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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurt Kreativ und kostengünstig in der Start-up-Kommune

 ·  Im Frankfurter „Mainraum“ profitieren Gründer von günstigen Mieten und der Nähe zu ihresgleichen.

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Es herrscht Stille. Kreative Stille, um genau zu sein. „Jeder hier werkelt vor sich hin, denkt nach oder diskutiert mit seinem Kompagnon die neueste Idee“, sagt Fred Beier. „In Zimmerlautstärke natürlich“. Der Kommunikationsdesigner hat seit dem 1.Juni ein Büro im Frankfurter Gründerhaus „Mainraum“ im fünften Stock eines Gebäudes in der Ostendstraße. „Und wenn man gerade nicht weiterkommt, dann rennt man auf dem Gang vielleicht in einen Nachbarn, und der bringt einen eventuell auf eine Idee, ohne dass er es weiß.“

Wie andere Selbständige konnte sich der Grafiker zu Hause nicht konzentrieren und sehnte sich nach Kontakten. Auswahl hat der Jungunternehmer im Mainraum genug: In den 18 Büros arbeiten Journalisten, Designer und Filmemacher Tür an Tür. Das 2009 von der Wirtschaftsförderung der Stadt Frankfurt eröffnete Gründerhaus soll jungen Unternehmen den Start erleichtern. Kreative mit Geschäftsideen rund um die Computerspielentwicklung, Film-, Bild- und Tonbearbeitung sowie Designer können hier einzelne Räume günstig mieten. „Die Grenzen verschwimmen jedoch. Wir haben die drei Bereiche bewusst ausgewählt, damit es zu Überschneidungen kommt“, sagt Manuela Schiffner, Leiterin des Kompetenzzentrums Kreativwirtschaft der Stadt Frankfurt. „Im Idealfall arbeiten die Kreativen zusammen, ergänzen sich und entwickeln Ideen. Manche Projekte können von einer Firma allein gar nicht bewältigt werden.“

Synergieeffekte erwünscht

Die Mieter bestätigen dies, wollen aber über einzelne Kooperationen nicht gern sprechen, da jeder bei aller Hilfsbereitschaft eigentlich für sich selbst kämpft und jeder sein eigenes kleines Unternehmen ist. Bei der „Ich-AG“ Fred Beier, der hauptsächlich Corporate Identities, etwa Logo und Geschäftspapiere für Firmen, entwirft, hat sich schon eine Kooperation mit einem Nachbar ergeben. „Es ist wirklich ein Vorteil: Ich arbeite eher im klassischen Printbereich, andere gestalten Websites. Da kommt man schon zusammen.“

Zu solchen Synergieeffekten kommt aber noch ein hartes Argument: Geld. Viele Jungunternehmer, gerade wenn es sich um allein arbeitende Selbständige oder Zwei-, Drei-Mann-Büros handelt, sind anfangs meist knapp bei Kasse und wollen sich nicht an eine hohe Miete binden. Zu Quadratmeterpreisen von 9,40 Euro inklusive Nebenkosten können Jungunternehmer einzelne Räume mieten. Das günstigste Büro ist für 187,58 Euro zu haben. 18 Büroräume zwischen zehn und 28 Quadratmetern Größe bieten zusammen mit Gemeinschaftsräumen und einer Küche alles in allem 560 Quadratmeter Fläche. Die Verträge sollen jeweils für ein Jahr abgeschlossen werden. Maximal dürfen die jungen Unternehmen drei Jahre lang bleiben.

Wirtschaftsförderung unterstützt

Um an die Räume zu kommen, müssen sich potentielle Mieter mit ihren Geschäftsplänen bei der Wirtschaftsförderung bewerben. Für viele der Kreativen, die studienbedingt meist wenig Ahnung von kaufmännischen Dingen haben, nicht leicht, aber machbar, erzählen sie. Vor allem der Gedanke, sich vorzustellen, wo die Firma sich in ein paar Jahren befinden soll, sei vielen schwergefallen. Und zwar eher finanziell gesehen, nicht künstlerisch.

200.000 Euro hat die Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH, die schon das Innovationszentrum FIZ und das Existenzgründerzentrum „Kompass“ ins Leben gerufen hat, in die Renovierung und Ausstattung des Mainraums gesteckt. Viel Geld, die Stadt kann aber mit Themen wie Computerspiele, Marketing und Design einen großen Teil der kreativ Schaffenden ansprechen.

Co-Working-Plätze werden auch angeboten

Für die Firma Henne&Ordnung ist der Mainraum inzwischen zu klein geworden. Hendrik Schmandt und Max van Oorde hatten beide jahrelang zusammen bei der Werbeagentur Leo Burnett gearbeitet und sich dann als Büro für Digitale Medien selbständig gemacht. Als die beiden noch zu Hause gearbeitet haben, war es ihnen eher unangenehm, Kunden zu empfangen. Die Werber, die zum Beispiel Kundenzeitschriften von Unternehmen digital bearbeiten, hatten schließlich keine Konferenz- und Empfangsräume. Bei ihrer Suche nach einem präsentablen und günstigen Arbeitsort stießen sie auf den Mainraum. Von außen sieht das Gebäude an der Poststraße zwar nicht danach aus, die Inneneinrichtung jedoch ähnelt trendigen Werbeagenturen. Die Gemeinschaftsflächen, der Eingang im Stil einer Lounge, die Küche, zwei kleine Besprechungsräume, ein großer Besprechungsraum. Dennoch möchten die beiden Gründer von Henne&Ordnung umziehen und expandieren. „Mainraum war perfekt für den Anfang, jetzt werden wir aber erwachsen“, sagt Max van Oorde. „Wir brauchen mehr Platz, und Repräsentatives spielt bei manchen Kunden doch eine große Rolle“, sagt der ehemalige Werber, will dies aber auf keinen Fall als Kritik am Mainraum verstanden wissen.

Manuela Schiffner hat Verständnis dafür, das Verlassen des Mainraums sei Teil des Plans. Man sei gezielt auf die Bedürfnisse der Kreativbranche eingegangen, sagt sie. „Neben kostengünstigen Kleinstbüroflächen und der attraktiven Infrastruktur des Hauses liegt ein großer Vorteil für die Gründer in der auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Beratung, die vor Ort geboten wird“, sagt sie. Seit einiger Zeit finden im Mainraum auch Informationsveranstaltungen zu Themen wie Unternehmensfinanzierung, Vertragsgestaltung bis hin zur Altersvorsorge statt. Das schönste sei aber, sagen die Gründer, sein eigener Chef zu sein und jeden Morgen ins eigene Büro zu kommen, das man selbst eingerichtet hat.

Wer das nicht will, für den gibt seit neuestem eine andere Option: Zur Unterstützung von kurzfristigen Projekten bietet das Gründerhaus sogenannte Co-Working-Plätze an. Zu Flatrate-Preisen (280 bis 310 Euro, inklusive Internet) für mindestens zwei bis längstens zehn Monate Mietdauer können sich Kreative, kleine Start-ups und digitale Nomaden ein Büro teilen.

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