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Rat der Religionen : Der Protest der Jüdischen Gemeinde

Die Unsicherheit nimmt zu: Laut Leo Latasch wächst in der Jüdischen Gemeinde die Angst vor Übergriffen. (Symbolbild) Bild: dpa

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt lässt ihre Tätigkeit im Rat der Religionen ruhen. Mitglieder hätten sich antisemitisch geäußert. Zudem fürchtet die Gemeinde Übergriffe - nicht zuletzt wegen eines Angriff auf die Wohnung einer jüdischen Aktivistin.

          Die Jüdische Gemeinde Frankfurt hat beschlossen, ihre Mitgliedschaft im Rat der Religionen mit sofortiger Wirkung ruhen zu lassen. Mitglieder des Rats hätten sich antisemitisch geäußert, begründete Leo Latasch, der Sozialdezernent der Gemeinde, den Schritt. Zum Rat der Religionen gehören 23 Mitglieder mehrerer religiöser Gemeinschaften, Vorsitzender ist derzeit Khushwant Singh.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kritik übt die Jüdische Gemeinde an Selçuk Dogruer. Er ist ein Vertreter der Muslime im Rat und gehört zu dessen Vorstand. Es geht um die Entschuldigung des Frankfurter Polizeipräsidenten Achim Thiel, die er gegenüber Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, nach einem Zwischenfall auf einer Demonstration gegen Israel ausgesprochen hatte. Auf der aus dem Ruder gelaufenen Veranstaltung am 12. Juli hatte eine Beamtin einem Islamisten, der die Lage zu beruhigen versprochen hatte, das Mikrofon eines Polizei-Lautsprechers überlassen. Der Mann nutzte die Gelegenheit, um antiisraelische Parolen zu skandieren. Dogruer hat Latasch zufolge Thiels Entschuldigung als „Ereignis“ bezeichnet, dass es erschwere, „bei einer möglichen Differenzierung zwischen dem Judentum in Deutschland und Israel zu unterscheiden.“

          Klare Position des Rates gefordert

          Weiter habe Ünal Kaymakci, der stellvertretende Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen, auf seiner Facebook-Seite kommentarlos Texte verlinkt. Zu ihnen hätten die Äußerungen „Wir haben nicht vergessen, dass Israel bei seinem Angriff auf Gaza im Jahre 2009 Hunderte Kinder grausam ermordet hat“ und „Israel verübt Verbrechen gegen die Menschlichkeit und einen Staatsterrorismus“ gehört. Auch Kaymakci vertritt die Muslime im Rat der Religionen.

          Die Jüdische Gemeinde erwarte eine klare Positionierung des Rates, sagte Latasch. Mit Personen wie Dogruer und Kaymakci könne die jüdische Seite dort nicht weiterarbeiten. Singh sagte, der Rat werde sich äußern, wenn er in bewährter Tradition mit den Mitgliedern geredet und die Fakten gesichtet habe. Dogruer war nicht zu erreichen; Kaymakci sagte, er wolle sich erst äußern, nachdem der Rat Stellung genommen habe. Joachim Valentin, einer von zwei Vertretern der katholischen Kirche im Rat, sagte, er empfehle den beteiligten jüdischen und muslimischen Ratsmitgliedern ein Gespräch.

          Abscheu über Angriff auf Jüdin

          Laut Latasch sind es nicht die einheimischen Deutschen, die auf der Straße marschierten und antisemitische Parolen brüllten. Viele äußerten jetzt ihre antijüdischen Gedanken unter dem Deckmantel der Israel-Kritik: „Die Büchse der Pandora ist geöffnet.“ Seinen Angaben zufolge herrscht unter vielen Mitgliedern der Gemeinde Angst vor Übergriffen. Am Donnerstag hatte ein Unbekannter in das Badezimmerfenster einer jüdischen Aktivistin eine Flasche geschleudert. Zuvor war der Rabbiner der Gemeinde am Telefon bedroht worden. Latasch zufolge tun Stadt, Polizei und Politik alles, um die Juden hier zu schützen. Er und viele aber fragten sich: „Wo wird das enden?“

          Das Römerbergbündnis hat die antisemitischen Übergriffe und Schmierereien der vergangenen Tage scharf verurteilt. Pfarrerin Esther Gebhardt, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes, sagte im Namen des Bündnisses, zu dem unter anderem Kirchen und Gewerkschaften gehören, dass es angesichts des Angriffs auf die Wohnung der Jüdin „höchste Zeit ist, dass wir Frankfurterinnen und Frankfurter aufstehen und dem Antisemitismus, den es leider auch in dieser Stadt gibt, die Stirn bieten“. Stadtdekan Johannes zu Eltz fügte hinzu, er werde heute und morgen in seinen Predigten auf den Vorfall eingehen. „Ein Angriff auf die Wohnung einer Jüdin ist ein Angriff auf die Katholiken.“

          Die Kommunale Ausländervertretung (KAV) äußerte Entsetzen und Abscheu nach dem Angriff auf die Wohnung und die antisemitischen Ausbrüche der vergangenen Tage. Den jüdischen Mitbürgern gelte die „uneingeschränkte Solidarität“ der KAV, so deren Vorsitzender Enis Gülegen. „Wir müssen uns jeglichem Antisemitismus mit der gleichen Entschiedenheit entgegenstellen wie jedwedem Rassismus.“

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