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Altenpflege : „Man bekommt sehr viel Dankbarkeit zurück“

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Arbeit, die keine Ware sein soll: Altenpflege beansprucht viel Aufmerksamkeit und Zeit Bild: F.A.Z. - Astis KRause

Die Arbeit eines Altenpflegers ist körperlich und seelisch anstrengend - für vier Auszubildende in der Senioren-Wohngemeinschaft Aja Textor Goethe ist es dennoch ihr Traumberuf.

          Es riecht nach angebratenem Gemüse im Gartenhaus. Eine junge Frau steht mit einer alten Dame am Herd und bereitet das Mittagessen vor. Aus den Töpfen steigen Dampfwolken. Die anderen sieben Bewohner sitzen am Tisch und schieben einander gemächlich einen übergroßen gelben Tennisball zu. Im Hintergrund läuft Schlagermusik. Eine ältere Dame blickt in den Garten und würde gerne gemeinsam mit ihrem Besucher spazierengehen. Doch zum Verweilen ist keine Zeit. Die Frau versteht den Grund für den Abschied nicht recht und bleibt mit einem leeren Blick zurück.

          Das „Gartenhaus“ genannte Gebäude gehört zum Haus Aja Textor Goethe an der Hügelstraße und beherbergt eine Senioren-Wohngemeinschaft. Nebenan, im Haus Aja Textor Goethe, ist auch ein Fachseminar für Altenpflege untergebracht. Die Ausbildung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Die Praxisausbildung hat mehrere Stationen, eine davon ist das „Gartenhaus“. Auch die 22 Jahre alte Anna Aydemir, ihre ein Jahr älteren Kolleginnen Theresa Kiontke und Johanna Zerb und der 28 Jahre alte Michael Neugebauer haben in diesem Haus mit den Senioren zusammen gekocht.

          Sich in den Menschen einfühlen

          Besonders für Neugebauer, der sich als einer der wenigen Männer für diese Ausbildung entschieden hat, war diese Etappe ein Heimspiel. Als gelernter Koch hat er den Senioren kulinarisch den Tag versüßt. Erinnern können sich daran nur noch wenige. Viele der älteren Menschen, die im Gartenhaus in einer der vier Achtpersonen-Wohneinheiten leben, leiden an Demenz.

          Die Kochschürze gegen die Pflegerkleidung zu tauschen, dazu entschied sich Neugebauer nach dem Schlaganfall seiner Großmutter. Bei der Betreuung und später bei der Pflege hatte er gemerkt, dass ihm „die Arbeit liegt“. Er machte einen Kursus bei den Maltesern, um seine Oma besser pflegen zu können, beschloss, Altenpfleger zu werden und ist nach verschiedenen Praktika nun im Mittelkursus angekommen, dem zweiten Jahr der Ausbildung im Fachseminar. Anna Aydemir, Theresa Kiontke und Johanna Zerb gehören mit 14 weiteren Auzubildenden zum Oberkursus.

          Heute steht Sinneslehre auf dem Stundenplan. Die Lehrerin Ada van der Star hat vor sich auf dem Tisch ein Tuch ausgebreitet, unter dem sich Gegenstände abzeichnen. Die Schüler sollen lernen, sich auf alle ihre Sinne zu konzentrieren. Ihre Stimme, mit der sie Sätze sagt wie „Arbeit des Altenpflegers ist keine Ware“ und „Wenn sie wie eine Maschine erledigt wird, ist das die Voraussetzung für Burnout“ hat die charmante Färbung ihrer niederländischen Herkunft behalten. „Was die Augen nicht sehen können, bleibt den Ohren nicht verborgen. An der Stimme hört man, wie es den Menschen geht“, sagt sie.

          Die Schüler schließen die Augen und lauschen, wie van der Star tönerne und gläserne Blumenvasen sowie eine Glocke zum Klingen bringt. Die Auszubildenden sollen nachempfinden lernen, wie es sich für ältere Menschen anfühlt, wegen nachlassender Sehkraft einzig auf ihr Gehör angewiesen zu sein. In der Pflege sei es wichtig, sich in den Menschen einfühlen zu können, sagt van der Star.

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