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Alkohol-Testkäufe Das Alter interessiert fast niemanden

08.08.2009 ·  Weil Komasaufen unter Jugendlichen nicht aus der Mode kommt, wird weiter über den Einsatz Minderjähriger als Testkäufer diskutiert. Hessen etwa liebäugelt damit. Wie kommen Jugendliche an Hochprozentiges?

Von Maximilian Lüderwaldt
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Ein Kiosk im Frankfurter Ostend ist das erste Ziel. Die Scheiben sind schmutzig, so dass man nur mit Mühe hindurchsehen kann. Der Besitzer will gerade schließen. Doch für den Jugendlichen, der am späten Abend vor ihm steht, macht er eine Ausnahme. Der Jugendliche nennt sich Oliver, ist 16 Jahre alt und besucht ein Gymnasium. Er will hochprozentigen Alkohol kaufen - obwohl er das laut Jugendschutzgesetz gar nicht darf.

In Regalen an der Wand stehen mehrere Flaschen Bacardi, Wodka, Whiskey. 35-Prozentiger sollte es mindestens sein. Die Auswahl ist groß. Oliver entscheidet sich für Wodka, 37,5 Prozent. Der Kioskbesitzer müsste ihn nun eigentlich nach seinem Ausweis fragen - auch, wenn der Schüler älter aussieht, als er ist. Der Mann aber interessiert sich für das Alter seines Kunden nicht. Er bekommt den Wodka - und hätte er danach gefragt, hätte ihm der Mann sicherlich auch mehr verkauft.

Viele Jugendliche, weiß Oliver, kaufen sich harten Alkohol inzwischen mit einer Selbstverständlichkeit - um sich „nur zum Spaß“ zu betrinken. Probleme, den Alkohol zu kaufen, haben sie nicht, weil sie ihn an vielen Kiosken, kleineren Lebensmittelläden oder Tankstellen oft ohne weiteres bekommen.

Kioskbesitzer schaut nicht aufs Geburtsdatum

So auch an der nächsten Station: eine Trinkhalle im Gallus. In dem Laden steht eine Verkäuferin, die sich auf Serbisch mit den beiden einzigen Kunden unterhält, einem muskulösen Mann und einer Frau, die das T-Shirt einer Sicherheitsfirma trägt. Als der Jugendliche eintritt, würdigen sie ihn keines Blickes. Oliver fragt nach einem Mixgetränk aus Cola und Wodka - und rechnet schon damit, dass sie nach seinem Ausweis fragt. Ebenso wie der Kioskverkäufer interessiert sich aber auch die Frau in der Trinkhalle nicht für das Alter des Jugendlichen. Sie gibt ihm eine Flasche, verlangt dafür jedoch dreißig Euro - etwa sechsmal so viel, wie der Alkohol im Supermarkt gekostet hätte. Oliver gibt die Flasche daraufhin zurück. Als die Mitarbeiterin der Sicherheitsfirma das mitbekommt, ruft sie den Schüler zu sich und flüstert ihm zu: „Ich weiß, wo du das Zeug billiger bekommst.“ Sie nennt ihm einen Supermarkt.

Doch gerade da halten sich die Kassierer an die Vorschriften. In einem Markt an der Zeil greift Oliver diverse Wodka-Mixgetränke aus dem Regal und entscheidet sich für Kasse fünf. Die Kassiererin ist eine ältere freundliche Dame, hier schätzt Oliver seine Chancen am größten ein. Er legt die Flaschen auf das Band, so dass das Etikett mit der Aufschrift: „Dieses Getränk darf nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden“ nicht mehr zu sehen ist.

„Wenn dem Jungen etwas passiert...“

Die Kassiererin wird dennoch skeptisch, als sie Oliver sieht. Sie zieht die Flaschen über den Scanner, ohne zunächst nach seinem Alter zu fragen. Doch dann verlangt sie plötzlich seinen Ausweis. Oliver sagt, er habe ihn nicht dabei - und fragt stattdessen einen Mann, der hinter ihm in der Schlange steht, ob dieser für ihn den Alkohol kaufen könne. Der junge Mann, vermutlich ein Student, überlegt kurz und tut dem Schüler schließlich den Gefallen. Die Kassiererin ist machtlos, appelliert aber an die Vernunft des Erwachsenen. „Wenn dem Jungen etwas passiert“, sagt sie, „sind Sie verantwortlich.“

Ausgerechnet in einem Laden am Hauptbahnhof, der letzten Anlaufstelle an diesem Abend, scheitert der Sechzehnjährige mit seinem Vorhaben. Der Verkäufer hat zwar den Preis der großen Flasche Wodka schon in die Kasse eingetippt und streckt die Hand aus, um das Geld entgegenzunehmen, als plötzlich ein gutgekleideter Mann skeptisch herüberblickt und fragt, ob der Jugendliche wirklich schon 18 sei. In dem Moment zieht der Verkäufer seine Hand wieder zurück und sagt verunsichert: „Dann lassen wir das lieber.“

Oliver versucht noch, zu verhandeln. Sagt, die Flasche sei ein Geschenk für seinen Vater. Der Verkäufer jedoch bleibt konsequent - aber nur, weil er sich vor Zeugen nicht strafbar machen will.

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