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Anna-Schmidt-Schule : Eklat am Tag der offenen Tür

Im Zeichen der Eule: Das Symbol der Weisheit ziert das Gebäude der Anna-Schmidt-Schule am Gärtnerweg Bild: F.A.Z. - Felix Seuffert

Die private Anna-Schmidt-Schule hat ihren Schulleiter aus offenbar zweifelhaften Gründen entlassen. Eltern und Schüler protestieren gegen die Entscheidung. Der Verwaltungsrat steht in der Kritik.

          Ein Tag der offenen Tür ist eigentlich ein Anlass, bei dem sich eine Schule von ihrer besten Seite präsentiert. Erst recht, wenn es sich um eine Einrichtung wie die Anna-Schmidt-Schule handelt. Mehr noch als ein öffentliches Gymnasium muss die Privatschule auf ein gutes Verhältnis zu den Eltern bedacht sein. Schließlich zahlen sie für die bestmögliche Bildung ihrer Kinder ein nicht unbeträchtliches Schulgeld. Das Bild, das die Schule am vergangenen Samstag vermittelte, ist aber nicht dazu angetan, Vertrauen zu erwecken. Besucher des Tages der offenen Tür berichten, dass Verantwortliche der Schule auf Schüler und Eltern in einer Weise eingewirkt hätten, die als „Einschüchterung“ und „Hetze“ empfunden worden sei.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auslöser des Konflikts ist die fristlose Entlassung von Schulleiter Michael Gehrig. In einem Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt, rechtfertigt der Verwaltungsrat der Schule die Entscheidung mit einem „nicht ordnungsgemäßen Umgang mit Zuwendungen Dritter, der zwischenzeitlich zum Gegenstand einer staatsanwaltlichen Überprüfung geworden ist“.

          Schüler: „Wir wollen Herrn Gehrig wiederhaben“

          Bei den „Zuwendungen Dritter“ handelt es sich offenbar um Zuschüsse der Stiftung Polytechnische Gesellschaft für einen Schüleraustausch der Anna-Schmidt-Schule mit der chinesischen Partnerstadt Guangzhou. Die Stiftung bestätigte auf Anfrage, dass Claudia Müller-Eising, die dem Verwaltungsrat der Schule angehört, die Polytechniker auf angebliche Unregelmäßigkeiten in der Schulleitung hingewiesen habe. Deswegen habe die Stiftung die ihr vorliegenden Unterlagen abermals daraufhin geprüft, ob die von der Anna-Schmidt-Schule beantragten Mittel ordnungsgemäß abgerufen worden seien. „Hinweise auf eine Mittelfehlverwendung seitens der Anna-Schmidt Schule ergeben sich nach Aktenlage nicht“, teilte die Stiftung mit. Abschließend könne dies jedoch erst geprüft werden, wenn die Schule die Nachweise für den Einsatz des Geldes vorgelegt habe. Dies müsse den Vereinbarungen zufolge bis November geschehen sein.

          Als die Entlassung Gehrigs Ende vergangener Woche an der Schule bekannt wurde, reagierten viele Schüler mit Bestürzung. Sie wollten ihre Solidarität mit dem langjährigen Schulleiter bekunden, der auch als Lehrer offenbar ein hohes Ansehen genießt. Deshalb bereiteten sie für den Tag der offenen Tür unter dem Motto „Wir wollen Herrn Gehrig wiederhaben“ Plakate und Flugzettel vor. Als sie diese am Samstag verteilen wollten, sind sie nach Darstellung von Besuchern daran gehindert und mit Konsequenzen bedroht worden, die bis zum Schulausschluss reichten.

          Eine Mutter, deren Tochter das zur Schule gehörende Kinderhaus besucht, berichtet, dass wegen der Flugblattaktion eilends eine Versammlung in der Turnhalle einberufen worden sei. Dort hätten Mitglieder des Verwaltungsrats und der Schulleitung vor den Besuchern über angebliche Verfehlungen des gekündigten Schulleiters gesprochen. Sie habe dies als „Hetzkampagne“ gegen Gehrig, als „schulschädigend“ und „peinlich“ empfunden. Ein Vater, dessen Kind in die 13. Klasse des Gymnasiums geht, sagte, dass sachliche Fragen an den Verwaltungsrat mit Beschimpfungen beantwortet worden seien. Ein Mitglied der Schulleitung habe einer Mutter mit der Faust gedroht.

          Verwaltungsrat lehnt Stellungnahme ab

          Joachim Hartle gehört zu der offenkundig großen Zahl von Müttern und Vätern, die Gehrig zur Rückkehr an die Schule verhelfen wollen. Seine Tochter besucht einen Englisch-Leistungskurs, den der Schulleiter unterrichtet hatte. Er beklagt, dass den Schülern, die kurz vor dem Abitur stünden, der Lehrer weggenommen worden sei. Der Verwaltungsrat sei nicht berechtigt, einen Direktor zu entlassen, ohne den Schulverein zu informieren und dessen Zustimmung einzuholen. In einem Brief an den Verwaltungsrat verlangt er, dass die Gründe der Kündigung dargelegt werden. Außerdem will er eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Schulvereins einberufen. Zu den Punkten auf der Tagesordnung soll auch die Abwahl sämtlicher Verwaltungsratsmitglieder und deren Neuwahl stehen.

          Für Roland Tichy wäre dies die einzig richtige Konsequenz aus den Vorgängen. Sein Sohn besucht die vierte Klasse der Grundschule, die neben dem Gymnasium, einer weiteren Grundschule und dem Kinderhaus zur Anna-Schmidt-Schule gehört. Er sieht in dem Verwaltungsrat eine „Clique von Leuten, die die Schule gekapert hat“. Anders als nach außen dargestellt, stünden nicht nur Schüler und Eltern, sondern auch viele Lehrer hinter dem entlassenen Schulleiter. Angesichts des vergleichsweise geringen Betrages, um den es gehe, und der erheblichen Zweifel, ob die Verwendung überhaupt unsachgemäß gewesen sei, hält Tichy das Vorgehen des Verwaltungsrats für „völlig überzogen“. Gehrig, der sich sehr um die Schule verdient gemacht habe, werde „systematisch verleumdet“.

          Der Verwaltungsrat lehnte eine Stellungnahme bislang ab. In dem Brief an die Eltern bitten die Mitglieder um Verständnis, „dass wir auf Einzelheiten zu diesem Zeitpunkt nicht eingehen können“. Schule und Unterricht würden durch die Vorgänge nicht beeinträchtigt.

          Die Anna-Schmidt-Schule: Verein, Verwaltungsrat, Vorstand

          An ihren Standorten im Westend und in Nieder-Erlenbach unterhält die private Anna-Schmidt-Schule ein Gymnasium, ein Kinderhaus und zwei Grundschulen. Träger ist der Schulverein, der aus den Eltern der Schüler besteht. Mit der Aufnahme ihrer Kinder treten sie zugleich als Mitglieder in den Verein ein. Das Schulgeld wird als Vereinsbeitrag erhoben. Die Mitgliederversammlung wählt den Verwaltungsrat. Er besteht aus sechs Mitgliedern, die kontrollieren sollen, ob die Schule ihren satzungsgemäßen Aufgaben - der Unterhaltung allgemeinbildender Schulen - nachkommt.

          Zur Wahrnehmung dieser Aufgaben, der Geschäftsführung im engeren Sinne, bestellt der Verwaltungsrat einen ehrenamtlichen Vorstand. Laut Satzung besteht dieser Vorstand aus dem Schuldirektor und dem Verwaltungsdirektor. Zu Beginn dieses Schuljahres hatte der Verwaltungsrat dem Schuldirektor Michael Gehrig und dem Verwaltungsdirektor Marco Steinführer jedoch zwei weitere Direktoren zur Seite gestellt. Petra König wurde als „Direktorin Pädagogik“ und Gerit UImke als „Personaldirektor“ eingesetzt. Um die neuen Direktorenposten als Vorstände in der Satzung zu verankern, wollte der Verwaltungsrat den Mitgliedern des Schulvereins eine Satzungsänderung vorschlagen.

          Quelle: F.A.Z.

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