Home
http://www.faz.net/-gzh-u9sn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Architektur Mehr als ein Dutzend neuer Hochhaus-Standorte

13.03.2007 ·  Auf den neuen Frankfurter Hochhausrahmenplan ist schon mit Spannung gewartet worden - der Plan legt fest, welche Türme gebaut werden dürfen. So soll auf der Molenspitze am Osthafen ein Hotel errichtet werden.

Von Matthias Alexander
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Mit wachsender Ungeduld haben Vertreter der Immobilienwirtschaft auf den neuen Frankfurter Hochhausrahmenplan gewartet – jetzt ist er nach Informationen der F.A.Z. vom Planungsdezernat einem kleinen Kreis von Stadtverordneten zugestellt worden. Mehr als zwei Dutzend neuer Standorte schlägt Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) in dem streng vertraulichen Entwurf vor.

Das zugrunde liegende Konzept stammt vom Stadtplaner Jochem Jourdan, der es mit Experten des Stadtplanungsamts überarbeitet hat. Jetzt sollen die Vorschläge dem Vernehmen nach in den Fraktionen von CDU und Grünen beraten werden. Es wird erwartet, dass die Koalitionäre danach mit einem gemeinsamen Antrag an die Öffentlichkeit treten.

Zwei Hochhäuser an der Stiftstraße

Neun neue Standorte, die im noch gültigen Rahmenplan von 1999 nicht aufgeführt waren, sind in den vergangenen Jahren schon politisch abgesichert worden. Aber auch etliche der ganz neu aufzunehmenden Standorte sind in der Immobilienbranche hoch gewettet worden, ihre Berücksichtigung ist keine Überraschung. Das gilt für den Turm, der auf dem Post-Areal am nördlichen Ausgang des Hafentunnels entstehen soll.

Nicht auf der Rechnung stand der Vorschlag, auf der Molenspitze am Osthafen einen Turm zu errichten. Dort, in der Nähe des künftigen Standorts der Europäischen Zentralbank auf dem Großmarkthallenareal, soll nach den Vorstellungen von Schwarz ein Hotel entstehen. Es wäre über die geplante Verlängerung der Honsell-Brücke über den Main ideal an das Verkehrsnetz angebunden und könnte einen spektakulären Blickpunkt bilden.

Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich Wohntürme in der Innenstadt wünsche, um eine zahlungskräftige Klientel anzulocken. Die Zahl geeigneter Grundstücke ist jedoch begrenzt. Wie zu hören ist, sollen an der Stiftstraße zwei Hochhäuser mit Apartments entstehen. Ganz in der Nähe steht das 70 Meter hohe „Skylight“, gemeinsam mit dem Eurotheum ein Pionierbau für diese Gebäudeklasse.

„Campanile“ wieder auf der Agenda

Ein weiterer Wohnturm ist für das Degussa-Areal am Untermainkai geplant. Weil dieser zusammen mit dem erst vor kurzem sanierten Turm der Schweizer National eine Torsituation zur Innenstadt bilden soll, darf der Neubau – so ist zu hören – auch nur wenig höher ausfallen als der denkmalgeschützte Klassiker. Über die zulässige Höhe der meisten neuen Türme war zunächst nichts Näheres in Erfahrung zu bringen. Als sicher kann aber gelten, dass sie mindestens 80 Meter hoch werden.

Als mutig wird im Römer gewertet, dass Schwarz den „Campanile“ wieder auf die Agenda gesetzt hat. Um dieses Hochhaus, das auf einem derzeit als Parkplatz genutzten Areal südlich des Hauptbahnhofs entstehen soll, hatte es Ende der achtziger Jahre ein großes politisches Tauziehen gegeben. Gerade die Grünen hatten sich damals entschieden gegen jenen Bau gewandt, der schließlich am Widerspruch einer Nachbarin gescheitert war.

Den Standort halten Fachleuten für optimal, da er mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erschlossen sei und sein Schatten vor allem auf das Dach des Bahnhofs falle. Dabei kommt Schwarz potentiellen Kritikern entgegen. Der Turm, der ursprünglich mehr als 200 Meter hoch werden sollte, könnte jetzt deutlich schlanker und niedriger ausfallen. Indem er an das nördliche Ende des Areals gerückt wird, sollen die Bedenken der Nachbarn im Süden zerstreut werden.

Neuer Turm im Bankenviertel

Seit längerem umstritten ist der Wunsch der Allianz, auf ihrem Gelände an der Taunusanlage ein Hochhaus zu errichten. Der Vorstand des Versicherungskonzerns war immer wieder bei der Stadt vorstellig geworden, die sich aber reserviert zeigte, weil sie eine Verschattung des Opernplatzes befürchtete. Im Hochhausrahmenplan von 1999 wurde das Projekt deshalb noch zurückgestellt. Nach dem neuen Entwurf soll ein Turm genehmigt werden, der den Opernplatz nicht verschatten würde. Mithin dürfte die Allianz, die nach dem Vorbild des benachbarten Opernturms auf 170 Meter Höhe gehofft hatte, allenfalls 90 Meter hoch bauen. Wie zu hören ist, sehen die Pläne des Unternehmens zumindest zum Teil Apartments vor.

Die Planungen für das Areal des AfE-Turms der Universität, der abgerissen werden soll, sind offenbar konkretisiert worden. Dort sind zwei Bürotürme und zwei niedrigere Wohntürme geplant. Noch Zukunftsmusik sind jene beiden Türme, die am Ratswegkreisel vorgesehen sind. Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel hatte diese beiden städtischen Grundstücke ins Spiel gebracht. Doch auf absehbare Zeit ist keine Nachfrage nach diesen Flächen zu erkennen. Eher dürfte dieser Vorschlag von den Nachbarn in Offenbach, die am Kaiserleikreisel ähnliche Pläne hegen, als unfreundliche Geste verstanden werden.

Auch die vier Hochhäuser, die im westlichen Europaviertel entstehen könnten, werden wohl nicht so bald gebaut werden. Sie sollen jeweils zu zweien an den beiden Enden des geplanten Europagartens eine Portalsituation schaffen. Für das Bankenviertel, wo ohnehin noch etliche genehmigte Bürohochhäuser der Realisierung harren, ist nur ein neuer Turm geplant – auf der Marieninsel an der Ecke von Taunusanlage und Mainzer Landstraße.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr