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Eigenes Gemüse vom Acker : Warten auf das grüne Glück

  • -Aktualisiert am

Zusammenarbeit: Frankfurter Familien bearbeiten ihre neuen Gärten auf den Äckern in Nieder-Erlenbach Bild: Wolfgang Eilmes

Viele Familien mieten im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach bei Bauer Kötter ein Ackerstück. Dort ziehen sie ihr eigenes Gemüse.

          Kilian freut sich schon auf die Karottenernte. Eigentlich isst er am liebsten Pommes. „Aber die kann man ja nicht anbauen“, sagt der sieben Jahre alte Junge. Bis er die Karotten aus der Erde ziehen darf, muss er allerdings noch einige Wochen warten. Also stampft Kilian mit seinen blauen Gummistiefeln erst einmal einen Trampelpfad auf den Acker. Der trennt das benachbarte vom eigenen Feld ab. Kilian und seine Eltern haben es mit noch zwei weiteren Familien von Landwirt Sven Kötter gemietet. Der hat auf einem seiner Felder rund 90 Rechtecke angelegt und dort in den vergangenen Wochen mehr als 20 verschiedene Gemüsesorten ausgesät. Bis zur Ernte kümmern sich nun die Familien Sovinz, Ruck und Latifi um die Pflanzen, die auf ihrer Fläche stehen.

          Zur Eröffnung der Gärtner-Saison sind die drei Mütter mit den sieben Kindern gekommen. Ihre Männer haben sie daheim gelassen. „Die helfen dann beim Essen“, sagt Jessica Latifi. Sie hat das Ackerstück „Grünes Glück“ getauft. Zurzeit ist es aber noch ziemlich braun. Zucchini, Bohnen und Kürbisse verstecken sich in der Erde. Immerhin schauen Lauch und Mangold schon aus dem Boden. Um die zarten Sprösslinge vor Vögeln und Käfern zu schützen, breiten die Mütter einige Netze darüber aus. Die Kinder suchen nach Erdklumpen und Steinen, mit denen sie die Netze beschweren können.

          Nächsten Tag wieder riesige Dinger

          Vor zwei Jahren haben die Familien schon einmal Ackerstücke gemietet, damals aber getrennt. Sie kamen rund zweimal pro Woche, um Unkraut zu jäten und zu gießen. In der Erntezeit waren sie manchmal sogar jeden Tag auf dem Acker. Weil der Ertrag aber viel zu groß war, haben sie sich diesmal ein Beet geteilt. Die neun Jahre alte Lili erinnert sich noch an die Zucchini-Ernte vor zwei Jahren. „Wir haben alle abgeerntet, und am nächsten Tag waren da wieder riesige Dinger gehangen“, sagt sie. Danach habe es bei ihr daheim Zucchini-Kuchen und noch viele andere Gerichte mit Zucchini gegeben. Später, als die Kartoffeln reif waren, stand dann immer Eintopf auf dem Tisch. Manchmal fuhr Lili mit dem Fahrrad zum Acker, um sich um die Pflanzen zu kümmern. In diesem Jahr freut sie sich besonders auf den Spinat, denn ihr Lieblingsessen sind Spinatnockerl: „Früher habe ich das nie gegessen, aber jetzt esse ich es liebend gerne.“

          In zwei Wochen schon können die ersten Radieschen geerntet werden. Die meisten Gemüsesorten sind im Juli und im August reif, aber Hokkaido-Kürbisse und Grünkohl sprießen noch bis September oder Oktober. Damit die vielen verschiedenen Pflanzen alle gut gedeihen, steht Sven Kötter den Hobbygärtnern mit Rat und Tat zur Seite. Jeden Sonntag kommt er zum Acker und beantwortet Fragen. „Viele fangen zu spät an, das Unkraut zu jäten oder das Gemüse zu ernten“, sagt der 47 Jahre alte Landwirt. Es ist sogar schon vorgekommen, dass seine Mieter statt Unkraut die kleinen Gemüsepflanzen aus der Erde gezogen haben.

          In einer Holzhütte in der Mitte des Ackers lagert Kötter unter anderem Schaufeln, Harken und Gießkannen. Daneben stehen einige Wasserkanister. Wer eine Parzelle gemietet hat, darf Geräte und Wasser benutzen. Etwa drei Viertel der Beete sind schon bepflanzt, auf dem anderen Viertel können die Hobbygärtner ihre eigenen Samen aussäen. Mirjam Ruck will am Freitag zurückkommen und Mais, Gurken, Paprika und Tomaten anpflanzen. Auf das Kochen nach der Ernte freut sie sich schon. „Bei so vielen verschiedenen Gemüsesorten kommen immer neue Rezepte zustande“, sagt Ruck. Bis das „Grüne Glück“ dann aber wirklich ergrünt, dauert es noch eine Weile.

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