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Turm für Bahntochter : Am Hauptbahnhof wächst die Skyline

Zuwachs: Diese neuen Türme sind geplant (hell markiert) Bild: Simulation Phoenix Real Estate/Groß & Partner

Ein neuer Wohnturm in Frankfurt könnte bis zu 140 Meter hoch werden. Der künftige Firmensitz der Bahntochter DB Netz soll 2020 fertig sein.

          Mit einem lauten Wummern entlädt der Abbruchbagger seine schwere Last in eine Mulde. Es ist unüberhörbar: Der Abbruch des früheren Postverteilzentrums am Frankfurter Hauptbahnhof hat begonnen. Die alten Hallen neben dem Gleisvorfeld machen einem Neubau Platz: Bis Ende 2020 entstehen hier zwei Bürogebäude für die Zentrale der DB Netz AG. Rund 2200 Mitarbeiter sollen dann von ihrem bisherigen Arbeitsplatz an der Messe dorthin umziehen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber es soll nicht bei diesen beiden sieben- bis achtgeschossigen, kammartigen Bürogebäuden bleiben, die nach Entwürfen der Architekturbüros Jo Franzke und Neumann zwischen der Adam-Riese-Straße und den Bahngleisen entstehen. Vielmehr ist ein ganzes Ensemble namens „Grand Central“ geplant, zu dem auch zwei Hochhäuser zählen. Im Gespräch mit dieser Zeitung haben die Projektentwickler ihre Pläne zum ersten Mal im Zusammenhang erläutert.

          Mit günstigen Wohnungen

          Auf einem schmalen Grundstück am Hafentunnel soll ein Wohnhaus mit bis zu 140 Meter Höhe errichtet werden. Zwischen dem Wohnturm und der neuen DB-Netz-Zentrale ist überdies ein niedriges Wohnhaus mit günstigen Wohnungen geplant. Ein bisher von der Commerzbank genutzter Büroturm an der Hafenstraße rundet das Bauvorhaben ab. Der 90-Meter-Turm soll unter dem Titel „Virage“ saniert und eventuell zu einem Hotel oder Appartementhaus umgebaut werden. Der Mietvertrag mit der Commerzbank läuft zum Jahresende 2019 aus.

          Bei den Bauherren handelt es sich um die Projektentwickler Phoenix Real Estate und Groß & Partner. Jürgen Groß ist unter den Frankfurter Projektentwicklern der Platzhirsch: Sein Unternehmen steuert die Entwicklung auf dem Deutsche Bank-Areal in der Innenstadt, wo vier Hochhäuser geplant sind. Auch auf dem Campus Bockenheim errichtet er ein Hochhaus, außerdem baut Groß in der direkten Nachbarschaft am Güterplatz einen Hotel- und Büroturm.

          „Ein Cluster in der Skyline“

          Die beiden Entwickler sehen ihr Projekt „Grand Central“ im Kontext zu den Türmen, die im näheren Umfeld entstehen. Am Güterplatz und rund um das angrenzende Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ sind vier Hochhäuser geplant, darunter der „Grand Tower“, der höchste Wohnturm Deutschlands. Auch auf dem Grundstück des alten Polizeipräsidiums kann ein Hochhaus entstehen. „Die Türme werden zu einem eigenen Cluster in der Skyline“, sagt Frank Lebsanft, Geschäftsführer von Phoenix Real Estate.

          Das Postverteilzentrum stammt aus den siebziger Jahren und wird bis Herbst 2018 abgebrochen. Es stand rund 20 Jahre leer und sollte schon mehrfach neu genutzt werden. „Es ist gut, dass wir den Knoten nun lösen können“, sagt Groß. Er spricht von „einem Stück Stadtreparatur“, denn ein leerstehendes Logistikgebäude werde einer neuen Nutzung zugeführt.

          Für die neue DB-Netz-Zentrale gibt es schon einen Bauantrag, das Projekt soll nach Paragraph 34 des Baugesetzbuchs genehmigt werden. Dies bedeutet, dass sich die Bebauung an der Umgebung orientieren muss. Die Bahn hat die Bürogebäude mit einer Fläche von mehr als 50 000 Quadratmetern für 20 Jahre gemietet. Der Mietvertrag erleichterte die Suche nach einem Käufer: Phoenix und Groß & Partner haben das Gebäude vor Baubeginn an den Immobilienfonds Amundi veräußert.

          Die Bahnmitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz bequem zu Fuß vom Hauptbahnhof aus erreichen können. Für sie wird direkt am Gleisvorfeld ein Fußweg angelegt, der auch öffentlich genutzt werden kann. Um den Weg zu bauen, soll ein Gleis stillgelegt werden. Über den Adam-Riese-Platz, der neu gestaltet werden soll, gelangen die Passanten auch zur Mainzer Landstraße und ins Gallus- und Europaviertel.

          Um das Bauvorhaben zu realisieren, sind Nachbarschaftsvereinbarungen mit der Commerzbank nötig, die auf der anderen Seite der Adam-Riese-Straße ein Rechen- und Händlerzentrum betreibt. Mit dem Wohnanteil an dem Projekt „Grand Central“ wollen die Entwickler frühestens 2021 beginnen. Sie benötigen die dafür vorgesehenen Grundstücke zunächst für die Baustelle der DB-Netz-Zentrale.

          Einige ungeklärte Fragen

          Wie zu hören ist, gibt es noch einige ungeklärte Fragen. Die Stadt bevorzugt für den Wohnturm einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, um einen Anteil an geförderten Wohnungen sicherzustellen. In einem Bebauungsplan würde auch überprüft, ob die Erschließung der Grundstücke sichergestellt ist. Die Adam-Riese-Straße ist eine Privatstraße, die der Commerzbank gehört. Deren Rechenzentrum ist ein sensibles Gebäude, was das Bauvorhaben nicht einfacher macht. Unter dem gesamten Baufeld liegt eine alte Tiefgarage. Wie in einen großen Trog wird in diese Garage ein neues Parkhaus gebaut.

          Für das Wohnhochhaus soll es einen Architektenwettbewerb geben. Insgesamt rechnen Groß und Lebsanft mit einem Entwicklungszeitraum von fünf bis sechs Jahren. Die Nähe zum Gleisvorfeld sei für die Wohnnutzung kein Hindernis, denn die Züge führen hier langsam und fast geräuschlos in den Bahnhof. Ein Vorteil der Lage sei der neue U-Bahn-Halt Güterplatz, der momentan gebaut wird.

          Die Stadt heißt es gut, dass an dieser Stelle ein leerstehendes Gebäude verschwindet und auch Wohnungen entstehen. Dass diese zum Teil gefördert würden, sei eine klare Abmachung, sagt der Sprecher des Planungsdezernats. Städtebaulich werde das neue Hochhaus die Skyline im Messeviertel ergänzen. 2018 werde der Hochhausrahmenplan fortgeschrieben, denn die Zahl der verfügbaren Hochhausstandorte nehme ab. „Irgendwann ist der Köcher leer.“

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          Quelle: F.A.Z.

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