04.08.2008 · Unterhaltung und Bildung sollte der Zoologische Garten bieten - ein Ziel, das heute wieder höchst aktuell ist. Seit seiner Eröffnung am 8. August 1858 hat der Zoo Höhen und Tiefen erlebt - eine Chronik.
Von Katharina IskandarEs müssen lange, vergnügliche Tage und Nächte gewesen sein, in denen die einflussreichen Herren der Stadtgesellschaft zusammensaßen und überlegten, wie reizvoll es wäre, wilde Tiere nach Frankfurt zu holen. Den Bürgern sollte etwas geboten werden, was es in Deutschland zu dieser Zeit noch so gut wie gar nicht gab: ein Zoo.
Einen Tiergarten gab es nur in Berlin. Das Provisorische Comité argumentierte, dass auch die Frankfurter Lust auf eine neue Vergnügung hätten, die noch dazu der Volksbildung diene. Und am 8. Oktober 1857 erteilte der Hohe Senat die Genehmigung für die bis heute meistbesuchte Einrichtung der Stadt.
Die ersten Jahre
Seit dem Tag seiner Eröffnung am 8. August 1858 wurde der damals noch im Westend gelegene Tiergarten zur Attraktion. In den ersten Wochen wurden mehr als 13 000 Besucher gezählt. Nicht immer zum Besten der Tiere: Die durften damals noch von den Besuchern gefüttert werden und verdarben sich den Magen, weil so viele Leute dieses Unterhaltungsangebot nutzten. Rund 600 Tiere lebten damals im Zoo, Affen, Raubtiere, Beuteltiere, auch Einhufer und Dickhäuter waren dabei.
Und dann kam „Bethsy“, eine 12 Jahre alte indische Elefantenkuh, die innerhalb kürzester Zeit zum Liebling der Frankfurter wurde – nicht zuletzt deshalb, weil sie „sehr folgsam und verständig“ sei und „Bücklinge und Kratzfüße wie ein Tanzmeister“ mache, wie es in historischen Berichten über den Tiergarten heißt. Schon damals gab es also einen „Knut-Effekt“: Je ungewöhnlicher die Tiere, umso größere Besuchermassen lockten sie an. Das galt auch für die ersten Schimpansen, die 1871 in den Tiergarten kamen. Kurz nachdem sich am 31. Oktober 1872 die „Zoologische Gesellschaft“ gründete, zog der Zoo auf die Pfingstweide um. Dort war Platz für mehr Tiere, außerdem wurden ein Raubtierhaus und ein Aquarium gebaut, selbst der Kaiser lobte bei einem Besuch die „vollendete Schönheit“ der Anlagen.
Selbstmord und Völkerschau
Nicht nur mit seinen Tieren machte der Zoo Schlagzeilen. Im Juni 1891 geschah ein schauriger Selbstmord, über den noch Jahrzehnte später gesprochen wurde: Eine Hausangestellte ließ sich an einem Seil in den Eisbärenzwinger hinab und wurde dort zu Tode gebissen. Wenig später warb ein Plakat, gegen fünfzig Pfennig Eintritt könne ein „Sensations-Gemälde“ besichtigt werden, das die „Eisbären-Selbstmörderin“ zeige. Auch der Eisbär zehrte vom Ruhm: Als er 1903 starb, waren Postkarten mit seiner „Todesanzeige“ zu kaufen.
Auch Menschen wurden damals im Zoo ausgestellt – das heute oft vergessene Kapitel dauerte bis in die zwanziger Jahre hinein. Bei sogenannten Völkerschauen wurden Afrikaner oder Indianer gezeigt. So auch das Mädchen Krao, für das Handzettel warben: Im Zoo sei für 20 Pfennig „das schwarze Affenmädchen“ zu sehen, das „Kind einer höchst merkwürdigen behaarten Menschenrasse“.
Die Kriegsjahre
Während der Zoo den Ersten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstand, hinterließ der Zweite Weltkrieg einen umso größeren Schaden, der noch Jahre später spürbar war. Die meisten Tiere wurden getötet, während der Luftangriffe wurde eine Elefantenkuh von einer Stab-Brandbombe getroffen, Rinder durch die Wucht der Geschosse durch die Luft geschleudert, Krokodile unter herabstürzenden Dachteilen begraben. Die Bomben schlugen in nahezu alle Häuser und Gehege ein, das Gesellschaftshaus brannte aus.
Wiederaufbau und Neubeginn
Beinahe wäre der Zoo geschlossen, die wenigen verbliebenen Tiere abgeschafft worden. Doch während sich vorübergehend Varietékünstler, Akrobaten und der Zirkus Helene Hoppe auf dem Gelände einquartierten, begann der Wiederaufbau der Gehege – langsam, aber stetig. Fast ununterbrochen schafften die Tierwärter Steine, Ziegel für neue Häuser und Futter für die Tiere herbei.
Die Ära Grzimek
Mit Bernhard Grzimek, der eigentlich hatte Polizeipräsident werden sollen, begann der Wiederaufbau. Er veranstaltete am 1. Juli 1945 einen Umzug mit Ponywagen durch die Stadt und erklärte „Der Zoo ist wiedereröffnet!“, obwohl es damals nur 20 größere Tiere gab. Doch bald lebten dort tibetanische Yaks, Wasserbüffel und ein Bär, ein Dromedar-Hengst. In den Nachkriegsjahren wurde der Zoo mehr und mehr zum Gesellschaftsort, zu einem Treffpunkt der Frankfurter in einer ansonsten zerstörten Stadt. Allein im Jahr 1947 wurden 2 400.000 Besucher registriert – mehr als jemals zuvor, was auch an der Umtriebigkeit des Zoodirektors lag, der sogar einen Vergnügungspark errichtete.
Grzimek, der bis 1974 Zoodirektor war, machte den Frankfurter Zoo weit über die Stadt hinaus bekannt. Er galt als passionierter Tier- und Umweltschützer. Respekt in der Bevölkerung, aber auch unter Kollegen verschaffte er sich vor allem mit seinen eigenwilligen Aktionen. Neue Tiere holte er schon 1951 und 1954 aus Afrika, das ihm zweite Heimat wurde.
Unheimliche Mordserie
Drei Jahre nach Kriegsende machte der Zoo mit einer rätselhaften Attentatsserie auf sich aufmerksam. Im Dezember 1947 wird das erste tote Tier aufgefunden, fast täglich folgen weitere Anschläge. Die Tiere wurden mit Natriumfluorid vergiftet. Der Magistrat setzte eine Belohnung von 30.000 Mark für die Auffindung des Täters aus. Schließlich geriet jeder unter Verdacht, der Zugang zu den Tieren hatte, sogar Grzimek selbst. Die Mordserie wurde nie aufgeklärt.
Mit Naturschutz in die Zukunft
Nach der Ära Grzimek, nach dem posthum auch das bis heute maßstabsetzende „Nachttierhaus“ benannt wurde, geschah nicht mehr viel, was den Ausbau des Zoos angeht. Schon Grzimek hatte von einem Außenzoo geträumt, der ihm auch versprochen worden war. Doch immer wieder scheiterten die Pläne – auch die Idee zweier Anlagen, eine am ursprünglichen Platz und eines „Ökozoos“ vor den Toren Frankfurts, wurde bis in die neunziger Jahre immer wieder hervorgeholt. Erst Ende der neunziger Jahre entstanden Tiergehege nach neuen Standards: Die Robbenklippen wurden gebaut, ebenso der Katzendschungel.
In diesem Frühsommer wurde der „Borgori-Wald“, das neue Menschenaffenhaus eröffnet. Nun sollen weitere Gehege folgen – und ein ganz neues Konzept für den Zoo. Für die Zukunft stellt sich der 2008 berufene Zoodirektor Manfred Niekisch ein Natur- und Artenschutzzentrum vor, das den Besuchern am Beispiel der Tiere den Schutz der Umwelt nahegelegt. Rund 30 Millionen Euro sollen in den Frankfurter Zoo insgesamt investiert werden – in eine neue Form von Unterhaltungs- und Bildungseinrichtung.
gegen Zoos
Antonietta Tumminello (astra1971)
- 12.08.2008, 00:54 Uhr