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Antisemitismus in Frankfurt „Ich fühle mich nicht bedroht“

10.09.2007 ·  Dieter Graumann, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, warnt nach der Messerattacke auf einen Rabbiner vor Panik. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“. Im Interview äußert er sich zum Antisemitismus und zum Leben in Frankfurt.

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Dieter Graumann, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, warnt nach der Messerattacke auf einen Rabbiner vor Panik. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“. Im Interview äußert er sich zum Antisemitismus und zum Leben in Frankfurt.

Haben Sie nach der Messerattacke auf den chassidischen Rabbiner Zalman Gurevitch Angst, wenn Sie durch Frankfurts Straßen laufen?

Überhaupt nicht. Ich fühle mich nicht bedroht. Wir müssen den Vorfall ernst nehmen, aber es gibt keinen Anlass für Panik. Vor allen Dingen lassen wir Frankfurter Juden uns nicht einschüchtern. Wenn die Judenhasser darauf spekulieren, müssen sie lange warten.

Sind Juden in der Stadt häufig antisemitischen Beschimpfungen ausgesetzt?

Hin und wieder mag es zu verbalen Attacken kommen. Doch Alltag ist das nicht. Frankfurt ist und bleibt eine offene und liberale Stadt, in der sich auch wir Juden wohl fühlen. Daran ändert auch dieser schreckliche Vorfall nichts.

Verbal angegriffen werden immer wieder Spieler der Makkabi-Fußballmannschaften. Was bekommen die Jugendlichen zu hören?

Die schlimmen antisemitischen Kraftausdrücke: von „Scheißjude“ bis zu „Man hat vergessen, euch zu vergasen“. Diese Beschimpfungen sind nicht die Regel, aber sie geschehen viel zu häufig.

Ist es richtig, dass sich hier vor allem muslimische Jugendliche hervortun?

Die allermeisten muslimischen Jugendlichen sind absolut in Ordnung: friedfertig und zuverlässig. Aber wahr ist, dass solche antisemitische Anwürfe nicht gerade selten von muslimischen Jugendlichen kommen.

Reagiert der Deutsche Fußball-Bund?

Geradezu vorbildlich. An der Spitze des DFB steht mit Theo Zwanziger ein Mann, dem die Bekämpfung des Rassismus anders als seinem Vorgänger eine Herzensangelegenheit ist. Und das spürt man auch.

Sind Ihnen antisemitische Vorfälle an Frankfurter Schulen zu Ohren gekommen?

Ganz gelegentlich einmal. Aber solche Vorfälle sind für Frankfurt nicht typisch. Deshalb sollte man das Thema auch nicht hochkochen.

Woher kommt der Hass einiger muslimischer Jugendlicher auf Juden?

Er wird befördert durch islamistischen Fanatismus. Es gibt viele Wege, Jugendliche zu beeinflussen – im Guten wie im Schlechten. In Deutschland wirken immer noch viel zu viele islamistische Hassprediger. Außerdem gibt es im Ausland Hass-Sender, die in Deutschland zu empfangen sind.

Tun die muslimischen Verbände genug dagegen?

Nein. Sie mögen sich vielleicht bemühen, aber sie müssen einfach mehr tun. Wir müssen sie viel mehr in die politische Haftung nehmen. Dazu reicht es nicht aus, dass die Funktionäre dieser Verbände freundliches Fernsehlächeln zeigen, sie müssen viel aktiver werden und Fanatismus und Gewaltbereitschaft in den eigenen Reihen bekämpfen. Das mag für sie unangenehm sein, aber aus dieser Pflicht können und dürfen wir sie nicht entlassen.

Bieten die Jüdische Gemeinde und der Zentralrat das Gespräch an?

Selbstverständlich. Der Zentralrat hat einen Kontakt mit den muslimischen Verbänden geknüpft. Es hat schon Gespräche gegeben. Aber die Grundvoraussetzung für einen Dialog ist der Verzicht auf Hass und Gewalt.

Die Fragen stellte Hans Riebsamen.

Quelle: F.A.Z.
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