Für Samstag, den 23. Februar, steht er im Saisonkalender 2012/13 der Alten Oper: Der Deutsche Opernball. Als die Vorschau erstellt wurde, hatte man noch nicht damit gerechnet, dass in diesem Jahr kein Opernball stattfindet. Womöglich wird es nie wieder einen geben. Zwar führt der Chef des Konzerthauses, Stephan Pauly, Gespräche mit potentiellen Veranstaltern. Einer, der die Ansprüche der Alten Oper erfüllt, scheint aber schwer zu finden zu sein. Denn für das Haus ist entscheidend, was im Kalender hinter dem Termin steht: VM für Vermietung.
Rund 120.000 Euro für Miete und Nebenkosten ist der bisherige Veranstalter Manfred Pasenau der Alten Oper schuldig geblieben. Das Insolvenzverfahren gegen seine Opernball GmbH ist eröffnet. Zu der Frage, ob eine Chance besteht, dass die Forderungen der Alte Oper und anderer Gläubiger erfüllt werden können, wollen sich weder Pauly noch die Kanzlei der Rechtsanwältin Angelika Wimmer-Amend, die das Verfahren betreut, äußern.
Vorschläge für einen neuen Namen
Die Namensrechte am Deutschen Opernball, die Pasenau sich eigens hatte sichern lassen, gehörten zuletzt nicht einmal mehr ihm. Er hatte sie, um dort Schulden zu tilgen, auf die Karbener Satis&Fy AG übertragen, die für ihn in den vergangenen Jahren die Alte Oper dekorierte und den gesamten Ball in festlichem Lichte erstrahlen ließ.
Das könnte zur Folge haben, dass der Opernball - jedenfalls unter diesem Titel - möglicherweise für immer aus dem Kalender der Alten Oper gestrichen werden muss. Denn es gibt potentielle Veranstalter, die mit ihren Konzepten auch Vorschläge für einen neuen Namen eingereicht haben. Zumal der Name, wie der Bewerber Sven Müller meint, nach den jüngsten Ereignissen nicht mehr unbedingt positiv besetzt sei. Und je länger die Entscheidung der Alten Oper über die Zukunft des Balls auf sich warten lässt, desto häufiger wird gefragt, ob es nicht ein großer Schaden für Frankfurt wäre, wenn es keinen Opernball mehr gäbe und man künftig bei dem Titel nur noch an Dresden und die Semper-Oper denke - mal abgesehen von Wien.
Miete von rund 60.000 Euro
In der Alten Oper heißt es dazu aber nur: „Gut Ding will Weile haben.“ Regelrecht ausgeschrieben worden ist die Veranstaltung nicht. Für die Alte Oper ist es in erster Linie eine Vermietungsangelegenheit. Es komme dabei zwar darauf an, dass die Veranstaltung zum Haus passe, vor allem aber dürfe sie keinerlei Risiko bergen. Darum werden derzeit die Konzepte wohl ganz wesentlich auf ihre finanzielle Tragfähigkeit geprüft. Es geht um einen Vertrag für fünf Jahre.
Für die Veranstalter bedeute das, so ist zu hören, dass sie Bürgschaften für die Miete von rund 60.000 Euro pro Jahr vorweisen müssten. Solche Bürgschaften bei Finanzinstituten zu bekommen, ist dieser Tage nicht gerade leicht, schon gar nicht für Veranstaltungsagenturen, die in der Regel nicht über größeres Betriebskapital verfügen. Ein Bewerber sagt dazu, die Alte Oper müsse entscheiden, ob sie einen Milliardär suche, oder jemanden, der eine tolle Veranstaltung organisiere.
Finanzierung sei eine Herausforderung
Für einen erfolgreichen Opernball müsste man nach Ansicht von Nico Ubenauf, Vorstand von Satis&Fy, vor allem ein klareres Profil entwickeln. „Ein Bürgerball, der Frankfurter mehrerer Generationen anspricht kann genauso erfolgreich sein, wie ein Ball, der mit Stars und Sternchen und entsprechend hohen Eintrittspreisen ein eher elitäres Publikum anspricht.“
Wenn Frankfurt etwas daran liege, weiterhin einen Opernball zu haben, müsse sich möglicherweise auch die Alte Oper bewegen, denn die Finanzierung einer solchen Großveranstaltung sei eine Herausforderung, gerade bei einem Neustart, sagt Ubenauf. „Andere Städte haben sehr erfolgreiche Opernbälle mit ausverkauften Häusern und einer höheren Nachfrage nach Tickets als sie bedienen können. Das sollten wir in Frankfurt auch (wieder) hinkriegen.“
Details sind keine bekannt
In Zeiten leerer öffentlicher Kassen, wird aber wohl weder die Alte Oper noch die Stadt bereit sein, einen Veranstalter zu unterstützen. Dabei wäre eine Landesbürgschaft möglicherweise eine gute Investition in Sachen Standortmarketing. Voraussetzung aber wäre, dass der neue Frankfurter Opernball - unter welchem Titel auch immer - ein echtes Erfolgskonzept hätte. Und das ist nicht leicht zu definieren.
Details der eingereichten Konzepte will derzeit keiner der Bewerber nennen. Es gibt aber offensichtlich genügend Veranstalter, die sich zutrauen, ein solches Großereignis profitabel zu organisieren. Michael Kercher von der Neu Isenburger Agentur Rent-A-Band sagt lediglich, er hätte die Macher von „Night of the Proms“ gerne für das Bühnenprogramm gewonnen und die Frankfurter Bürger stärker einbezogen. Eine Übertragung des Balls auf eine Großleinwand auf dem Vorplatz wie in Dresden könne er sich auch in Frankfurt vorstellen.
Eine Preisverleihung wäre gut
Das bisherige Organisationsteam von Pasenau würde gerne ohne den ehemaligen Impresario mit einem etwas verjüngten, ansonsten aber nicht wesentlich anderen Ball an die dreißigjährige Tradition anknüpfen. Und Sven Müller, der vor einiger Zeit aus der von seinem Vater gegründeten und nun von seinem Bruder weitergeführten Agentur Metropress ausgestiegen ist, verrät nur so viel: „Ich war gerade in Thailand, da sagt man gern ,same, same but different‘ das trifft auf mein Konzept auch zu.“
Müller, der mit Vater und Bruder den Frankfurter Sportpresseball zum Erfolg geführt hat, weiß, wie man prominente Gäste und Sponsoren gewinnt. Eine Preisverleihung im Mittelpunkt eines Ballabends sieht er als eine Möglichkeit, das zu erreichen. Schließlich locke ein prominenter Preisträger und ein entsprechender Laudator die Medien und damit andere Stars und Sternchen an. Wie die anderen Bewerber wartet er derzeit auf eine Entscheidung der Alten Oper.
„In Kürze ein Ergebnis“
Nach Auffassung von Gebhard Bucher, Mitinhaber unter anderem des „Opéra“ und des „Café Rosso“ in dem Konzerthaus sollte diese bald fallen. Wenn der Ball nämlich mehr als einmal ausfalle, sei er tot. Dann hätten die wichtigen Gäste den Termin längst anderweitig vergeben. Und das würde Bucher sehr bedauern, denn der Opernball sei schon etwas ganz Besonderes gewesen, weit mehr als ein Aushängeschild für das ganze Haus und seine Gastronomie, „ein wichtiger Beitrag zum Image der Stadt“.
Am diesem Samstag steht in der Alten Oper nun „Carmen Flamenco“ auf dem Programm. Alte Oper-Chef Pauly jedenfalls ist zuversichtlich, dass es von 2014 an eine „neue Ballveranstaltung“ in der Alten Oper geben wird. Er teilte am Sonntag auf Anfrage mit: „Wir sind in der Schlussphase der Gespräche und denken, dass wir in Kürze ein Ergebnis bekannt geben können.“