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44 Konten eröffnet Organisierter Betrug mit Kontoeröffnung

22.12.2009 ·  Die Personalien wurden offenbar nicht näher überprüft. Anders ist es nicht zu erklären, dass zwei Polen und ein Deutscher es schaffen konnten, innerhalb kürzester Zeit 44 Konten zu eröffnen, jedes Mal eine EC-Karte zu bekommen - und damit Betrügereien zu begehen, die in der Schadenssumme in die Hunderttausende gehen.

Von Katharina Iskandar
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Skeptisch wurde niemand. Nicht der Bankangestellte, der die Daten der Kunden aufgenommen hat. Und auch nicht der Mitarbeiter, der die Ausgabe der EC-Karten verantwortet. Die Personalien wurden offenbar nicht näher überprüft. Anders ist es nicht zu erklären, dass zwei Polen und ein Deutscher es schaffen konnten, innerhalb kürzester Zeit 44 Konten zu eröffnen, jedes Mal eine EC-Karte zu bekommen – und damit Betrügereien zu begehen, die in der Schadenssumme in die Hunderttausende gehen.

Mehr als hundertmal sollen sie mit den Karten Waren gekauft oder Reisen gebucht – und sie anschließend verkauft oder storniert, also in jedem Fall zu Geld gemacht haben. So unglaublich dieser Fall auch klingen mag, für die Frankfurter Polizei gilt er inzwischen als Paradebeispiel dafür, wie Betrügern Tür und Tor geöffnet werden, wenn die Banken ihre Sorgfaltspflicht missachten.

Mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt

Denn sogenannte Kontoeröffnungsbetrügereien sind längst keine Seltenheit mehr. In den ersten acht Monaten dieses Jahres verzeichnete die Frankfurter Polizei 1.235 Fälle; das entspricht einer Steigerung von 204 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Masche ist dabei immer dieselbe, wie Kriminalhauptkommissar Mark Rinke, Leiter der Ermittlungsgruppe im Frankfurter Polizeipräsidium, sagt. Die Täter eröffnen unter unterschiedlichen Identitäten Konten bei unterschiedlichen Banken. In der Regel bekommen sie ohne weitere Prüfung der Personalien nach wenigen Tagen eine EC-Karte zugeschickt. Mit dieser können sie anschließend sofort per Lastschriftverfahren einkaufen – obwohl das Konto noch gar nicht gedeckt ist.

Täter sind meist osteuropäische Gruppierungen. So ist dieses Delikt nach Angaben der Polizei mit der EU-Erweiterung sprunghaft angestiegen und gehört offenbar inzwischen zu den „Geschäftsfeldern“ der organisierten Kriminalität. Die Erkenntnisse sprechen zumindest dafür: Die Täter operieren als Banden, wie Rinke sagt. Hintermänner steuern die Betrügereien vom Ausland aus und setzen dafür „Helfer“ ein, die für sie die Konten eröffnen und Einkäufe tätigen. Dabei kommen die Helfer meist aus sehr armen Verhältnissen und werden mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt. Sie bekommen nur wenig von der Beute ab. Den größten Teil behalten die Hintermänner selbst.

Adressen in Industrievierteln oder Hinterhöfen

So war es auch in einem Fall, den das Frankfurter Kommissariat im Mai dieses Jahres aufklärte: Die Beamten nahmen im Stadtteil Gallus sechs Rumänen fest, die dort in einer Unterkunft lebten. Das Haus war den Ermittlern aus einem anderen Kontoeröffnungsverfahren schon bekannt. Seit Jahresbeginn waren dort immer wieder neue Rumänen aufgetaucht – insgesamt mehr als ein Dutzend, bei denen es sich um besagte „Helfer“ handelte. Auffälligerweise wurde der Briefkasten mit immer neuen Namen beklebt. Als die Beamten das Haus später durchsuchten, wurden 18 Zahlungskarten diverser Banken gefunden, mit denen schon seit zwei Monaten nachweislich auf diese Weise eingekauft worden war.

Die Polizei kritisiert aber nicht nur die mangelnde Sorgfaltpflicht der Banken, sondern auch Nachlässigkeiten der Meldebehörden. Die Ämter überprüfen nach Ansicht der Ermittler die Daten eines „Neubürgers“ oft nur oberflächlich und ermöglichten somit Scheinanmeldungen, die dann dafür genutzt würden, Konten zu eröffnen. In fast allen Fällen, in denen Betrüger festgenommen worden seien, hätten die Meldebehörden nur die Adresse geprüft, nicht aber, ob der Bürger dort überhaupt wohne, berichtet Kriminalhauptkommissar Rinke. So gäben die Betrüger als Wohnsitz bevorzugt Adressen in Industrievierteln oder Hinterhöfen an.

„Es den Tätern so schwer wie möglich machen“

In einem Fall wurde ein Objekt in einem Industriegebiet genannt, dessen Adresse zwar im amtlichen Register eingetragen war - allerdings handelte es sich keineswegs um ein Wohnhaus, sondern um ein marodes, ungenutztes Firmengebäude. Die Täter brachten an dem Haus einen zusätzlichen Briefkasten an und beklebten ihn mit falschem Namen. Dann warteten die Täter fünf Tage lang, bis die EC-Karte eintraf. In keinem der bisher bekanntgewordenen Betrugsfälle sei die Bonität überprüft worden, beklagt Rinke. „Dabei würde es schon helfen, wenn eine Zahlungskarte erst ausgegeben wird, wenn feststeht, dass der Kunde auch über regelmäßige monatliche Einkünfte verfügt.“

Der Offenbacher Polizeipräsident Heinrich Bernhardt hat jüngst auf den Anstieg der Fälle reagiert. In einem Brief an die Bankvorstände in der Region Offenbach sowie in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis forderte er dazu auf, sorgfältiger als bisher die Personalien und Bonität von Neukunden zu prüfen, um den Missbrauch von Girokarten einzudämmen. Man sollte sämtliche Möglichkeiten nutzen, „um es den Tätern so schwer wie möglich zu machen“, sagte der Polizeipräsident. Anlass für sein Schreiben war, dass auch im Bezirk des Polizeipräsidiums Südosthessen die Zahl der Kontoeröffnungsbetrügereien auf 709 Fälle gestiegen ist.

Schaden beim Einzelhandel

Bisher jedoch haben die Mahnungen der Polizei nicht bei allen Banken und Sparkassen gefruchtet. Es gebe immer noch viele Institute, die sich gegen eine intensivere Überprüfung ihrer Neukunden sperrten, sagen die Ermittler. Ein Grund könnte sein, dass der Schaden am Ende nicht bei der Bank, sondern beim Einzelhandel liegt. Der merkt beim Lastschriftverfahren in der Regel erst zu spät, dass das Konto des Kunden gar nicht gedeckt ist und der Kunde auch gar nicht an der angegebenen Adresse wohnt.

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