„Frankfurt ist die Stadt der Frauen.“ Für Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Die Grünen) gibt es an dieser Aussage keinen Zweifel, schon gar nicht am 8.März, dem Weltfrauentag. Schließlich habe die Stadt derzeit noch eine weibliche Dreifach-Spitze mit Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), ihr selbst als Bürgermeisterin und Bernadette Weyland (CDU) als Stadtverordnetenvorsteherin. Im Übrigen lebten in der Stadt derzeit mehr Frauen als Männer, die Angebote, Frauen die Gleichstellung zu sichern, seien „höchst professionell“, es gebe ein dichtes Netzwerk. Und dennoch hat die schwarz-grüne Koalition den Stadtverordneten in der vergangenen Woche geraten, eine von mehr als 1000Städten akzeptierte „Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“ am Weltfrauentag ebenfalls zu unterzeichnen. Gestern setzten Ebeling und Weyland ihre Unterschriften unter das Dokument.
Das Besondere an dieser Charta ist laut Weyland, dass das Frauenreferat, dem dafür eine Stelle und jährlich rund 100.000 Euro Sachkosten zugebilligt werden, innerhalb der nächsten zwei Jahre einen Aktionsplan vorlegen muss. Der lege fest, was zu tun sei, um die Gleichstellung zu fördern. In dem Plan, so Ebeling, müssten die „markantesten Probleme in Frankfurt identifiziert sein“.
Von anderen Städten lernen
Als Beispiele für Verbesserungsmöglichkeiten nannte die Leiterin des Frauenreferats, Gabriele Wenner, den Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt und die Versorgung von Gewaltopfern. Ebeling wies zudem auf die Situation der Alleinerziehenden hin. 90Prozent derer, die in Frankfurt Kinder allein groß zögen, seien Frauen. Ohnehin müsse die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Schließlich leistet sich Deutschland nach Auffassung von Weyland im Vergleich zum europäischen Ausland „die sperrige Ausnahme einer Halbtagsschule“.
Weyland hob hervor, dass die Stadt selbst in vielem Vorbild sei. 40Prozent der Stadtverordneten seien Frauen, ein Drittel der Ämter werde von ihnen geführt, selbst bei den städtischen Gesellschaften seien ein Drittel der Aufsichtsratsvorsitzenden weiblich. Dies liegt allerdings auch daran, dass die Oberbürgermeisterin vielfach qua Amt den Posten inne hat. „Da, wo das Geld verdient wird, auf der Ebene des Vorstands, gibt es nur zwei Frauen“, ergänzte Ebeling. Damit es ausgewogener zugehe, „braucht es den Gleichstellungs-Aktionsplan“.
Die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene biete auch die Chance, von anderen Städten zu lernen. Frankfurt sei in Bezug auf die Förderung von Frauen „nicht schlecht“, sagte Ebeling, „doch wir sind noch lange nicht gut.“