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Architektur Jüdisches Museum will Anbau

14.12.2007 ·  Das Jüdische Museum Frankfurt möchte sich zu einem in Deutschland einzigartigen Zentrum für jüdische Geschichte ausweiten und fordert dafür einen Anbau für seinen Hauptsitz, das Rothschild-Palais am Untermainkai.

Von Hans Riebsamen
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Das Jüdische Museum Frankfurt möchte sich zu einem in Deutschland einzigartigen Zentrum für jüdische Geschichte ausweiten und fordert dafür einen Anbau für seinen Hauptsitz, das Rothschild-Palais am Untermainkai. Dort soll nach den Vorstellungen von Salomon Korn, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, auch das bisher für einen Standort in und neben der alten Großmarkthalle im Ostend vorgesehene Informationszentrum zur Deportation der Frankfurter Juden unterkommen.

Korn, der Mitglied des Preisgerichts ist, das über die Gestaltung einer Erinnerungsstätte im Ostend befindet, hat jetzt gegenüber der F.A.Z. vorgeschlagen, am künftigen Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) lediglich eine Gedenkstätte einzurichten. Detaillierte Informationen über den Abtransport von etwa 12.000 Frankfurter Juden in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager sollen dagegen in einer eigenen Abteilung im Jüdischen Museum geboten werden, wofür dieses aber einen Erweiterungsbau benötigen würde.

Anbau soll hinter dem Museum errichtet werden

Die Deportationen haben ihren Ausgang größtenteils in der Großmarkthalle genommen. Dort mussten sich die jüdischen Bürger versammeln, von dort fuhren die Züge ab. Deshalb haben sich vor geraumer Zeit Stadt, Jüdische Gemeinde und EZB darauf geeinigt, die Erinnerung an die damaligen Verbrechen an diesem Ort zu bewahren und eine Gedenkstätte einzurichten. Die Vorbereitung eines Gestaltungswettbewerbs ist Korn zufolge fast abgeschlossen, im Frühjahr soll er ausgeschrieben werden.

Einbezogen werden in den Wettbewerb soll der Keller im östlichen Teil der Großmarkthalle, in dem die Juden vor ihrem Abtransport warten mussten, einschließlich einer Rampe zu den Eisenbahngleisen. Diese Teile befinden sich innerhalb des EZB-Geländes. Teil des Gestaltungswettbewerbs sollen außerdem ein Stellwerk außerhalb des EZB-Geländes und ein schmaler Grundstücksstreifen entlang der östlichen Grenze des EZB-Grundstücks sein.

Die Vorstellungen Korns von einem Informationszentrum im Jüdischen Museum am Untermainkai treffen sich mit den Plänen von Museumsleiter Raphael Gross. Dieser strebt die Ausweitung seiner auf 240 Quadratmeter reduzierten Flächen für Wechselausstellungen im Erdgeschoss des Rothschild-Palais an und erhofft sich über einen Anbau 600 Quadratmeter zusätzlich. Dieser Anbau soll hinter dem Museum auf einer Grünfläche zwischen Theater und Rothschildpalais errichtet werden.

Dauerpräsentation und Deportations-Ausstellung

Das Gelände gehört der Stadt Frankfurt, die auch Trägerin des Museums ist. Es ist groß genug, um ein Gebäude in gleicher Höhe und von ähnlich großer Fläche wie das bestehende Museum aufzunehmen. Im alten Rothschild-Palais würde nach den Vorstellungen von Gross die Dauerausstellung des Museums unterkommen, die Räume im Neubau sollten für Dauerpräsentationen und für die Deportations-Ausstellung zur Verfügung stehen.

Gross, der in Personalunion Museumsleiter und Direktor des Fritz-Bauer-Instituts ist, möchte eine enge Verbindung zwischen Museum und Institut schaffen und zumindest dessen pädagogische Abteilung im Museum unterbringen. Er hat die Unterstützung von Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) für seine Pläne zur Restrukturierung des Fritz-Bauer-Instituts. Inwieweit Corts' Nachfolger im Ministeramt nach der Landtagswahl diese Politik weiterverfolgt, muss sich herausstellen. Auf jeden Fall möchte Gross mit der Landesregierung darüber sprechen, ob sich Hessen an einem Erweiterungsbau des Museums beteiligen würde. Zu den Kosten eines solchen Anbau-Projekts liegen allerdings noch keine seriösen Schätzungen vor.

Der Zeitpunkt für eine Erweiterung des Jüdischen Museums ist nach Gross' Ansicht jetzt genau richtig. Man könne mit dem Anbau nicht nur eine sinnvolle Lösung für das geplante Informationszentrum Deportation erreichen, sondern auch für die verabredete Verbindung des Museums und des Fritz-Bauer-Instituts. Ein Kooperationsvertrag zwischen diesen beiden Einrichtungen wird am Montag unterzeichnet.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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