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Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Altstadt Eine Totalrekonstruktion ist noch denkbar

06.09.2007 ·  Die Stadtverordneten haben den Plänen für die neue Frankfurter Altstadt zugestimmt. Doch ob das Vorhaben tatsächlich bis 2012 verwirklicht werden kann, ist fraglich.

Von Matthias Alexander
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Der Planungsamtsleiter war mutig, als er vor einigen Tagen ein Datum nannte, bis zu dem die neue Altstadt fertigzustellen sei. „Vom entsprechenden Beschluss der Stadtverordneten an gerechnet, könnte das Areal in fünf Jahren bebaut sein“, sagte Dieter von Lüpke in einer Informationsveranstaltung im Römer. Die Stadtverordneten haben nun mehrheitlich der Magistratsvorlage zum Dom-Römer-Areal zugestimmt.

Dass die Frankfurter in fünf Jahren, also 2012, tatsächlich vom Dom aus an der rekonstruierten „Goldenen Waage“ vorbei auf dem Kopfsteinpflaster des Krönungswegs in Richtung Römer schlendern können, halten die meisten Experten aufgrund des extrem komplizierten Vorhabens für eher unwahrscheinlich – auch wenn Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) alles daran setzen wird, die Fertigstellung noch in ihrer 2013 endenden dritten Amtszeit zu erleben.

Bebauung steht nur in groben Umrissen fest

Es müsste schon alles wie am Schnürchen laufen, wenn Lüpkes Zeitplan eingehalten werden soll. Die bisherige Debatte um die Neubebauung, die nun schon seit zweieinhalb Jahren geführt wird, gibt wenig Anlass zu der Annahme, dass es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt. Mit dem Abriss des Technischen Rathauses und eines Teil der Tiefgarage wird wohl erst Mitte 2009 begonnen, vor 2010 werden die Arbeiten an den Neubauten kaum beginnen können. Nur wenn dann die Planungen für die einzelnen Häuser im Detail festliegen, könnten die Hochbauarbeiten innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein. Theoretisch – praktisch müsste aber schon jetzt mit der Trocknung jener großen Menge Holz begonnen werden, die für das Fachwerk gebraucht werden wird.

Bisher steht zudem nur in groben Umrissen fest, wie die künftige Bebauung aussehen soll. In der Vorlage ist festgeschrieben, dass sechs, vielleicht sieben Häuser möglichst originalgetreu und am historischen Standort rekonstruiert werden: die „Goldene Waage“, das „Rote Haus“ und die Häuserreihe an der nördlichen Seite der Gasse Hinter dem Lämmchen mit dem Haus „Klein Nürnberg“, dem „Goldenen Lämmchen“, dem „Alten Esslinger“ und dem „Jungen Esslinger“. Außerdem soll geprüft werden, ob sich das „Haus Rebstock“ wiederaufbauen lässt. Voraussetzung ist, dass die Einfahrt zur Tiefgarage Römer vorverlegt werden kann. Dem Vernehmen nach haben erste Machbarkeitsuntersuchungen gezeigt, dass das möglich ist.

Für die Häuser, die auf den übrigen der rund 30 Parzellen entstehen sollen, wird eine Gestaltungssatzung erlassen, die klare Vorgaben etwa hinsichtlich Dachneigung, Fassadenmaterialien und Fensterformen macht. Auf diesen Grundstücken ist also zeitgenössische Architektur möglich; dass sie dem Buchstaben und dem Geist der Gestaltungssatzung entspricht, darüber soll ein Beirat wachen. Möglich sind aber auch weitere Rekonstruktionen; nach dem Willen der schwarz-grünen Koalition sollen sie sogar gegenüber modernen Bauten den Vorrang haben.

Bürger könnten sich an Kosten beteiligen

Demnach ist eine Totalrekonstruktion der Altstadt, wie sie die Altstadtfreunde anstreben, noch möglich – mit kleinen Einschränkungen, die sich aus Anpassungen an heutige Bauvorschriften und an die vorhandene Nachbarbebauung ergeben. Voraussetzung ist allerdings, dass sich genügend Bauherren finden, die bereit sind, Geld in Fachwerkhäuser zu stecken. Denn die Stadt selbst will nur für die Kosten der sechs oder sieben von ihr ausgewählten Häuser aufkommen; und selbst in diesen Fällen sollen Private zum Zuge kommen, wenn sie denn wollen.

Die Anhänger einer möglichst weitgehenden Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes haben mehrfach geäußert, dass es zahlreiche Interessenten für ein solches Engagement als Bauherr gebe. Wieviele davon übrig bleiben, wenn die zu erwartenden enormen Kosten kalkuliert sind, bleibt abzuwarten. Es ist nicht auszuschließen, dass die Stadt am Ende unter wohlhabenden Bürgern für eine Beteiligung an dem Prestigeprojekt regelrecht werben muss. Investoren, die siebenstellige Beträge in ein Vorhaben investieren, dessen wirtschaftlicher Erfolg aufgrund der sehr ambitionierten, kleinteiligen Nutzungsmischung mit Läden, Restaurants und Wohnungen keineswegs sichergestellt ist, müssen jedenfalls ein Stück Idealismus mitbringen.

Sollte es erwartungsgemäß zu einer Kombination von modernen Gebäuden und Rekonstruktionen kommen, für die sich vor einem dreiviertel Jahr bei einer repräsentativen Umfrage der F.A.Z. fast die Hälfte der Befragten ausgesprochen hatte, wird das Hauptaugenmerk des Gestaltungsbeirats darauf liegen müssen, wie sich Alt und Neu hamonisch miteinander verbinden lassen. Wenn zusätzliche Häuser wiederaufgebaut werden, sollte das am besten in direkter Nachbarschaft zu anderen Rekonstruktionen geschehen. Völlig offen ist noch, wie der Archäologische Garten überbaut wird.

ABG Holding und OFB Projektentwicklung beauftragt

Ein eigener Wettbewerb soll Ideen für diese Frage liefern. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der Erfolg der ganzen Altstadtbebauung davon abhängt, ob dort eine schlüssige Lösung gefunden wird. Die Teilnehmer stehen vor der Aufgabe, die antiken und mittelalterlichen Mauerreste zugänglich zu halten und darüber eine kleinteilige Bebauung zu errichten, in die sich „Goldene Waage“ und „Rotes Haus“ harmonisch einfügen.

Das Areal muss in einem Zug und aus einer Hand bebaut werden. Das erfordern schon die komplizierte Baustellenlogistik und der heikle Untergrund mit Tiefgarage und U-Bahn. Die Stadt will daher einen Bauträger mit dem Projekt beauftragen. Er soll sich vorab mit den künftigen Eigentümern der einzelnen Parzellen, die in Erbpacht vergeben werden, über die Gestaltung abstimmen. Nach dem Wunsch der Stadt sollen der städtischen Wohnungskonzern ABG Holding und die OFB Projektentwicklung, eine Tochter der Helaba, mit der Steuerung des Projekts beauftragt werden.

Die Wahl der beiden Unternehmen wird in der Immobilienbranche als geschickter Schachzug gewertet: Zum einen behält der Magistrat die Kontrolle über das Projekt, zum anderen kann er auf die berechtigten wirtschaftlichen Interessen der OFB verweisen, wenn weitere kostspielige Wünsche an die Projektbeteiligten herangetragen werden sollten. Allerdings ist die freihändige Vergabe des Grundstücks an ein bestimmtes Unternehmen juristisch heikel, wie mehrere Urteile aus jüngster Zeit gezeigt haben. Derzeit wird im Stadtplanungsamt und im Rechtsamt an einer gerichtsfesten Lösung gearbeitet.

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