufen?

Ich wollte Ingenieur werden. Meine Familie kam aus dem Metallgeschäft, ich war da familiär belastet. Aber ich erkannte gleich zu Beginn des Krieges, dass mein Berufswunsch eine Illusion war. Die Verfolgungsmaßnahmen setzten sofort ein, Oberschlesien samt Bedzin wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Da machte man sich wenig Hoffnung für die Zukunft.

Sie wurden um Ihre Ausbildung betrogen?

Ja. Als der Krieg anfing, war ich 15 Jahre alt und hatte drei Klassen des Gymnasiums beendet. In diesen drei Jahren habe ich dennoch sehr viel gelernt. Das Gymnasium lehrte nach dem polnischen Curriculum, ich hatte Deutsch als erste Fremdsprache, Englisch habe ich freiwillig gelernt. Darüber hinaus wurden auch jüdische Fächer unterrichtet: modernes Hebräisch zum Beispiel.

Wären Sie unter normalen Umständen Professor geworden?

Das glaube ich nicht. Dazu war ich damals zu praktisch ausgerichtet.

Nach Ende ihres aktiven Berufslebens in der Bekleidungsbranche sind Sie Historiker geworden. War der Wechsel schwierig?

In gewisser Weise schon, ich hatte schließlich nicht studiert. Aber ich kannte den Forschungsstand der damaligen Zeit, denn ich hatte mich schon seit langem mit dem Holocaust und auch mit dem jüdischen Widerstand beschäftigt. Zum Widerstand gab es wenig Gedrucktes. Da wusste ich mehr, als in den Büchern und Aufsätzen stand.

Welche Themen warten noch auf Sie, welche Bücher und Aufsätze sind noch ungeschrieben?

Ob es noch zu einem weiteren Buch kommen wird, weiß ich nicht. Aber ich schreibe ja viele Aufsätze. Vielleicht ergeben diese Texte wieder ein neues Buch.

Die Fragen stellte Hans Riebsamen.

Quelle: F.A.Z.
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