Home
http://www.faz.net/-gzh-sj1f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Altstadt Konzept zur Altstadtbebauung bis Weihnachten

27.06.2006 ·  Frankfurts Politiker diskutieren verhalten über die Neugestaltung der Altstadt. Auch wenn der Dom-Römer-Ausschuß seine Arbeit wieder aufnimmt, läßt die Stadt sich Zeit mit dem Rückkauf des Technischen Rathauses.

Von Matthias Alexander
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Es war das heiße stadtpolitische Thema des vergangenen Herbstes, jetzt redet fast niemand mehr in Frankfurt über die künftige Bebauung des Altstadtareals zwischen Dom und Römer. Wolfgang Hübner von den Freien Wählern (BFF), der sich und seine Gruppierung mit dem Vorschlag für eine möglichst umfassende Rekonstruktion der Fachwerkbebauung geschickt ins Gespräch gebracht hatte, fühlt sich in seinen Befürchtungen bestätigt. Die etablierten Parteien würden sich bis zur Kommunalwahl vordergründig intensiv mit dem Thema beschäftigen, um es anschließend auf die lange Bank zu schieben, hatte er vorausgesagt. Die CDU habe tatsächlich Wählertäuschung betrieben, meint Hübner jetzt.

Die CDU will diesen Vorwurf nicht auf sich sitzenlassen und verweist darauf, daß am 7. Juli der Sonderausschuß, der sich mit dem Grundstück beschäftigt, wieder tagen wird. Und im Planungsdezernat weist man auf die Untersuchungen hin, die seit dem Winter angestellt worden seien. Mitarbeiter des Stadtplanungsamts ermitteln, von welchen Fachwerkhäusern noch Pläne vorhanden sind, die eine Rekonstruktion ermöglichen könnten. Auch die Überlieferung von Gebäuderesten, den sogenannten Spolien, wird geprüft. Zudem haben sich die Stadtplaner darum bemüht, den exakten Standort der einzelnen Häuser zu verifizieren. Die historischen Stadtpläne waren teilweise widersprüchlich.

Stadtgrundriß originalgetreu wiederherstellen

Die Ergebnisse werden voraussichtlich nach der Sommerpause präsentiert. Von ihnen sind neue Impulse für die Diskussion um die Altstadtbebauung zu erwarten, die sich zuletzt im Kreis gedreht hatte. Dabei hatte sich ein Grundkonsens herausgebildet, wonach der historische Stadtgrundriß möglichst original wiederhergestellt werden sollte. Die Bebauung sollte kleinteilig geraten, einzelne bedeutende Fachwerkhäuser wie die „Goldene Waage“ sollten rekonstruiert und für die Neubauten eine Gestaltungssatzung erlassen werden.

Jochem Heumann, planungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, rechnet damit, daß bis Weihnachten grundsätzlich beschlossen sein werde, welche Häuser rekonstruiert würden und in welcher Form der Archäologische Garten überbaut werde. Auch die Frage, ob ein Hotel auf das Areal gehöre, will Heumann geklärt wissen. Er will im Ausschuß auch das Ergebnis des Workshops debattieren, in dem Mitglieder des Bunds Deutscher Architekten vor einigen Wochen Vorschläge für eine Bebauung des Areals erarbeitet hatten. Die Vorschläge hätten gezeigt, daß eine kleinteilige Bebauung möglich sei.

Voraussichtlich im Herbst wird die von den Grünen durchgesetzte „Planungswerkstatt“ stattfinden. Bürger sollen dabei an der Entscheidungsfindung für das Areal beteiligt werden, ein externer Moderator soll zwischen den Positionen vermitteln. Weitere Details über Arbeitsweise und Kompetenzen der Werkstatt stehen noch nicht fest, die Grünen warten auf einen Vorschlag des Planungsamts.

Vorbehalte gegen das teure Geschäft

Die Idee der Planungswerkstatt, der kurz vor der Wahl auch von CDU, SPD und FDP mehr oder weniger zähneknirschend angenommen wurde, stößt auf große Skepsis. Heumann vom Grünen-Koalitionspartner CDU stellt jedenfalls klar, daß die Stadtverordneten über die Bebauung entschieden und nicht „irgendwelche selbsternannten Sprecher der Bürger“. Klaus Oesterling, Fraktionsvorsitzender der mittlerweile oppositionellen SPD, kann seine Vorbehalte offener äußern. Es handele sich um das typische paternalistische Verständnis von Bürgerbeteiligung der Grünen: „Da wird so lange diskutiert, bis alle Andersdenkenden gegangen sind.“

Die Linkspartei will im Sonderausschuß zunächst die Nutzungen geklärt sehen. Erst danach könne über die architektonische Gestalt diskutiert werden, äußerte Fraktionschef Lothar Reininger. Er tendiert zu einer modernen Bebauung, die auf historische Bezüge Rücksicht nimmt. In der Frage, inwieweit die Stadt finanzielle Einbußen bei der Vermarktung des Areals in Kauf nehmen solle, gebe es eine Schmerzgrenze, so Reininger. Deren Höhe könne er noch nicht beziffern.

Noch ist die Stadt ohnehin nicht Eigentümerin des Areals, mit dessen Rückkauf von der Deutschen Immobilien-Leasing es die Kämmerei offenbar nicht sehr eilig hat. Die Stadt muß bis zum 30. September den Leasingvertrag kündigen, damit das Technische Rathaus zum 1. April 2007 für 72 Millionen Euro wieder in städtisches Eigentum kommen kann. Andernfalls verlängerte sich der Leasingvertrag um zwölf Jahre. Eine entsprechende Vorlage ist dem Magistrat noch nicht zugegangen, obwohl die Zeit angesichts der Sommerpause drängt. Im Römer ist bekannt, daß es innerhalb der Kämmerei Vorbehalte gegen das teure Geschäft gibt. Daß es der Magistrat darauf ankommen läßt, den Beschluß der Stadtverordneten nicht zu vollziehen, kann sich jedoch niemand vorstellen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr