31.07.2007 · Im Frankfurter Westen wird ein 185-Meter-Turm gebaut werden. Hauptmieter in dem geplanten Gebäudes an der Friedrich-Ebert-Anlage soll die hiesige Niederlassung von Pricewaterhouse Coopers werden.
Von Matthias AlexanderIm Frankfurter Westen wird ein 185-Meter-Turm gebaut werden. Nach Informationen dieser Zeitung wird die hiesige Niederlassung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) große Teile des geplanten Gebäudes an der Friedrich-Ebert-Anlage nahe dem Messeturm beziehen. Der Mietvertrag mit dem Grundstückseigentümer Vivico sei schon unterzeichnet, heißt es in Maklerkreisen. Weder Vivico noch PwC wollten gestern auf Anfrage zu dem Neubauprojekt namens „T 185“ Stellung nehmen. Die Mitarbeiter von PwC sollen aber schon über den bevorstehenden Umzug in Kenntnis gesetzt worden sein.
Die Vivico wird dem Vernehmen nach auch als Projektentwickler tätig werden. Wie weiter zu hören ist, soll das Gebäude nach der Fertigstellung im Bestand des Unternehmens bleiben. In Maklerkreisen wird darauf hingewiesen, dass die Vivico für PwC schon die Niederlassung in Köln errichtet habe. Auch dort ist sie Eigentümerin der Liegenschaft, des „Rhein-Atriums“.
Der Bebauungsplan sieht für das Grundstück einen Turm mit 75.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und ein Sockelgebäude mit 35.000 Quadratmetern vor. Die Wirtschaftsprüfer würden den kompletten Sockel und zusätzlich rund 30 000 Quadratmeter im Turm beziehen, so ist zu hören. Makler zeigten sich vom Flächenbedarf des Unternehmens überrascht. „Offenbar hegt die Niederlassung Expansionspläne“, äußerte ein Berater.
Baubeginn spätestens Ende 2008
Derzeit ist die PwC-Niederlassung mit ihren 2500 Mitarbeitern an zwei Standorten im Mertonviertel untergebracht. Der erste Mietvertrag läuft Ende 2010 aus. Das neue Hochhaus müsste etwa zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt sein. Termin für den Baubeginn wäre demnach spätestens Ende 2008. Das ist nach Ansicht von Kennern der Baubranche zu schaffen, zumal der Mietvertrag mit PwC nicht ohne eine gewisse Vorplanung abgeschlossen worden sein dürfte. Unterstellt man, dass die Planungen bis Frühjahr 2008 abgeschlossen werden, wäre genug Zeit für eine Prüfung des Bauantrags durch die Bauaufsicht. Bei Hochhäusern beträgt die Prüfungsdauer rund ein halbes Jahr. Nicht in Erfahrung zu bringen war gestern, ob es schon einen detaillierten Plan eines Architekten gibt.
In Maklerkreisen heißt es, PwC sei durch den Umzug der beiden wichtigsten Konkurrenten unter Zugzwang geraten. Ernst & Young ist vor einem guten Jahr in einen Neubau in Eschborn gezogen, KPMG wird im spektakulären Airrail Center über dem Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen residieren. Da die Unternehmen dieser Branche in einem harten Wettbewerb um gute Nachwuchskräfte stünden, müssten sie auch mit „weichen Kriterien“ für sich werben, sagen Branchenkenner. Der Standort spiele dabei eine wichtige Rolle. Für das Areal an der Friedrich-Ebert-Anlage lassen sich vor allem die Nähe zur Innenstadt und die exzellente Anbindung an das U- und Straßenbahnnetz anführen.
Einst Standort der Direktion der Bundesbahn
Das Projekt „T 185“ hatte fast niemand auf der Rechnung. Zwar hatte die Deutsche Bahn zeitweise erwogen, das Hochhaus für ihre Zentrale zu nutzen. Erste Planungen wurden jedoch nicht weiterverfolgt. Auf dem Areal befand sich einst die Direktion der Bundesbahn, das Gebäude war erst vor einigen Monaten abgerissen worden. Genau diese Vorgeschichte soll den Ausschlag dafür gegeben haben, dass die Bahn nicht an die Friedrich-Ebert-Anlage zieht. Man wolle nicht an die alte Tradition des Staatsunternehmens anknüpfen, die durch den geplanten Börsengang beendet werden solle. Stattdessen wird in der Bahn nun die Erweiterung der Konzernzentrale nahe der Emser Brücke im Gallusviertel vorangetrieben.
In der Branche war vermutet worden, dass die Vivico das „T 185“ eher als Reservestandort betrachte und zunächst die Bürofläche im geplanten Urban Entertainment Center (UEC) vermarkten würde, mit dessen Bau im nächsten Jahr begonnen werden soll. Dort sind die Planungen für einen 200 Meter hohen Büroturm namens „Tower 1“ schon weit gediehen. Offenbar war PwC jedoch daran gelegen, eine eigenständige Immobilie mit einem prominent gelegenen Haupteingang zu beziehen. Das ist mit dem neuen Turm, der zwischen Matthäuskirche und den Hochhauszwillingen Kastor und Pollux stehen wird, gegeben.
Teure Nachbarschaftsvereinbarungen mit der Kirche und den Eigentümern des Hochhaus-Duos sind dem Vernehmen nach nicht mehr zu treffen. Die von der Bauordnung vorgeschriebenen Abstände seien eingehalten worden, heißt es. In Nachbarschaftsvereinbarungen werden Ansprüche geregelt, die Anlieger beispielsweise aus der Verschattung ihres Grundstücks ableiten können. Im Fall von Hochhäusern werden oft Millionenbeträge fällig.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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