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Frankfurt : Mitarbeiter des Jobcenters fordern mehr Sicherheit

Tödliche Eskalation: Ein Polizist steht im Mai 2011 vor dem Jobcenter im Frankfurter Gallusviertel, in dem zuvor eine Polizistin in Notwehr eine Frau erschossen hatte. Bild: dpa

Nach zwei Messer-Angriffen in Frankfurter Jobcenter-Filialen im Dezember fordert der Personalrat mehr Anstrengungen für die Sicherheit der Beschäftigten. Eine neue Arbeitsgruppe soll sich diesem Thema widmen.

          Der Personalrat des Jobcenters Frankfurt hat mehr Anstrengungen für die Sicherheit der Beschäftigten gefordert. Zur Zeit seien die Sicherheitsvorkehrungen mangelhaft, heißt es in einem gestern bekannt gewordenen offenen Brief, der an die Geschäftsführung des Jobcenters und an Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) adressiert ist.

          Christian Palm

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Dezember hat es in den Jobcenter-Filialen in Sachsenhausen und Bockenheim je einen Zwischenfall mit einem Messer gegeben. Nach Darstellung des Personalrats bedrohte ein Kunde eine Mitarbeiterin mit einer Stichwaffe, ein anderer richtete ein Messer gegen eine Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes. In beiden Fällen sei die Polizei gerufen worden, Verletzte habe es nicht gegeben.

          „Nicht erst warten, bis etwas passiert“

          „Wir wollen aber nicht erst warten, bis etwas passiert“, sagte gestern Bernd Guß, Vertrauensmann der Gewerkschaft Verdi im Jobcenter. Nachdem im September eine Sachbearbeiterin im nordrhein-westfälischen Neuss von einem Arbeitslosen erstochen worden war, seien auch die Mitarbeiter des Frankfurter Jobcenters mehrmals mit einer solchen Tat bedroht worden.

          Im Oktober hat der Personalrat die Mitarbeiter zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. Etwa ein Drittel der gut 750Beschäftigten hat geantwortet, vor allem solche, die direkten Kundenkontakt haben, äußerten sich. Sieben von zehn gaben an, schon einmal bedroht worden zu sein. Fast die Hälfte der Befragten stimmte der Aussage zu, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz „häufig unsicher“ beziehungsweise „bedroht“ fühlen. Knapp die Hälfte gab an, das Gefühl zu haben, Vorgesetzte und Geschäftsführung nähmen das Thema Sicherheit nicht ernst, knapp 90Prozent sprachen sich dafür aus, die Sicherheitsvorkehrungen in den Filialen zu verstärken.

          Die Arbeitsgruppe ist noch nicht tätig geworden

          Guß forderte, dass über die Einrichtung von Sicherheitsschleusen am Eingang der Jobcenter diskutiert werde. Dies werde von vielen Mitarbeitern und sogar Kunden an ihn herangetragen. „Nur, weil man am Eingang Pflanzen aufstellt und einen Fernseher, fühlen sich die Mitarbeiter nicht sicherer“, sagte er. Nachdem im Mai vergangenen Jahres eine Frau im Jobcenter im Gallus von einer Polizistin in Notwehr erschossen worden war, hatte man die Außenstelle des Jobcenters mit einer anderen Filiale in einem neuen Gebäude zusammengelegt und die Räume umgestaltet.

          Die Geschäftsführung des Jobcenters hat vor zwei Wochen eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich dem Thema Sicherheit widmen soll. Noch ist die Gruppe nicht tätig geworden. Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Frankfurter Jobcenters, zeigte sich erstaunt angesichts der Kritik des Personalrats. Schließlich sei er eingebunden in die Überlegungen zur Sicherheit. Dies sei ständig Thema, nicht erst seit den Vorfällen im Dezember oder vor anderthalb Jahren. Vorgestern habe es ein Gespräch mit der Polizei gegeben, zudem sei vor kurzem die Hausordnung der Jobcenter geändert worden. Das Mitbringen von Messern und anderen gefährlichen Gegenständen sei von nun an untersagt. Wie dieses Verbot durchgesetzt werden soll, ließ die Geschäftsführerin offen. Die Sicherheit sei ein sensibles Thema, bei dem es gelte, „nichts übers Knie zu brechen.“, Darüber werde intern gesprochen.

          Quelle: F.A.Z.

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