Das Stadtparlament ist noch nicht einbezogen worden. Der Austritt ist frühestens zum Ende des Jahres möglich. Hintergrund ist dem Vernehmen nach die finanziell prekäre Lage der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Diese mache es erforderlich, rigoros bei den freiwilligen Leistungen zu kürzen. Dazu zählt auch die Mitgliedschaft in der Kulturregion. Auch wenn Mainz dafür im Jahr nur rund 20.000 Euro aufzubringen hat.
Die Kulturregion, eine gemeinnützige Gesellschaft, ist nicht zu verwechseln mit dem vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) initiierten Kulturfonds, für dessen Mitgliedschaft zwei Euro je Einwohner zu zahlen sind und der mit einem Jahresbudget von bisher fünf Millionen Euro von sich aus regionale Vorhaben anstößt und finanziert. Allerdings wird seit längerem über eine Fusion der beiden GmbHs nachgedacht. Ziele und Gesellschafterkreise haben jedoch nur eine geringe Schnittmenge.
„Romantik in Grün“ ist das diesjährige Thema
Die bekanntesten Projekte der Kulturregion sind die Route der Industriekultur, die jedes Jahr in der letzte Woche der Sommerferien mit einem umfangreichen und von Tausenden Besuchern verfolgten Programm gefeiert wird, und die Veranstaltungsreihe Garten Rhein-Main.
Ende 2005 hatten sich rund 20 Kommunen und Kreise sowie der damalige Planungsverband aus eigener Initiative zusammengetan, um die kulturellen Angebote der Städte und Gemeinden bekannter zu machen. Darunter war als Gründungsmitglied auch die Stadt Mainz. Im Gesellschaftervertrag heißt es, durch „Vernetzung, Austausch und Bündelung kultureller Projekte“ werde das Ziel verfolgt, „das Interesse an den vielfältigen Kulturangeboten der Rhein-Main-Region zu fördern“. Am deutlichsten wird der Gedanke der Kulturregion in der Reihe Garten Rhein-Main, die jeweils unter einem Jahresmotto Führungen in den Parks der Region anbietet, mitunter noch angereichert durch Vorträge und Vorführungen. „Romantik in Grün“ ist das diesjährige Thema, ergänzend zum Schwerpunktthema „Impuls Romantik“ des Kulturfonds.
Stark trotz geringen Budgets
Die Kulturregion hat mittlerweile 32 Gesellschafter und das Spektrum auf sechs Projekte erweitert, etwa um das Jugendtheaterfestival „Starke Stücke“ und die Veranstaltungsreihe „Burgen, Schlösser & Paläste“. Wie Geschäftsführerin Sabine von Bebenburg berichtet, arbeitet die GmbH mit einem Budget von rund 500.000 Euro, die Räume der Geschäftsstelle und eine Personalstelle übernimmt der Regionalverband. Aufsichtsratsvorsitzende der GmbH sind der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) und der Groß-Gerauer Landrat Thomas Will (SPD).
Bebenburg ist von der Arbeit der Kulturregion überzeugt: „Es ist unglaublich, was wir mit dem geringen Budget stemmen.“ Doch sie fügt in der Regel auch an, dass die Gesellschaft „finanziell mit dem Rücken zu Wand steht“. Umso mehr trifft die Kulturregion die zum Jahreswechsel öffentlich gemachte Entscheidung des Wetteraukreises, Ende 2012 die Gesellschaft zu verlassen. Nun folgt offenbar Mainz.
„Partner der ersten Stunde“
“Wir bedauern den Schritt außerordentlich“, teilte Bebenburg mit, denn Mainz gehöre selbstverständlich zur Metropolregion dazu. Die Stadt sei „Partner der ersten Stunde“. Wie auch Wiesbaden gehöre Mainz insbesondere zu den Pionieren der Route der Industriekultur. Es sei wichtig, dass es der Kulturregion gelinge, bei einzelnen Projekten mit der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt zu kooperieren. Bebenburg hat keine Rückmeldung, dass Mainz mit der Arbeit der Kulturregion unzufrieden sei, ihr gegenüber ist der Austritt ausschließlich mit dem Hinweis auf die Finanzsituation der Stadt begründet worden, wie sie sagt.
Auch um die Stadt Wiesbaden wirbt die Kulturregion schon lange. Jetzt, nachdem diese beschlossen hat, rückwirkend zum 1. Januar dem teureren Kulturfonds beizutreten, schöpft Bebenburg Hoffnung, dass sich die hessische Landeshauptstadt bewegen könnte. Denn spätestens für 2014 plane Garten Rhein-Main mit dem Thema „Kurbäder und Parks“ zu reüssieren - „und da brauchen wir Wiesbaden“.