Home
http://www.faz.net/-gzg-770a3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurt Vielleicht nie wieder Opernball

Am Wochenende gibt es in Frankfurt keinen Opernball. Bewerbungen für eine Neuauflage im nächsten Februar liegen vor, aber mit der Entscheidung lässt die Alte Oper sich Zeit.

© Wonge Bergmann Vergrößern Er gehört zu mir: Frankfurt ohne Opernball können sich viele nicht vorstellen. Vor einem Jahr feierten die Gäste mit Marianne Rosenberg und Tony Christie.

Für Samstag, den 23. Februar, steht er im Saisonkalender 2012/13 der Alten Oper: Der Deutsche Opernball. Als die Vorschau erstellt wurde, hatte man noch nicht damit gerechnet, dass in diesem Jahr kein Opernball stattfindet. Womöglich wird es nie wieder einen geben. Zwar führt der Chef des Konzerthauses, Stephan Pauly, Gespräche mit potentiellen Veranstaltern. Einer, der die Ansprüche der Alten Oper erfüllt, scheint aber schwer zu finden zu sein. Denn für das Haus ist entscheidend, was im Kalender hinter dem Termin steht: VM für Vermietung.

Patricia Andreae Folgen:    

Rund 120.000 Euro für Miete und Nebenkosten ist der bisherige Veranstalter Manfred Pasenau der Alten Oper schuldig geblieben. Das Insolvenzverfahren gegen seine Opernball GmbH ist eröffnet. Zu der Frage, ob eine Chance besteht, dass die Forderungen der Alte Oper und anderer Gläubiger erfüllt werden können, wollen sich weder Pauly noch die Kanzlei der Rechtsanwältin Angelika Wimmer-Amend, die das Verfahren betreut, äußern.

Vorschläge für einen neuen Namen

Die Namensrechte am Deutschen Opernball, die Pasenau sich eigens hatte sichern lassen, gehörten zuletzt nicht einmal mehr ihm. Er hatte sie, um dort Schulden zu tilgen, auf die Karbener Satis&Fy AG übertragen, die für ihn in den vergangenen Jahren die Alte Oper dekorierte und den gesamten Ball in festlichem Lichte erstrahlen ließ.

Das könnte zur Folge haben, dass der Opernball - jedenfalls unter diesem Titel - möglicherweise für immer aus dem Kalender der Alten Oper gestrichen werden muss. Denn es gibt potentielle Veranstalter, die mit ihren Konzepten auch Vorschläge für einen neuen Namen eingereicht haben. Zumal der Name, wie der Bewerber Sven Müller meint, nach den jüngsten Ereignissen nicht mehr unbedingt positiv besetzt sei. Und je länger die Entscheidung der Alten Oper über die Zukunft des Balls auf sich warten lässt, desto häufiger wird gefragt, ob es nicht ein großer Schaden für Frankfurt wäre, wenn es keinen Opernball mehr gäbe und man künftig bei dem Titel nur noch an Dresden und die Semper-Oper denke - mal abgesehen von Wien.

Miete von rund 60.000 Euro

In der Alten Oper heißt es dazu aber nur: „Gut Ding will Weile haben.“ Regelrecht ausgeschrieben worden ist die Veranstaltung nicht. Für die Alte Oper ist es in erster Linie eine Vermietungsangelegenheit. Es komme dabei zwar darauf an, dass die Veranstaltung zum Haus passe, vor allem aber dürfe sie keinerlei Risiko bergen. Darum werden derzeit die Konzepte wohl ganz wesentlich auf ihre finanzielle Tragfähigkeit geprüft. Es geht um einen Vertrag für fünf Jahre.

Für die Veranstalter bedeute das, so ist zu hören, dass sie Bürgschaften für die Miete von rund 60.000 Euro pro Jahr vorweisen müssten. Solche Bürgschaften bei Finanzinstituten zu bekommen, ist dieser Tage nicht gerade leicht, schon gar nicht für Veranstaltungsagenturen, die in der Regel nicht über größeres Betriebskapital verfügen. Ein Bewerber sagt dazu, die Alte Oper müsse entscheiden, ob sie einen Milliardär suche, oder jemanden, der eine tolle Veranstaltung organisiere.

Finanzierung sei eine Herausforderung

Für einen erfolgreichen Opernball müsste man nach Ansicht von Nico Ubenauf, Vorstand von Satis&Fy, vor allem ein klareres Profil entwickeln. „Ein Bürgerball, der Frankfurter mehrerer Generationen anspricht kann genauso erfolgreich sein, wie ein Ball, der mit Stars und Sternchen und entsprechend hohen Eintrittspreisen ein eher elitäres Publikum anspricht.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Museum Giersch Wunderbare Wandlung

Das Museum Giersch wird von der Goethe-Universität Frankfurt übernommen. Das Haus erhält von der Stiftung Giersch über 30 Jahre rund 27 Millionen Euro. Mehr Von Matthias Alexander, Frankfurt

20.10.2014, 13:00 Uhr | Rhein-Main
Welchen Cocktail hätten Sie gern?

Wir haben die perfekten Cocktails für diesen Sommer zusammengestellt. Sie müssen sich nur noch entscheiden, zu welchem Anlass Ihr Drink gereicht wird. Barkeeper Sven Schupp zeigt, wie’s geht. Mehr Von Maria Wiesner, Carsten Feig und Andreas Brand

18.07.2014, 20:09 Uhr | Lebensstil
Entscheider über Asylverfahren Du darfst bleiben, du musst gehen!

Herr K. ist Entscheider. Von ihm hängt ab, ob Asylbewerber, die hier Schutz suchen, wieder abgeschoben werden. Das sorgt zwangsläufig für Trauer und Wut. In seinem Büro liegen daher immer Taschentücher bereit. Mehr Von Katrin Hummel

24.10.2014, 13:34 Uhr | Gesellschaft
20 Jahre Online-Journalismus

Drei ausgewiesene Experten haben in der Oper Frankfurt über die Zukunft der Printmedien und den Einfluss des Internets auf traditionelle Medien gesprochen: Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Sascha Lobo, Autor und Blogger, und Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von FAZ.NET. Sehen Sie hier den ersten Teil des Mitschnitts. Mehr

25.09.2014, 09:34 Uhr | Feuilleton
Das Verbraucherthema Jetzt ist Zeit für den Wechsel

Die Autoversicherung wird von Jahr zu Jahr teurer. Wer Geld sparen will, prüft jetzt den Wechsel in einen günstigeren Tarif und kündigt bis zum 30. November. Das Verbraucherthema. Mehr Von Petra Kirchhoff

24.10.2014, 12:02 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.02.2013, 17:50 Uhr

Abschied von der Taktik

Von Stefan Toepfer

Viel Misstrauen hat sich im Bistum Limburg aufgetürmt. Auch wenn ein Vertrauensaufbau zwischen den Limburgern und ihrer Diözese wichtig ist, müssen allmählich strategische Entscheidungen her. Mehr 1