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Anbau des Jüdischen Museums : Im Altbau die Geschichte, im Neubau die Gegenwart

Grauer Beton: Der Rohbau des neuen Jüdischen Museums muss noch mit Baumstämmen abgestützt werden, bis der Beton ausgehärtet ist. Bild: Wonge Bergmann

Im Sommer nächsten Jahres sollen der Anbau des Jüdischen Museums und das Rothschild-Palais eröffnet werden. Bisher läuft alles nach Plan, beim Richtfest herrschte Vorfreude.

          Der Richtkranz für den Anbau des Jüdischen Museums ist gestern nicht wie üblich von einem Kran auf das Dach des Rohbaus gehievt worden, nein, der Kran hat den Kranz vom Himmel auf die Erde schweben lassen. Vielleicht hatte dieser Akt eine symbolische religiöse Bedeutung, vielleicht war er auch nur ganz pragmatischen Überlegungen geschuldet. Niemand unter den vielen Ehrengästen aus Stadt und Land konnte sich einen Reim darauf machen. Feierlich war es aber allemal.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Anton Schick, der von Museumsdirektorin Mirjam Wenzel und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) schwer gelobte Chef der gleichnamigen Baufirma, hat in seinem gedichteten Vortrag die Reime nur so rollen lassen, dabei drei Mal von oben dem Fußvolk zugeprostet, drei volle Gläser Wein geleert und dann das Behältnis wie bei einer Schiffstaufe gegen den Kiel des Anbaus geschleudert. Eine wahrlich reife Leistung.

          Markenzeichen des Judentums

          Um den Richtkranz schlängelte sich übrigens ein blau-weißes Band, diese Farbkombination, so erläuterte Wenzel, habe sich mittlerweile zu einem Markenzeichen des Judentums entwickelt. Am Anbau, vor dem gestern der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zu den Gästen und Bauleuten sprachen, sucht man freilich vergebens nach dieser Farbkombination.

          Der ganz aus Beton gegossene Gebäudekörper zeigt das übliche Grau dieses Werkstoffs. Außen werden die Handwerker bald einen hellen Putz, der mit dem des angrenzenden Altbaus korrespondiert, über dieses Grau legen. Innen bleibt der Beton nackt. Doch zum Glück handelt es sich nicht um den Brutalismus-Beton, vor dem man sich zur Zeit im Deutschen Architekturmuseum gruseln kann, sondern um Sichtbeton der höchsten Güteklasse, der wirklich gut aussieht.

          Frankfurt investiert in Museumslandschaft

          Erst der Bau des neuen Historischen Museums, jetzt die Erneuerung und Sanierung des Jüdischen Museums, dazu die Errichtung des Romantik-Museum: Frankfurt investiert weiterhin in seine Museumslandschaft. Im Falle des Jüdischen Museums stellt die Stadt 50 Millionen Euro zu Verfügung, wobei in dieser Summe auch die schon abgeschlossene Erneuerung des Museums Judengasse inbegriffen ist. Vom Land kommen weitere sechs Millionen Euro sowie drei Millionen aus Spenden, welche die Freunde und Förderer des Museums unter dem früheren Oberbürgermeister Andreas von Schoeler eingesammelt haben.

          Ob das Werk gelungen ist, kann man erst im Sommer des nächsten Jahres mit Gewissheit sagen, denn dann sollen der Anbau und der restaurierte Altbau eröffnet werden. Eigentlich handelt es sich um zwei Altbauten: Das Haus Nummer 14, das der Stadtbaumeister Hess um 1820 für sich, und das Haus Nummer 15, das er für die Bankiersfamilie Speyer errichten ließ, die das Gebäude später an Mayer Carl von Rothschild veräußerte, weshalb es heute Rothschild-Palais heißt.

          Ein kleines Wunder

          Nun, da beide Häuser bis auf die Decken und Mauern ausgeweidet sind, kann man leicht erkennen, dass es sich um zwei Gebäude handelt. Ganz oben unterm Dach hat einst Kulturdezernent Hilmar Hoffmann zu Beginn seiner Amtszeit gewohnt, künftig werden die Kuratoren sich dort Ideen ausdenken und die Verwaltung die Geschäfte des Museums in Gang halten. Ein Stockwerk darunter auf der dritten Etage soll die künftige Dauerausstellung mit den beiden Themenkomplexen Geschichte und Gegenwart der hiesigen Jüdischen Gemeinde beginnen, wobei mit Geschichte die Zeit von 1945 bis heute gemeint ist. Dass bald nach dem Holocaust Juden in Frankfurt wieder eine Gemeinde gründeten, sei, so Oberbürgermeister Feldmann gestern in seiner Rede, ein kleines Wunder gewesen. Dort oben im dritten Stock der Altbauten will Direktorin Wenzel auch noch zwei Kunstkabinette einrichten lassen, eines mit Werken des Frankfurter Malers Moritz Daniel Oppenheim, das andere mit Arbeiten von Ludwig Meidner.

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