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Frankfurt Marathon „Wacht auf, ihr Frankfurter!“

26.10.2011 ·  In drei Jahrzehnten hat der Frankfurt Marathon, der am Sonntag wieder die Stadt beherrschen wird, viele Geschichten geliefert.

Von Alex Westhoff
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Der erste Sieger nach 42,195 Kilometern durch Frankfurt hieß Kjell-Erik Stahl. 1981 war das, als der Frankfurt Marathon unter dem Namen Hoechst-Marathon geboren wurde. „Ich lief in vollkommener Einsamkeit bis ins Ziel“, erinnert sich Stahl. Der Schwede verbesserte seine persönliche Bestzeit gleich um drei Minuten auf 2:13,20 Stunden. Um das große Geld ging es damals freilich noch nicht. „Nachdem ich im Hotel eine Dusche genommen hatte, klopfte es an die Tür. Ein Vertreter des Veranstalters überreichte mir einen Scheck über 2000 Mark“, sagt Stahl. „Es können auch nur 1000 Mark gewesen sein.“ Dazu bekam er noch eine Lampe mit offensichtlich langer Lebensdauer geschenkt. Stahl: „Die hängt immer noch in meinem Esszimmer und erinnert mich an den Lauf.“

Tickets für die neuen Bundesländer

Als Sieger des Frankfurt Marathons muss man nicht unbedingt nett sein. Es reicht, schnell zu laufen. Über den Sieger von 1990, Konrad Dobler (2:13,29 Stunden) urteilte die „Frankfurter Rundschau“ leicht pikiert, dass er nur einen „bedürftig-sympathischen Eindruck“ gemacht habe. Im Jahr der Wiedervereinigung waren auch 1300 Teilnehmer aus den neuen Bundesländern am Start, die dank des neuen Titelsponsors „Deutsche Bundesbahn“ kostenlos anreisen durften. Und weil es in den Gemeinschaftsunterkünften in Messehalle 1 zu eng wurde, stellte die Bahn noch 240 Plätze in Schlafwagen zur Verfügung.

Stürmische Premiere

Im Jahr 2002 übernahm Jo Schindler als Renndirektor die Geschicke des Großereignisses. Er fuhr am Rennsonntag früh morgens mit dem Auto zum Start, drehte das Radio an und hört gerade noch den Aufruf an die Frankfurter Bürger: Bitte bleiben Sie heute zu Hause - Orkan-Warnung. „Super, habe ich da gedacht. Und wir starten gleich einen Marathon“, erinnert sich Schindler an die bangen Minuten. Der Lauf startete in der Tat pünktlich. Doch mittendrin habe plötzlich das Rote Kreuz wegen des starken Windes zum Abbruch geraten. Schindler habe nur geantwortet: „Gut, und Sie sammeln jetzt 7000 Läufer in der ganzen Stadt ein?“

„Winnie“ macht Wind

Mit miesepetrigem Wetter hatten die Veranstalter in der Geschichte des Frankfurt Marathons häufig zu kämpfen. Schon 1998 machte das Sturmtief „Winnie“ aus dem Marathon ein Windrennen. In der Nacht zuvor hatten die Orkan-Böen schon einige Kilometerschilder abgerissen. Am Renntag selbst machte sich eine 2,50 Meter hohe Wand für Messe-Stände selbständig. Sie flog hoch durch die Luft und verfehlte Oberbürgermeisterin Petra Roth und die damalige Sportdezernentin Sylvia Schenk nur knapp. „Da haben wir alle die Luft angehalten“, erinnert sich der damalige Sportliche Leiter des Marathons, Wilfried Raatz.

Weckruf für die Zuschauer

Schon 1983 hatte sich der Hoechst-Marathon international einen Namen gemacht. Auch wenn die 250000 Zuschauer am Streckenrand etwas animiert werden mussten. Der Sprecher im Führungsfahrzeug rief unentwegt in sein Mikrofon: „Wacht auf, ihr Frankfurter, die Marathonspitze kommt. Bitte mitklatschen!“

„Dilettantische Streckenbastler“

1987 war das Kapitel Hoechst beendet. Nun wurde der Frankfurt Marathon erstmals Ende Oktober und auf der Theodor-Heuss-Allee gestartet. Aus Kostengründen sollten keine Spitzenläufer verpflichtet werden. Ein Sponsor machte dann doch den Start des damals besten deutschen Langstreckenläufers Herbert Steffny möglich. Die neue Strecke indes stieß auf heftige Kritik. Zu viel Kopfsteinpflaster, zu viele Hügel, zu viel schlechter Straßenbelag. „Zermürbend“, sagte Herbert Steffny. Dessen älterer Bruder Manfred zürnte gar: „Der Dilettantismus der Streckenbastler zeigte sich schon auf den ersten fünf Kilometern.“

Der Sturz des Dopingsünders

Einen der spektakulärsten Zieleinläufe in Frankfurt legte Martin Bremer hin. Der Marathon-Debütant taumelte 1996 entkräftet der Ziellinie entgegen, erreichte das Band, knickte zusammen und schlug der Länge nach hin. In 2:13,38 Stunden rettete er noch vier Sekunden Vorsprung vor einem Japaner ins Ziel. Für die letzten zwei Kilometer hatte Bremer knapp acht Minuten benötigt. Erst drei Tage vor dem Frankfurter Rennen war seine zweijährige Dopingsperre abgelaufen. Bremers offenherzige Begründung für die Einnahme der verbotenen Substanz: Potenzstörungen.

Soweit die Socken tragen

Das Bild von qualmenden Socken passte auf niemanden so gut wie auf Haile Koricho. Nur dass die Socken des tapferen Äthiopiers 1999 nicht (mehr) in Laufschuhen steckten. Weil die neuen Schuhe ihn unterwegs drückten und zwickten, zog er sie aus - und kam auf zerschlissenen Socken ins Ziel. In 2:17,35 Stunden, Rang elf.

Die vier Nimmermüden

Es gibt vier Athleten, die von der Premiere 1981 bis heute an jedem Frankfurt Marathon teilgenommen und es auch ins Ziel geschafft haben: Kalli Flach, Eugen Föt, Horst Jendrasch und Bernhard Schacke. Sie alle sind in Besitz einer ewigen Startnummer. Jendrasch ist mit 75 Jahren der Älteste von ihnen. Die Zeit spielt für ihn vor seinem 132. Marathonlauf an diesem Sonntag keine Rolle mehr. „Man ist froh, wenn man durchkommt“, erzählt er. Der Frankfurter Lauf ist für ihn stets der Abschluss der Laufsaison. „Mit dem Laufen kann man nicht aufhören, der Körper hat sich darauf eingestellt“, sagt Jendrasch. Der gebürtige Frankfurter Schacke ist nur ein Jahr jünger, hat aber noch klare Ambitionen, was seine Laufzeit angeht. „Wenn ich den Geburtstags-Marathon zwischen vier und viereinhalb Stunden abschließe, ist das völlig in Ordnung.“ Eugen Föt ist sich derweil noch nicht sicher, ob er auf seine Frau hören soll. „Nach dem Dreißigsten machst Du aber Schluss“, hat er neulich von seiner Gattin zu hören bekommen. Vermutlich wird er sich nicht dran halten.

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