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Altstadtdebatte Frankfurt plant Gründung einer Altstadt-Gesellschaft

19.11.2007 ·  Um die Neugestaltung der Frankfurter Altstadt ist es still geworden, wie es scheint. Doch die Planung schreitet voran. Zunächst muss noch geklärt werden, wer die Projektsteuerung übernehmen soll.

Von Matthias Alexander
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Still ist es geworden in der Frankfurter Altstadtdebatte. Die Opposition wittert eine Verzögerungstaktik der schwarz-grünen Koalition. „Vor der Landtagswahl werden wir in der Sache nichts Neues mehr hören“, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling. „Und das, obwohl seit fast drei Jahren über die Bebauung des Areals zwischen Dom und Römer diskutiert wird.“ Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) widerspricht: Juristen, Stadtplaner und Bauingenieure seien derzeit tätig, um die komplizierten Grundlagen für das weitere Vorgehen zu klären. Erste Ergebnisse würden demnächst präsentiert.

Besonders heikel ist die Frage, wie die Stadt die Kontrolle über die Entwicklung des Areals wahren kann. Nach dem Willen des Magistrats sollen die OFB Projektentwicklung – eine Tochter der Helaba – und der städtische Wohnungskonzern ABG Holding die Projektsteuerung übernehmen. Allerdings ist eine Direktvergabe des Auftrags rechtlich nicht zulässig.

Tiefgarage Römer wird nicht abgerissen

Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs und des Oberlandesgerichts Düsseldorf haben den Kommunen vor kurzem vor Augen geführt, dass sie zu einer europaweiten Ausschreibung eines Projekts dieser Größenordnung verpflichtet sind. Das gilt zumindest dann, wenn mit dem Projekt bestimmte Vorgaben zu Gestaltung und Nutzung verbunden sind. Auf die neue Altstadt, für die eine Gestaltungssatzung, die Rekonstruktion bestimmter Häuser samt Nutzung sowie ein Quartiersmanagement vorgegeben werden sollen, trifft das fast überdeutlich zu.

Die Stadt glaubt offenbar, einen Ausweg gefunden zu haben. Dem Vernehmen nach wird das Beteiligungsreferat demnächst eine Grundstücksgesellschaft gründen, die zu hundert Prozent der Stadt gehört. Nachdem alle Regelungen zur Bebauung des Grundstücks getroffen sind, könnte diese Gesellschaft dann an die gewünschten Partner veräußert werden. Über die Frage, wie wasserdicht dieses Vorgehen wäre, herrscht in Juristenkreisen keine Einigkeit. Denn die Stadt darf laut Hessischer Gemeindeordnung nur dann eine solche Gesellschaft gründen, wenn kein Privater die Aufgabe übernehmen kann. Auf die Erwartung zu bauen, dass Dritte auf eine Klage verzichten, weil der Auftrag mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Zuschussgeschäft werden wird, gilt als riskant.

Wie Schwarz auf Anfrage äußerte, muss die Tiefgarage Römer nicht abgerissen und neu gebaut werden. Das habe die statische Untersuchung ergeben, mit der das Ingenieurbüros BGS beauftragt war. Ein Umbau der alten Garage, die während der Bauzeit beschwert werden müsse, um den Auftrieb des Grundwassers auszugleichen, sei demnach deutlich günstiger. Schwarz kündigte außerdem an, demnächst eine Vorlage ausarbeiten zu lassen, in der die Modalitäten für Zusammensetzung und Kompetenzen des Gestaltungsbeirats geklärt würden. Dieser Beirat soll nach dem Willen der Stadtverordneten maßgeblich an den Entscheidungen zu den Entwürfen beteiligt werden, die die Bauherren für die rund 30 Altstadtparzellen vorzulegen haben.

Wenige originale Bauteile gefunden

Die Hoffnung, bei der Neubebauung des Dom-Römer-Areals auf viele originale Bauteile – sogenannte Spolien – zurückgreifen zu können, hat sich erwartungsgemäß zerschlagen. Der Architekt und Stadtplaner Dietrich-Wilhelm Dreysse, der von der Stadt mit einer systematischen Erhebung der zumeist im Historischen Museum aufbewahrten Relikte der Altstadt beauftragt worden war, hat zwar statt der 150 erwarteten Spolien immerhin 300 aufgespürt. Doch nur 20 bis 30 Teile aus Stein, Holz oder Metall stammten aus dem Teil der Altstadt, von deren Wiedergewinnung jetzt gesprochen wird. Dreysse, der eine erste Übersicht heute dem Dom-Römer-Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung präsentieren wird, plädiert dafür, bei dem Projekt auch „ortsfremde“ Spolien zu verwenden, sofern sie stilistisch passten.

Im Römer wird derweil darüber spekuliert, wann mit der Bebauung des Areals begonnen werden könne. Da mit dem Umbau des alten Stadtwerke-Gebäudes an der Kurt-Schumacher-Straße mittlerweile begonnen wurde, könnten die Ämter des Technischen Rathauses im Frühjahr 2009 in ihr neues Quartier umziehen. Für den Abriss des Technischen Rathauses sind mindestens acht Monate zu veranschlagen. Mit den Neubauarbeiten wird also frühestens 2010 begonnen werden können. Die Frage ist nur, ob dann schon die nötigen Materialien zur Verfügung stehen. Das Holz, das etwa zur Rekonstruktion der „Roten Hauses“ benötigt wird, muss zuvor mindestens drei Jahre lang getrocknet worden sein. Bis das Holz beschafft werden kann, muss aber die Frage geklärt sein, wer nun als Bauherr auftritt. Dass das noch 2008 geschieht, ist mit Blick auf das bisherige Tempo unwahrscheinlich. Der Zeitplan ist also kaum zu halten.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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