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Frankfurt Junges Theater soll gestärkt werden

 ·  Fachleute fordern, dass Frankfurt ein Produktionshaus für zeitgenössisches, spartenübergreifendes Kinder- und Jugendtheater bekommt.

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Fachleute fordern, dass Frankfurt ein Produktionshaus für zeitgenössisches, spartenübergreifendes Kinder- und Jugendtheater bekommt. Mit drei bis vier Millionen Euro Zuschuss könnte ein überregional ausstrahlendes Haus betrieben werden, an dem sich auch das Land Hessen beteiligen sollte. Außerdem sollen bestehende, erfolgreiche Theater gestärkt und neue Formen ausgebaut werden. Bisher gibt es weder ein ausreichendes Angebot noch eine für größere Produktionen geeignete Spielstätte in Frankfurt. Dies ist das Ergebnis einer Anhörung mit Experten, die auf Einladung des Kulturamts der Stadt am Freitag im Haus am Dom stattgefunden hat.

Am Dienstag wird Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) im Kulturausschuss die Ergebnisse einer Perspektivkommission zur freien Theaterszene präsentieren, die schon jetzt für Unruhe in der Szene sorgt. Zusätzlich hatte die schwarz-grüne Koalition den Magistrat beauftragt, eine Anhörung zum Kinder- und Jugendtheater zu veranstalten. Dieses solle über das bestehende Angebot hinaus qualitative Akzente setzen.

Es gehe um neue Strukturen

Ein großer Teil der Frankfurter freien Szene, zwei Dutzend Gruppen und Spielstätten, kümmert sich zeitweise oder ganz um Kinder- und Jugendtheater. Das ist zu wenig, um den rund 100.000 Kindern und Jugendlichen in der Stadt einmal im Jahr, wie von Bildungsfachleuten als Minimum gefordert, einen Theaterbesuch zu ermöglichen. Nur für etwa die Hälfte der Minderjährigen ist der Bedarf gedeckt. Zirka fünf Millionen Euro für freie Theater sieht der Kulturetat der Stadt vor, der mit etwa 168Millionen Euro als höchster in Deutschland gilt.

Nicht um Einsparungen, sondern um neue Strukturen ging es bei der jetzigen Anhörung. Mit Andrea Gronemeyer, Direktorin des „Schnawwl“-Jugendtheaters am Nationaltheater Mannheim, Stefan Fischer-Fels, dem künstlerischen Leiter des Grips-Theaters Berlin, und Brigitte Dethier, der Intendantin des Jungen Ensembles Stuttgart, waren drei ausgewiesene Fachleute geladen. Die hiesige Szene wurde vertreten durch Gordon Vajen, den Intendanten des Freien Theaterhauses, der Frankfurt „nicht so katastrophal schlecht“ dastehen sieht wie mancher der Externen. Dem Theaterhaus-Ensemble und dem Theater „Grüne Sosse“ attestierte Fischer-Fels nationales und internationales Renommee, beide aber seien „unfassbar schlecht ausgestattet“.

Tiefe Gräben

Dass in Frankfurt zu viele Mittel fest gebunden seien, vor allem an „Erbhöfe“ der vor 30Jahren etablierten Freien Szene, die davon intendantengleich profitierten, ohne sich künstlerisch und qualitativ zu entwickeln, wird seit Jahren nicht nur von jüngeren Künstlern beklagt, für die kaum Geld bleibt. Kritik an diesem Zustand äußerte in der Anhörung Brigitte Dethier, die der Frankfurter Perspektivkommission angehört, auch mit Blick auf das Kindertheater: Es gebe „Einrichtungen in dieser Stadt, die ihrem Label nicht gerecht werden“ und „altmodisch“ wirkten. Sie plädierte am eindringlichsten für ein Produktionshaus mit „überprüfbaren Modellen und Zielvereinbarungen“ unter einer befristeten künstlerischen Leitung, wie bei öffentlichen Theatern auch.

Zwischen deren Bemühungen, etwa an der Oper und am Schauspiel, das für sein Kinderstück „Roter Ritter Parzival“ 2010 den Theaterpreis „Faust“ gewann, und jenen der freien Szene liegen tiefe Gräben. Das wurde in der anschließenden Diskussion mit hiesigen Theatermachern offenbar. Mehr Dialog forderten alle Fachleute. Der „Runde Tisch“ des hiesigen Arbeitskreises Kindertheater hat offenbar noch keine Abhilfe schaffen können. Oft neiden die „Freien“ den „Festen“ ihre Ausstattung, manche scheinen davon überzeugt, Stadt- und Staatstheater arbeiteten lediglich daran, ihr „Publikum von morgen“ heranzuziehen, während es ihnen um Persönlichkeitsbildung und ästhetische Erziehung gehe. Allen Kindertheatermachern aber ist gemein, das sie mit weit weniger Mitteln und Gagen auskommen müssen als ihre gleich ausgebildeten Kollegen im Erwachsenenspielbetrieb. Dort können höhere Eintritte verlangt werden, Produktionen für junge Zuschauer kosten jedoch genauso viel. Die Frage sei, wie viel der Stadt und auch der ansässigen Wirtschaft gute Qualität für Kinderkultur wert sei, sagte Vajen. Dass Frankfurt noch über genügend Geld verfüge, scheint unter den Kulturschaffenden unstreitig zu sein - um dessen Verteilung aber dürfte bald heftig gerungen werden. Nach Impulsen wie dem Kindertheaterpreis „Karfunkel“ und einer Konzeptförderung freier Künstler ist nun, nach jahrelangen Debatten, offenbar wirklich daran gedacht, die Förderung der Darstellenden Künste in Frankfurt zu verändern.

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Jahrgang 1970, Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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