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Frankfurt Noch ein Profi an der Großen Friedberger

 ·  Der Einrichter und das Leuchtengeschäft für Kunden mit Anspruch sind schon da. Mit dem Umzug der Hifi-Profis ist die Große Friedberger Straße in Frankfurt jetzt auch eine Adresse für gehobene Unterhaltungselektronik.

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Es wehten keine Luftballons, es flogen keine Sektkorken. Ohne viel Aufhebens haben am Dienstag die Hifi-Profis ihr neues Geschäftshaus an der Großen Friedberger Straße in Frankfurt eröffnet. Der stille Anfang hat weniger etwas mit Bescheidenheit zu tun als mit dem Umstand, dass der Umzug vom Eschenheimer Turm in die Nähe der Konstablerwache länger gedauert hat als gedacht und auch längst nicht alles fertig ist.

Noch nackt, ohne Schirm, hängen die Glühbirnen am Kabel, und auch an der ein oder anderen Stelle - etwa da, wo ein dicker Holzspalt die Schiebetür am Zufallen hindert - wird improvisiert. „Wir hatten diverse technische Probleme. Den Juli werden wir wohl noch brauchen, bis alles fertig ist“, sagt Ernst Schmid. Der Geschäftsführer wuselt auch am Tag der Eröffnung noch mit kariertem Arbeitshemd und Zollstock durch die Räume.

Rund 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche

Ihren Stammsitz im ehemaligen Bayer-Haus mussten die Hifi-Profis räumen, weil der Vermieter, das Fleming’s Hotel, den Vertrag nicht verlängert hatte. Das Hotel braucht mehr Platz für Küche und Konferenzen. Im ehemaligen Helberger-Haus fand man 2010 eine passende Immobilie. Die Dietz AG, Investor und Projektentwickler aus Bensheim, hatte das Büro- und Geschäftshaus erworben und anschließend den Gebäudeteil zur Straße hin saniert; ein rückwärtiger Komplex wurde abgerissen, das Grundstück etwas kleiner neu bebaut.

Hier vor allem spielt jetzt die Musik der Hifi-Profis, was man dem Geschäft wegen der recht schmalen Schaufenster-Front von der Straße aus nicht ansieht. Auf rund 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche - das ist nahezu dreimal so viel wie bisher - sind die vier Geschäftsfelder vereint, die bisher über die Stadt verteilt waren: die dänische Premiummarke Bang&Olufsen (Schillerstraße), die Hifi-Highend-Sparte Raum Ton Kunst (Sandhofpassage) sowie das gewöhnliche Hifi- und Fernsehgeschäft (Eschenheimer Turm). Die Verkaufsräume ziehen sich unter einem Tonnendach über verschiedene Ebenen und Galerien mit Dachterrassen. Außerdem gibt es eine Tiefgarage mit 40 Parkplätzen.

Bei den Fassaden geht es unschön durcheinander

Er wolle das Quartier voranbringen, hatte Wolfgang Dietz, Vorstand der Dietz AG, seinerzeit angekündigt. Damals hatten die Geschäftsräume des Nobelhauses Helberger schon drei Jahre leer gestanden. Nach der Sanierung des Hauptgebäudes zog im vergangenen Jahr der Discounter Aldi ein und überraschte mit einer so zentral gelegenen Filiale. Doch auch schon vorher war die Große Friedberger von den Geschäften her die interessanteste der in nördliche Richtung abgehenden Seitenstraßen der Zeil. Neben dem Drogeriemarkt DM als Zugpferd finden sich Sportfachgeschäfte wie Alpin-Basis und Falke-Sport. Der Bequemschuh-Spezialist Schuh Herbert ist inhabergeführt - wie es die meisten Geschäfte der Straße sind. Möbel gibt es rustikal bei Möbel Powalla, modern und edel bei Leptien sowie Lauterbach Schaap (Küchen) und neuerdings schrill beim Polster-Spezialisten Bretz (Alte Gasse). Auf individuelle Beleuchtungssysteme hat sich das Lichtcenter spezialisiert. Lelefant heißt der Nachfolger des Traditionshauses Hanne Kley, mit dem deren Sohn Paul-Benedikt Bispinck 2009 einen neuen Start mit Kindermöbeln und Spielzeug wagte. Schräg gegenüber liegt Wohnen&Spielen, ein weiteres Geschäft für gutes Spielzeug.

Dass der Straßenbelag mit einem wilden Mix aus Beton, Pflastersteinen und nicht mehr genutzten Schienen wenig Vorzeigecharakter hat, steht auf einem anderen Blatt. Auch bei den Fassaden geht es unschön durcheinander. Dabei sind noch ein paar richtige Altbau-Juwelen zu entdecken, deren Schriftzüge (Engel-Apotheke, Zum Mohren, Zum Goldenen Schwan, Brauhaus Henninger) auf eine lebendige Vergangenheit hindeuten. „Es gibt hier ein paar richtig schöne Häuser“, meint Leptien-Geschäftsführer Frank Ziegler, der bedauert, „wie gefühl- und stillos“ vieles an der Straße „nebeneinander gehämmert ist“.

Der Lärm ist an der Friedberger nicht zu überhören

Zumindest am Straßenzustand soll sich im nächsten Jahr etwas ändern. Wie Frankfurts Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) während einer Diskussionsveranstaltung dieser Zeitung in der vergangenen Woche ankündigte, sollen Schäfergasse und Große Friedberger 3,5 bis vier Millionen Euro aus einem Zehn-Millionen-Investitionstopf für die Seitenstraßen der Zeil abbekommen. „Seit sechs Jahren warten wir darauf“, sagt Ziegler.

Die Ankunft der Hifi-Profis wird allenthalben begrüßt - nicht nur deshalb, weil nun zwei Jahre Baustelle vorbei sind. „Das hat uns schon gepiekst“, sagt der Leptien-Chef. „Dort geht das Publikum einkaufen, das wir auch ansprechen“, fügt er hinzu. So sieht es auch Harald Nickel, Store-Manager des Lichtcenters. Das Geschäft der Hifi-Profis sei wie das eigene beratungsintensiv. So gesehen, ergänzten sich die Geschäftsmodelle, auch mit denen der Möbelhäuser. Die Große Friedberger Straße entwickle sich zu einer „Möbelecke“, meint Lelefant-Inhaber Bispinck. „Das ist eine positive Entwicklung.“

Die Anlieger schielen schon ein paar Meter weiter Richtung Diamantenbörse, die Ardi Goldman in ein Büro- und Geschäftshaus umbauen lässt. Der Lärm ist an der Friedberger nicht zu überhören. „Wenn da die richtigen Läden reingehen und eine interessante Gastronomie, dann wird das eine immense Bereicherung für unser Viertel“, prophezeit Ziegler.

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Jahrgang 1964, feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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